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E-Scooter: Die Post kommt jetzt auf leisen Sohlen

E-Scooter: Die Post kommt jetzt auf leisen Sohlen

Mit ihren knallgelben Streetscootern hat die Post der Autobranche gezeigt, wie die E-Mobilität voranzubringen ist. Jetzt gab es für die Elektro-Lieferwagen sogar den Solarpreis 2017. Auch in Stade sind seit Juli 29 dieser innovativen Fahrzeuge stationiert. Eine erste Bilanz.

Von Wilfried Stief Donnerstag, 19.10.2017, 11:00 Uhr

Mit ihren knallgelben Streetscootern hat die Post der Autobranche gezeigt, wie die E-Mobilität voranzubringen ist. Jetzt gab es für die Elektro-Lieferwagen, mit denen die Briefe und Pakete gebracht werden, sogar den Solarpreis 2017. Auch in Stade sind seit Juli 29 dieser innovativen Fahrzeuge stationiert. Eine erste Bilanz.

Am Vormittag sind die vier Dutzend Einsatzfahrzeuge auf dem Betriebshof in der Altländer Straße für die Zustellung beladen, es geht los. Zumeist in aller Stille, denn seit dem Sommer verlassen mehr Elektroautos den Hof als Dieselfahrzeuge. Und E heißt fast lautlos, nur die Rollgeräusche der Reifen sind zu hören.

Gut gepackt: Ralf Ahrend verstaut 74 Pakete und Tausende Briefe im Frachtraum des Streetscooters.  Fotos Stief

Ralf Ahrend arbeitet seit über 30 Jahren als Postzusteller. Mit allen möglichen Fahrzeugen war er schon unterwegs zu den Kunden. Jetzt belädt er einen der neuen Streetscooter. 74 Pakete und Tausende Briefe verstaut er in dem Auto, dessen Aufbau selbst wie ein Paket aussieht – quadratisch.

„Das Auto ist ein gutes Arbeitsgerät“, sagt Ahrend. Wer an jedem Tag bis zu 300 Mal ein- und aussteigt und seine Fuhre durch den Stadtverkehr, enge Wohnstraßen und Sackgassen kutschiert, um seine Ware abzuliefern, weiß schnell, ob ein Fahrzeug was taugt.

Was für Ahrend positiv zu Buche schlägt: Das Auto lässt sich gut be- und entladen, weil die Ladefläche in rückenfreundlicher Höhe ist. Zudem ist sie von drei Seiten zugänglich. Auch das Ein- und Aussteigen geht beim Transporter bestens. Die Automatik ist für Ahrend ein Segen, weil so tausendfaches Kuppeln entfällt, ebenso das andauernde Schalten, das irgendwann im rechten Arm zu spüren ist. Mit den Kameras gibt es keine toten Winkel und keine Probleme beim Wenden in Sackgassen. „Es hat nicht einmal eine Stunde gedauert, da hatte ich mich an den Wagen gewöhnt“, sagt Ralf Ahrend.

Betriebskoordinator Dietmar Dalchau vor einem Teil der Scooter-Flotte.

Etwas länger hat die Gewöhnungszeit bei Betriebskoordinator Dietmar Dalchau gedauert. Er ist dafür zuständig, dass der Laden läuft. Und dass er mit 29 Elektrofahrzeugen auch laufen wird, war zu anfang nicht sonnenklar. Schließlich ist das Konzept, das die Post eingeführt hat, innovativ. Es hat aber nicht lange gedauert. Dietmar Dalchau war schnell angenehm überrascht und heute ist er ein überzeugter E-Anhänger. So überzeugt, dass er auch stolz auf den Solarpreis ist. „Den Preis haben wir gewonnen“, sagt er und die Betonung liegt auf „wir“.

