Drochtersen: 100 Anwohner sind gegen mehr Durchgangsverkehr
Eine Gruppe der Anwohner der Grefenstraße , die Verkehrsbelastungen und eine Massierung von großen Wohnblocks fürchten. Foto von Allwörden
Anwohner der Grefenstraße in Drochtersen haben ihren Unmut gegen die Pläne, ein Neubaugebiet südlich der Grefenstraße zu planen, kundgetan.
Sie haben nichts gegen ein Neubaugebiet, fürchten aber die zunehmende Verkehrsbelastung und zu große Wohngebäude, die – wie sie sagen – zu einer Ghettobildung führen könnten.
„Schon jetzt haben wir hier enorme Verkehrsbelastungen“, sagt Jürgen Hartz. Er ist einer der rund 100 Anrainer, die eine Eingabe an Drochtersens Rat und Verwaltung unterschrieben haben. Deshalb wünschen sie sich eine neue Anbindung an das potenzielle Bauland, um weiteren Durchgangsverkehr zu verhindern. Ihre Idee: Eine Zuwegung hinter dem Tennisplatz, der das Neubaugebiet über die Straße Zur Wettern erschließt.
Belastet seien sie ja schon jetzt erheblich, weil viele Anwohner aus dem Triftweg ihre Straße als Abkürzung nutzen. „Und die fahren auch alle am Kindergarten und der Grundschule vorbei“, gibt Anwohner Bernd Kühlcke zu bedenken. Die Anrainer haben einen Tag lang den Verkehr gezählt: 516 Fahrzeuge sind in der Zeit zwischen 7 und 18 Uhr an einem Werktag durch ihre Straße gefahren – davon allein 28 Trecker mit Anhänger.
Weiterhin befürchten die Anrainer eine Häufung von Mehrfamilienhäusern mit bis zu vier Etagen. „Wir haben hier schon genug solche Häuser, die teilweise richtig heruntergekommen sind“, sagt Anwohner Dietrich Schwichtenberg. Und sein Nachbar Bernd Kühlcke ergänzt: „Wir haben ja nichts gegen die Schaffung von preiswertem Wohnraum, aber es dürfen keine ghettoartigen Wohnblöcke werden.“ Es reiche doch aus, zweigeschossig zu bauen und eine ansprechende Architektur umzusetzen.
Wie berichtet, sollen etwa 50 Grundstücke auf dem knapp sechs Hektar großen Gelände entstehen. Es liegt südlich hinter der Wohnbebauung von Triftweg/Von-Brummer-Straße/Grefenstraße – etwa auf Höhe des großen Sportplatzes, also am südlichen Rand der Siedlungsgrenze. Im vorderen Bereich des Neubaugebiets, so die Planung, sollen Mehrfamilienhäuser mit bis zu drei Vollgeschossen möglich sein. Sie schließen sich an die relativ hohe Bebauung am Ende der Von-Brummer-Straße an. Danach folgt dann eine zweigeschossige Bauweise und an den jeweiligen Rändern des Neubaugebiets nur noch die klassische eineinhalbgeschossige Einfamilienhaus-Bebauung.
Vorhabenträger dieser Bauleitplanung ist nicht die Gemeinde selbst, sondern die örtliche Apothekerin Anke Friesen-Schulz. Sie will vor allem im Mehrfamilienhausbereich preiswerten Wohnraum ermöglichen, heißt es. Um diese Planungen umzusetzen, muss der Bebauungsplan „Ortskern Südwest und Gemeindebedarfszentrum A“ aufgehoben und in diesem Teilbereich neu aufgestellt werden. Der Aufstellungsbeschluss fiel im Frühsommer einstimmig im Fachausschuss.
Nach der frühzeitigen Beteiligung wird die Planung demnächst überarbeitet, in den Fachausschüssen im Detail beraten und dann noch einmal öffentlich ausgelegt. Festgezurrt sei da noch gar nichts, beruhigt Drochtersens Bürgermeister Mike Eckhoff. Letztes Wort hat am Ende, wenn es um den Satzungsbeschluss geht, der neue Rat, der sich nach den Kommunalwahlen im November neu konstituieren wird.