Dirk Steffens auf großer Tour
Elefanten gehören zu den ausgesprochenen Lieblingstieren des Journalisten Dirk Steffens. Foto Oliver Roetz
Seit einem Vierteljahrhundert reist Moderator und Journalist Dirk Steffens, der in Assel aufgewachsen ist, für Naturwissenschaftsformate wie „Terra X“ um die Welt. Noch bis 21. Februar tourt er mit seiner Vortragsreihe „Living Planet Tour“ durch Deutschland.
Ein Gespräch über Mutter Erde, das bewusste Leben, Reisen und seine Hauskatzen.
Sie wohnen in Hamburg. Sind Sie mit der Bahn gekommen?
Dirk Steffens: Zu Fuß sogar. Ich wohne im Grindelviertel, und das sind keine 15 Minuten Gehweg.
Ist das auch etwas, was Sie in Ihrem Programm „Living Planet Tour“ vermitteln wollen: Laufen Sie zu Fuß?
Klar, ein bewusster Umgang mit allen Ressourcen ist wichtig. Auch darum geht es ja in meinem Vortrag.
Wie ist der Zustand unserer Erde?
Ganz mies. Wir denken bei Umweltthemen immer zuerst an den Klimawandel, der ist aber nur Teil eines viel größeren Problems. Der Living Planet Report, die weltweit führende Datensammlung zur Analyse des Gesundheitszustandes unserer Erde, ist die Grundlage meines Vortrages, und er benennt weitere Problemfelder. Beispielsweise den Ressourcenverbrauch. Die Menschheit verbraucht zurzeit die Ressourcen von 1,5 Planeten Erde. Man muss kein Mathegenie sein, um herauszufinden, dass das nicht lange gutgehen kann. Wir heben sozusagen jeden Tag etwas vom Sparkonto ab, zahlen aber nie etwas ein. Also sind wir irgendwann pleite, und dieser Tag ist leider nicht mehr so fern.
Was können wir von Ihnen lernen?
Meine Zuschauer brauchen niemanden, der ihnen Vorschriften macht, die können selber entscheiden, was sie zu tun bereit sind. Pauschale Ratschläge helfen sowieso nicht weiter. Beispiel: Wenn Sie in Asselermoor leben, wo ich aufgewachsen bin, sind Sie im Alltag fast zwingend auf ein Auto angewiesen. Wohnen Sie hingegen mitten in Hamburg, geht es auch ohne. Also wäre der pauschale Ratschlag für beide Menschen, kein Auto zu fahren, undurchdacht. Die Message ist: Jeder muss selber darüber nachdenken, was in der jeweiligen Lebenssituation möglich ist. Und das ist eine Menge, jeder von uns hat jeden Tag 100 Mal die Wahl. Wie Sie zur Arbeit fahren, was Sie da essen, was Sie nachher im Supermarkt einkaufen, wohin Sie Ihre Urlaubsreise planen, welche technischen Geräte Sie zu Hause haben, woher Sie Ihren Strom beziehen usw., usw. Jedes Mal, wenn Sie sich ein wenig mehr für Nachhaltigkeit entscheiden, dann sind Sie dabei die Welt zu retten.
Sie sind viel unterwegs. Wo waren Sie zuletzt?
Ich war gerade in Palau. Das ist ein ganz kleiner Südseestaat im Pazifik, ein kleines Land mit 20 000 Einwohnern.
Ich habe schon drüber gelesen...
Ja, mein Lieblingsland.
Wie oft sind Sie da?
Ich versuche, jedes zweite Jahr dort zu sein. Ich habe Freunde da.
Das heißt, das war gerade ein Privaturlaub?
So halb, halb. Ich bin ja auch der palauische Konsul in Deutschland. Ich verbinde so eine Reise dann mit ein bisschen Arbeit oder recherchiere eine Geschichte.
Gibt es einen Fleck auf der Erde, an dem Sie noch nicht waren?
Ja. Ich schätze mal, dass ich bisher in etwa 120 Ländern war. Wenn Sie auf die Uno-Liste der Staaten gucken, dann stehen da, glaube ich, 194 oder noch mehr Länder drauf. Also fehlen noch ein paar. Aber ich hake keine Länder ab. Das ist nicht mein Ziel. Es gibt Staaten, die mich nicht interessieren, wie Monaco mit seinen Millionären und Villen, und dann gibt es Länder, in die man aus Sicherheitsgründen nicht reisen kann. Wir fahren zum Beispiel in diesem Jahr das erste Mal in den Iran. Das war viele Jahre lang nicht möglich, jetzt hat sich die politische Situation etwas entspannt. Und so ist der Korridor der Möglichkeiten nie bei 100 Prozent.
