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Oberbaudirektor Jörn Walter

Dieser Mann formte das moderne Hamburg

Insgesamt 18 Jahre war Jörn Walter Oberbaudirektor der Hansestadt Hamburg, nun geht der 60-Jährige in den Ruhestand. Foto dpa

Insgesamt 18 Jahre war Jörn Walter Oberbaudirektor der Hansestadt Hamburg, nun geht der 60-Jährige in den Ruhestand. Foto dpa

Auf fast zwei Meter Körperlänge bringt es Jörn Walter, Hamburgs Oberbaudirektor. Dass er nicht nur körperlich, sondern auch in seiner 18-jährigen Tätigkeit positiv aus dem Rahmen fiel, hat er seit Dienstag aus offiziellem Munde.

Dienstag, 11.07.2017, 18:17 Uhr

Von Markus Lorenz

Bei der feierlichen Verabschiedung im Festsaal des Rathauses wurde Bürgermeister Olaf Scholz ungewohnt euphorisch und adelte den scheidenden Amtsinhaber als „großen Oberbaudirektor. In die Reihe der berühmten Hamburger Amtsvorgänger passen Sie, lieber Jörn Walter, sehr gut.“ Unausgesprochen rückte Scholz ihn damit in die Nähe des legendären Fritz Schumacher – das denkbar höchste Lob.

Prägte Schumacher (1909-1933) das Hamburg des 20. Jahrhunderts, hat Walter die Stadt des 21. Jahrhunderts wesentlich gestaltet und verändert. Als oberster technischer Beamter wacht der der Oberbaudirektor (Behördenkürzel „OD“) über das bauliche Gesamterscheinungsbild und legt mit der Politik die Linien der Stadtentwicklung fest. Zugleich ist er der große Verhinderer von Bausünden jedweder Art. Ohne die Zustimmung des „OD“ wird kein bedeutendes Gebäude errichtet, jede Veränderung an wichtigen Standorten geht über seinen Schreibtisch.

Jörn Walter, 1957 in Bremen geboren und bis 1999 Stadtplaner in Dresden, fand sein größtes Projekt bei Amtsantritt bereits vor. Hamburg hatte gerade entschieden, 150 Hektar citynahe Brachflächen an der Elbe in einen mondänen Stadtteil zu verwandeln. Walter war derjenige, der die Entwicklung dieser Hafencity von der Frühphase an entscheidend prägen sollte. Elbphilharmonie, Hafencity-Universität, Marco-Polo-Tower, Baakenhafen-Quartier – allesamt in seiner Zeit erdacht und gebaut.

Nicht allen gefiel und gefällt die Hafencity. Kritiker beklagten eine glasdominierte, kantige und einfallslose Architektursprache, Stararchitekt Hadi Teherani sprach einmal von „Würfelhusten“. Der Oberbaudirektor hielt das aus. Die zunehmende Belebung des Quartiers gibt ihm recht: kaum ein Hamburg-Tourist, der den Stadtteil am Flussufer nicht besichtigt.

Walters anderes großes Erbe ist der „Sprung über die Elbe“, der Anbindung südelbischer Stadtteile an die Kernstadt. Er war Spiritus Rector der Internationalen Bau- und Gartenbauausstellung in Wilhelmsburg 2013, Vehikel um mit teils gewagten Gebäuden die sozial fast abgeschriebene Elbinsel zu beleben.

Weitere wichtige Weichenstellungen verbinden sich mit der Amtszeit des Gummibärchen-Genießers: Walter projektierte die Neue Mitte Altona und war Ideengeber für Hamburgs den Aufbruch nach Osten. Seine größte Enttäuschung erlebte er im Herbst 2015, als die Hamburger eine Olympia-Bewerbung für 2024 ablehnten. So verschwand sein Konzept in der Schublade, nach dem die Olympia-Infrastruktur Hamburgs Stadtentwicklung wie ein Raketenantrieb beschleunigt hätte.

Nicht nur der Bürgermeister, auch Wegbegleiter schwärmen von einem erfolgreichen und leidenschaftlichen Kollegen. Bis zum letzten Tag brannte Walter für den Job, zog mit flammenden Reden zu Stadtplanung und Architektur auch Außenstehende in seinen Bann. Bei Karin Loosen, Präsidentin der Hamburger Architektenkammer, klang der Ritterschlag so: „Jörn Walter war ein hervorragender Steuermann, der das Amt mit Bravour geführt hat. Er hat sich unabkömmlich gemacht.“

Wer in die großen Fußstapfen tritt, ist noch nicht entschieden.

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