Den Streetscooter gibt es in normal und in einer Langversion. Davon sind in Stade fünf im Einsatz, für die Paketzustellung in der Stadt. Noch größere Fahrzeuge erwarten die Stader für das nächste Jahr, denn gerade wird an einer XL-Version gearbeitet, sagt Post-Pressesprecherin Maike Wintjen.

Mit der Fahrzeuggröße wächst auch die Batterie. Während die Reichweite bei den in Stade eingesetzten Scootern noch auf höchstens 80 Kilometer begrenzt ist, lassen sich mit dem XL-Fahrzeug bis zu 200 Kilometer zurücklegen. Damit wird das Fahrzeug dann auch für ländliche Bereiche interessant.

Gespannt wartet Dietmar Dalchau auf den nächsten Winter, den ersten mit seinem E-Fuhrpark. Denn Heizung, Sitzheizung und Fahren mit Licht zehren am Akku. Strenger Frost macht aber nicht nur E-Autos zu schaffen, weiß Dalchau aus Erfahrung. Er kennt auch Wintertage, da hatten die Dieselfahrzeuge so ihre Probleme.

Schön an den Scootern ist auch, dass die Fahrerkabine vorgeheizt werden kann, solange das Auto noch am Ladekabel hängt. Da startet die Tour auch im Winter dann mit eisfreien Scheiben und 100-prozentig geladen.

Auffällig an den Streetscootern ist, dass sie eine große Bodenfreiheit haben. Das hat die Post zusammen mit den verantwortlich zeichnenden Aachener Hochschul-Professoren ausgetüftelt. Bagatellschäden, die beim VW-Transporter häufig vorkommen, gibt es mit dem Scooter kaum, weil sie nicht gegen jeden Feldstein rumsen, der im Weg liegt. Und wenn, ist höchstens mal eine Felge hin oder ein Radkasten, der kostengünstig auszutauschen ist.

Nach gut 100 Tagen in Betrieb, bekommt der Streetscooter gute Noten. Auch von der Kundschaft. „Die Leute finden gut, dass wir mit Elektro-Autos kommen“, sagt Zusteller Ralf Ahrend. Mit einer Einschränkung. „Wir hören Dich jetzt gar nicht mehr kommen“, hätten einige mit einem Augenzwinkern kritisiert. Das Thema „Lärm“ kennt auch Dietmar Dalchau. Wenn die Post mit dem Scooter gebracht wird, schlagen nicht mal mehr die Wachhunde auf den Bauernhöfen an. Ralf Ahrend kennt ein Gegenmittel: „Wir können ja die Türen ein bisschen lauter zuschlagen.“

„Wir haben nicht nur eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden, sondern auch gegenüber der Umwelt.“ Das sagte Stefan Decher, Leiter der Niederlassung Hamburg, als Ende Juni in Stade die Elektro-Scooter in Dienst genommen wurden.

Deshalb habe das Unternehmen gemeinsam mit der Universität Aachen ein Forschungsprojekt „StreetScooter“ in Auftrag gegeben. Das Ergebnis ist ein Elektrofahrzeug, das ein herkömmliches Zustellerauto ersetzt und deshalb drei bis vier Tonnen CO2 beziehungsweise 1100 Liter Diesel gespart werden.

In den nächsten Jahren soll die Zustellung mit E-Fahrzeugen weiter ausgebaut werden. Zudem interessieren sich auch andere Firmen und Privatleute für den Streetscooter.

Mit dem jetzt verliehenen Solarpreis für die besondere Pionierarbeit der Post wird das Engagement anerkannt.

Gut gepackt: Ralf Ahrend verstaut 74 Pakete und Tausende Briefe im Frachtraum des Streetscooters.  Fotos Stief

Gut gepackt: Ralf Ahrend verstaut 74 Pakete und Tausende Briefe im Frachtraum des Streetscooters. Fotos Stief

Betriebskoordinator Dietmar Dalchau vor einem Teil der Scooter-Flotte.

Betriebskoordinator Dietmar Dalchau vor einem Teil der Scooter-Flotte.

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