Dr. Carl Schaefer ist der Chefarzt der Herzen im Elbe Klinikum Buxtehude
Ein Chefarzt ohne Büro, aber hoch motiviert: Seit Freitag ist ein neues Zeitalter im Elbe Klinikum Buxtehude eingetreten – erstmals gibt es einen Chefarzt der Kardiologie, der das medizinische Angebot verfeinern wird.
Ein Angebot, das er selbst mit geschaffen hat, denn Dr. Carl Schaefer wechselt vom niedergelassenen Kardiologen in Stade zum fest angestellten Chefarzt – und das mit 55 Jahren.
Dass dieser Wechsel für Aufmerksamkeit sorgt, weiß Dr. Carl Schaefer, der gar nicht gerne im Mittelpunkt steht. „Ich liebe es, unterschätzt zu werden“, sagt der Kardiologe, der in den vergangenen zwölf Jahren in der Stader Herz-Lungenpraxis mit Dr. Stefan Brune und Kollegen praktiziert hat. Aber nicht nur da, denn schon seit Mitte der Neunzigerjahre waren die niedergelassenen Kollegen Schaefer und Brune im Elbe Klinikum tätig, um damals eine 24-Stunden-Notfallbetreuung mit zu gewährleisten.
Seit drei Jahren wirkt Carl Schaefer auch am Elbe Klinikum Buxtehude, weil sein Stader Chefarzt-Kollege Dr. Sebastian Philipp im Zuge der Attraktivitätssteigerung die Buxtehuder Klinik zum Schwerpunkt für die Elektrophysiologische Untersuchung gemacht hatte. Darunter verstehen Mediziner eine spezielle Herzkatheter-Untersuchung zur Analyse von Herzrhythmusstörungen, die entsprechend auch in Buxtehude behandelt werden können, was für Kliniken dieser Größenordnung nicht normal ist.
Die Katheterablation wird vorwiegend beim Vorhofflimmern eingesetzt, einer weitverbreiteten Herzrhythmusstörung, bei der das Herz zeitweise aus dem Takt gerät. Dabei wird das Gewebe, das die unregelmäßigen Herzschläge verursacht, mit einem Katheter gezielt vernarbt (verödet). Das geschieht über Kälte (Kryoablation). Mit der Vereisung wird die Weiterleitung von unkoordinierten, elektrischen Impulsen im Herzen unterbrochen.
Carl Schaefer ist Spezialist für dieses moderne Verfahren, das er bereits seit drei Jahren in der Regel an einem Tag der Woche in Buxtehude anbietet. Rund 80 Ablationen stehen in seiner Bilanz. Komplikationsrate: null. Erfolgsquote: nach einem Eingriff 70 Prozent, nach einem Zweiteingriff über 80 Prozent.
Letztlich war diese Tätigkeit die Motivation, noch einmal eine neue berufliche Herausforderung zu starten: „Ich bin ein Fan von integrativen Versorgungskonzepten“, sagt der neue Chefarzt, der formal mit einer Besonderheit ausgestattet ist: Er ist mit einem halben Sitz auch als niedergelassener Arzt am Krankenhaus tätig. Für seine Patienten kann er die Institution Krankenhaus nutzen, wenn die Patienten per Überweisung vom Hausarzt zu ihm als Facharzt überwiesen werden. Untersuchung, Behandlung, Nachbehandlung von einer Person – das ist im herkömmlichen Gesundheitssystem meist nicht möglich.
„Es funktioniert vermutlich auch nur in einer so kleinen regionalen Struktur“, vermutet Schaefer, der sich mit seinem Kollegen Philipp in Stade einig ist: „Eine ambulante Reha müsste der nächste Schritt sein.“ Das steht auf der Agenda der beiden Kardiologen, die im Gespräch Wert auf die beiderseitige Wertschätzung legen. „Es gibt kein Konkurrenzdenken“, sagt Philipp. In beiden Krankenhäusern könne eine Akutversorgung von Herzinfarktpatienten rund um die Uhr gewährleistet werden, dazu komme das Spezialangebot der hochkomplexen Eingriffe an den Herzkranzgefäßen in Stade und die Ablationsmedizin in Buxtehude. Philipp: „Wir ergänzen uns, was der eine nicht kann, kann der andere.“
In Buxtehude wird die Kardiologie künftig von 16 auf 32 Betten ausgeweitet. Akute Herzinfarkte können rund um die Uhr behandelt werden, in Notfällen wird auch in Buxtehude ein Stent eingesetzt, eine Gefäßstütze aus Metall oder Kunstfasern, um die Gefäße zu stützen und offen zu halten. Oft kann damit eine Bypass-Operation vermieden werden.
Der erste Tag des neuen Chefarztes: „Ehrlich, heute Morgen schlug mein Herz vor Freude schneller“, gesteht Carl Schaefer. Am Ende des Tages musste er dann aber feststellen: „Organisatorisch läuft noch nicht viel.“ Vorübergehend haben sie ihn im Untergeschoss einquartiert, in einem Büro mit Schreibtisch ohne Besucherstuhl. Schaefer gab sich gelassen: „Wichtig ist die Medizin, nicht der Komfort des Chefarztes.“