Drei Jahre Elbtower-Baustopp – wer rettet Benkos Turm?
Der Bau des Elbtowers wurde in rund 100 Metern Höhe gestoppt. Foto: Marcus Brandt/dpa
Vor ungefähr drei Jahren stoppte der Bau des Prestigevorhabens von Investor René Benko. Ein Konsortium will den Turm weiterbauen – doch das Vorhaben zieht sich. Was dem Weiterbau derzeit im Weg steht.
Hamburg. Er sollte schon fertig sein – doch seit ungefähr drei Jahren ist der Bau des Elbtowers in Hamburg in rund 100 Metern Höhe gestoppt. Der Turm war ein Prestigeobjekt des Immobilieninvestors René Benkos, der seit Januar 2025 im Gefängnis sitzt, weil er Gläubiger geschädigt haben soll. Entworfen vom Londoner Architekten David Chipperfield sollte das Hochhaus das dritthöchste Gebäude Deutschlands werden. Hamburgs früherer Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sprach von einem „Meisterentwurf“.
Investoren, die Stadt Hamburg und der vorläufige Insolvenzverwalter ringen um den Weiterbau. Kann der Elbtowerbau gerettet werden - und wie?
Wann wird der Bau fortgesetzt?
Das lässt sich nicht abschätzen.
Wer möchte den Elbtower weiterbauen?
Fünf Gesellschaften haben sich zusammengeschlossen, um den Bau zu beenden. Das Bundeskartellamt hat der Gründung zugestimmt. Für das Bieterkonsortium spricht der Unternehmer Dieter Becken, der das Hamburger Immobilien- und Investmentunternehmen Becken-Gruppe führt.

Immobilienunternehmer Dieter Becken will den Elbtower fertigstellen. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa
Wer ist außer Becken beteiligt?
Nach zurückliegenden Angaben beteiligt sind der Versicherungskonzern Signal Iduna, das Bauunternehmen Adolf Lupp, eine Gesellschaft des im August verstorbenen Hamburger Mäzens Klaus-Michael Kühne sowie der Gründer der Drogeriekette Rossmann, Dirk Roßmann.
Hat Kühnes Tod Auswirkungen auf den Weiterbau?
Ein Unternehmenssprecher von Kühne+Nagel kommentierte die Frage nicht.
Warum baut das Konsortium nicht einfach weiter?
Weil den Interessenten der Turm nicht gehört. Sie müssen ihn erst kaufen. Die Signa-Gesellschaft Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG hatte im Januar 2024 am Berliner Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz angemeldet. Der vorläufige Insolvenzverwalter und damit ein Verhandlungspartner der Bietergruppe ist der Berliner Rechtsanwalt Torsten Martini. Das eigentliche Insolvenzverfahren ist bisher nicht eröffnet, wie die Pressestelle der Berliner Zivilgerichte mitteilte.
Ist Hamburg an Verhandlungen beteiligt?
Ja, die Stadt bietet dem Konsortium 595 Millionen Euro, um nahezu die Hälfte des Gebäudes zu kaufen. Ein geplantes Naturkundemuseum soll in den unteren Etagen des Turms einziehen. Das Angebot soll ein Festpreis sein. Nach Aussage von Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) soll die Summe über Darlehen und aus dem Infrastruktursondervermögen finanziert werden.
Seit wann laufen Verhandlungen?
Nach Angaben von Signal Iduna laufen die Verhandlungen seit Anfang 2025. Die Stadt machte im Oktober 2025 publik, dass sie ein Angebot vorgelegt hat.

SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf deutete an, dass seine Fraktion in der Bürgerschaft dem Kauf nicht um jeden Preis zustimmen wird. (Archivbild) Foto: Georg Wendt/dpa
Wie laufen die Verhandlungen?
Die Gespräche dauern an, wie die Becken-Gruppe und der Senat bestätigen. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) äußerte zuletzt Skepsis, dass es zu einer Einigung kommt. Signal Iduna teilte dagegen mit, dass die Gespräche konstruktiv fortgeführt würden. „Wir sind optimistisch, dass die Verhandlungen bis zum Jahresende abgeschlossen werden können.“
Was passiert bei einem Abschluss?
Sollten Stadt und Konsortium sich einigen, soll die Bürgerschaft darüber entscheiden, ob die Stadt die Flächen kauft, wie der Senat mitteilte. Die Regierungsfraktionen SPD und Grüne haben zwar im Parlament eine komfortable Mehrheit. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion in Hamburg, Dirk Kienscherf, warnte allerdings bereits, dass seine Fraktion im Sinne der Steuerzahler entscheiden werde und nicht im Interesse privater Investoren.
Kann nach Parlamentsbeschluss gebaut werden?
Gibt die Bürgerschaft grünes Licht, müsste sich das Konsortium noch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einigen. Auch die Gläubiger müssten letztlich der Transaktion zustimmen. Entscheiden dürften die großen Geldgeber, die im Grundbuch stehen, weil sie faktisch über eine Art Vetorecht verfügen.

Nach Vorstellung der Stadt soll ein Naturkundemuseum in den Turm einziehen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Gibt es eine Baugenehmigung?
Ob die alte Baugenehmigung noch gültig ist, ist nicht bekannt. Becken deutete in der Vergangenheit an, dass er weiterbauen könne. Früher oder später braucht es allerdings eine neue Genehmigung. Denn der Elbtower soll unter anderem von 245 auf 199 Meter gekürzt werden. Ein sogenannter positiver Bauvorbescheid liegt dafür schon vor, wie die Becken-Gruppe mitteilte. Das ist eine vorläufige Entscheidung der Baugenehmigungsbehörde.
Wie lange dauert die Fertigstellung?
Becken hatte in der Vergangenheit geschätzt, dass die Fertigstellung des Elbtowers drei Jahre dauern könne und der Bezug ein weiteres Jahr. Zu dem Zeitpunkt der Aussage ging Becken aber davon aus, dass der Elbtower wie geplant 245 Meter erreichen soll.
Hat der Baustopp zu Schäden geführt?
Der vorläufige Insolvenzverwalter äußert sich zum Verfahren und damit zu solchen Detailfragen nicht. Die Hamburgische Ingenieurkammer-Bau teilte mit, das Gebäude sei mit hochwertigem Stahlbeton errichtet worden. „Wird das Gebäude in näherer Zukunft durch eine Fassade wieder geschlossen, sind keine wesentlichen Beeinträchtigungen zu befürchten.“
Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?
Das ist offen. In der Vergangenheit kursierten allerlei Vorschläge. Hamburgs SPD-Fraktionschef Kienscherf schloss einen Abriss nicht aus.

Der Elbtower sollte ursprünglich 245 Meter hoch werden. (Archivbild) Foto: Daniel Reinhardt/dpa