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Diverkulitis: Wenn der Darm schmerzt

Dr. Peter Remien nahm sich viel Zeit für Fragen.

Dr. Peter Remien nahm sich viel Zeit für Fragen.

Starke Schmerzen im linken Unterbauch können von einer Diverkulitis kommen. Was genau das ist und wie es behandelt werden kann, erklärte Dr. Peter Remien am im Elbe Klinikum Buxtehude.

Von Laura Albus Freitag, 12.01.2018, 18:08 Uhr

Es ist ein höchst intimes Thema, über das im Hörsaal des Elbe Klinikums in Buxtehude am Donnerstagabend gesprochen wurde: Diverkulitis. Bezeichnet wird so eine Erkrankung, bei der sich Ausstülpungen im Darm entzünden.

„Rotes Fleisch, Rauchen, Alkohol und Übergewicht erhöhen das Risiko“, erklärt Oberarzt Dr. Peter Remien. Gemeinsam mit seinen Kollegen am Elbe Klinikum in Buxtehude operiert er nahezu wöchentlich eine Diverkulitis.

In der Medizin werden diese Ausstülpungen, die per se nicht ungewöhnlich oder schmerzhaft sein müssen, Divertikel genannt. Bei Symptomen wie starken Bauchschmerzen im linken Unterbrauch, Verstopfung oder Fieber liegt der Verdacht auf eine Entzündung dieser Divertikel nahe.

Für die Diagnose reichen in der Regel eine Blutuntersuchung auf Entzündungswerte sowie eine genaue Lokalisation des Schmerzes. Verwechslungsgefahr zu anderen Erkrankungen besteht mit einer Nieren- oder Blasenentzündung.

Divertikel treten bei rund 65 Prozent der über 85-Jährigen auf. Viele spüren nichts von den Divertikeln und nur bei weniger als einem Viertel treten im Laufe der Zeit Beschwerden auf.

Diese Beschwerden jedoch sollten ernst genommen werden. Auch wenn sich die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert habe, so der Mediziner, „kann eine Divertikulitis auch heute noch tödlich sein“.

Der Chirurg nennt risikosenkende Mittel: „Eine ballaststoffreiche Ernährung, Normalgewicht und körperliche Aktivität sind hilfreich.“ Dennoch könne nichts eine Erkrankung ausschließen. „Viele der Patienten haben Übergewicht, aber wir hatten auch schon durchtrainierte Triatlethen in Behandlung“, erklärt Remien.

Die Zuhörer im Hörsaal sind interessiert und stellen viele Fragen. Eine Frau möchte wissen, wann zur Operation geraten wird, schließlich habe sie bereits zwei Schübe der Krankheit durchstehen müssen. Es ist die Angst vor einem neuen Schub, der die Risiken einer Operation unter Vollnarkose stehen.

Zunächst wird die Diverkulitis mit einer Antibiotikatherapie behandelt, doch nicht immer führt diese zum gewünschten Erfolg. Eine Schwierigkeit ist das unterschiedliche Auftreten der Krankheit. Denn neben den entzündeten Ausstülpungen kann es auch zu Verengungen des Darms bis hin zu einem Loch in der Darmwand führen. „Dann zählt jede Minute“, führt Peter Remien fort.

Operiert werden kann erst nach Abklang des letzten Schubes. Wichtig sei es, die Risiken zu kennen. Bei der Operation wird der entzündete Teil des Darms herausoperiert und die beiden gesunden Enden miteinander verbunden. Halten diese Enden nicht, könne es auf einen künstlichen Darmausgang hinauslaufen.

„Wir versuchen das natürlich zu vermeiden. Aber wir sind hier keine Supermänner. Und Garantien in der Chirurgie gibt es nicht“, sagt Remien.

Durchgeführt werde die Operation mittlerweile häufig mit der sogenannten Schlüssellochtechnik, was im Normalfall zu weniger Narben und einem kürzeren Klinikaufenthalt führe. Dennoch müsse in einigen Fällen, insbesondere bei einer akuten Divertikulitis, auf den Bauchschnitt zurückgegriffen werden.

Der Mediziner nimmt sich viel Zeit für die zahlreichen Fragen des Publikums. Denn einige Patienten haben bereits verschiedene Meinungen von verschiedenen Ärzten eingeholt und sind nun verunsichert. Peter Remien beruft sich auf Studien, die zu der Erkrankung durchgeführt wurden. Diese empfehlen eine ballaststoffreiche Ernährung. Entgegen der Vermutung des Patienten haken sich die Körner von Hafer, Weizenkleie und Roggen nicht in den Divertikeln ein. „So etwas habe ich wirklich noch nie während einer Operation entdeckt“, sagt der Mediziner.

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