Welches Land reizt Sie denn noch?
Iran zum Beispiel.
Verdammt. Anders gefragt, welches Land reizt Sie denn noch – außer dem Iran?
Die ganzen Stan-Länder. Das sind Turkmenistan, Kirgisistan, Usbekistan und so. In dieser Gegend kenne ich mich überhaupt noch nicht aus, das finde ich sehr spannend.
Beruflich?
Das ist mir wumpe. Ich reise, um zu lernen. Wenn allerdings eine Kamera dabei ist, eröffnen sich mehr Möglichkeiten, Wissenschaftler zu interviewen und Forschungsprojekte kennenzulernen. Das ist das Wunderbare an diesem Beruf. Ich erhalte tiefere Einblicke, als ich sie als Tourist erlangen könnte.
Wie kann ich mir das vorstellen. Sie sagen in der Redaktion, hey, wollen wir nicht mal nach Turkmenistan?
Es gibt eine richtige Wissenschaftsredaktion beim ZDF in München-Unterföhring. Wir sitzen einmal im Jahr zusammen, und definieren die Ziele der Expeditionen fürs kommende Jahr. Das hängt davon ab, wo wir gerade waren, wir würden natürlich auch nicht sechs Mal hintereinander Wüstenländer wählen. Wir erarbeiten eine geografische Mischung. Alle Kollegen dort sind Naturwissenschaftler, die recherchieren, welche interessanten, möglichst auch neuen, naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und Themen in den ausgewählten Ländern zu finden sind. So entstehen die Sendungen.
Wie viele sind da für dieses Jahr geplant?
Ich mache für „Faszination Erde“ jedes Jahr sechs Sendungen, und dann kommen noch Sonderprojekte dazu, so neun bis zehn „Terra X“-Projekte also insgesamt. Das ist ganz schön viel.
Wie viel sind Sie zu Hause?
Die Hälfte des Jahres seit ich „Terra X“ mache. Früher war das noch viel weniger. Das kann man als junger Mensch mal ein paar Jahre aushalten, aber irgendwann fängt es an zu nerven, nie zu Hause zu sein. So wie es jetzt ist, gefällt es mir.
Haben Sie Heimweh?
Ja, immer. Nach zehn Tagen fängt das an. Ich wache auf, ich will nach Hause, ich schaue auf den Kalender, und es ist fast immer der zehnte Tag einer Reise. Sehr seltsam.
Was vermissen Sie?
Meine Frau, meine Katzen, Hamburg, meine Familie. Alles also was Heimat ausmacht. Die bedeutet mir viel, für mich wird Reisen erst durch den Bezug zur Heimat richtig interessant.
Sie haben eben schon Ihre Katzen angesprochen. Ich hätte ja bei Ihnen erwartet, dass Sie bedrohte Tiere retten. Stattdessen haben Sie ganz normale Katzen.
Ja, ich wohne ja mitten in Hamburg in einer Vier-Zimmer-Wohnung im ersten Stock. Da wäre es Tierquälerei Wildtiere zu halten.
Aber haben Sie bestimmte Tiere, die Sie besonders lieben?
Das müssen nicht immer exotische Tiere sein. Ich bin mit Hunden aufgewachsen, mit Schafen und Katzen. Ich mag fast alle Tiere. Außer Ratten.
Was sind Ihre Lieblingstiere?
Also wenn ich jetzt etwas anderes sage als Katzen, kriege ich zu Hause Ärger mit Pewee und Patches. Aber in Wahrheit sind es die Elefanten.
Wovor haben Sie Angst?
Vor allem Möglichen. Ich werde oft in eine Schublade gesteckt mit Abenteurern oder Extremsportlern. Ich bin nichts davon, ich habe eigentlich überhaupt keine Lust auf Unbequemlichkeit, ich habe auch Angst, wenn ich zum Beispiel eine Felswand herunterklettern muss, wenn eine giftige Schlange auf mich zukommt, wenn ich mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springe. Ich mache solche Sachen nur, weil ich damit eine Geschichte erzählen will, und dafür nehme ich das Abenteuer in Kauf.
Leben Sie gerade Ihren Traumjob?
Oh ja. Wissenschaftsjournalismus und Dokumentarfilm, das sind meine großen Leidenschaften. Also uneingeschränkt mein absoluter Traumjob, den ich hoffentlich noch lange werde ausüben können.
Was haben Sie die kommenden Wochen geplant?
Meine Tournee geht jetzt noch bis zum 21. Februar. Danach mache ich dann vier Tage Pause im kleinen Ferienhaus in Schleswig-Holstein am See ohne Telefon und Computer. Und danach geht es nach Bali, zur nächsten „Terra X“- Produktion.