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Eckart Brandt ist Hüter alter Obstsorten – und Imker

„Das Bienenbuch vom Apfelmann“: Boomgarden-Gründer Eckart Brandt präsentiert sein jüngstes Werk auf dem Wochenmarkt Altkloster. Foto: Vasel

„Das Bienenbuch vom Apfelmann“: Boomgarden-Gründer Eckart Brandt präsentiert sein jüngstes Werk auf dem Wochenmarkt Altkloster. Foto: Vasel

Seine Leidenschaft gehört den alten Obstsorten und der Imkerei. Der Bio-Obstbauer, Pomologe, Historiker und Hüter des Boomgarden-Projekts in Helmste, Eckart Brandt (68) aus Großenwörden, hat ein neues, lesenswertes und sehr politisches Buch geschrieben.

Von Björn Vasel Mittwoch, 17.10.2018, 18:32 Uhr

„Das Bienenbuch vom Apfelmann“, heißt es und hat einen kulturhistorischen Schwerpunkt. Keine Frage: Es regt zum Nachdenken an. Das Schlusskapitel „Wie steht es um die Bienen in Deutschland heute?“ ist ein Plädoyer für eine Agrarwende – und mehr Biodiversität. „Wenn auch die Bestandsaufnahme zur Situation der Honigbienen, Wildbienen und übrigen Insekten ziemlich finster ausfällt, so kann doch unsere Reaktion darauf nicht sein, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, ob die Welt der drohenden ökologischen Katastrophe entgeht“, mahnt der Autor.

Entwarnung: Es ist kein Lehrbuch für (angehende) Imker, es ist vielmehr auch eine kurzweilige Einführung in die Geschichte der (Erwerbs-)Imkerei, von der Steinzeit bis heute, und in die Biologie der Bienen. Mit seinem Bienenbuch hat sich der Historiker einen Wunsch erfüllt. „Ich wollte schon lange unter anderem die Heide-Imkerei vorstellen“, betont Brandt. Die alten Obstsorten und die Bienen, das seien zwei gleichwertige „Lebenslinien“ in seiner Biografie. Schließlich wäre der heutige Bio-Obstbauer vor fast 40 Jahren beinahe selbst Berufsimker geworden, schon als Kind habe er seinem Vater geholfen. Außerdem habe er ursprünglich nach seinem Geschichts- und Germanistikstudium in Hamburg „über die niederdeutsche Fachsprache der Lüneburger Heideimkerei“ promovieren wollen. Für sein neues Buch hat Brandt unter anderem am Institut für Bienenkunde in Celle recherchiert.

Um 1800 hätten frühe Naturwissenschaftler die Imkerei als „Poesie der Landwirtschaft“ bezeichnet, sagt Brandt und spannt den Bogen bis zur schwarzen Magie. Starb ein Imker („Bienenvater“), so musste die Familie drei Mal an den Bienenkorb klopfen und „Immen, ju Herr ist doot“ murmeln. Ohne diese Mitteilung, so hieß es, würden die Bienen den Winter nicht überleben. In der Lüneburger Heide stand oftmals ein sogenannter „Bannkorb“ mit einer geschnitzten Fratze mitten im Stand. Der „Immenwächter“ sollte diese vor einem Unwetter und Hexerei schützen. Voodoo, das gab‘s bis in die Neuzeit auch im Norden. Um (unbekannte) Bienendiebe zu bestrafen, wurde Wachs von dem gestohlenen Volk mit Quecksilber in einem Behältnis vermischt und an einem Faden in ein Flusslauf gehängt: „So lange der Faden hält, quälst du den Dieb, bricht er aber, so muss er sterben“, hieß in einer der von Johann Hinrich Meyer 1851 aus Everstorf (Heidenau) überlieferten Formeln.

Das Artensterben sei besorgniserregend. 85 Prozent der Erträge im Obst- und Pflanzenbau hingen von der Bestäubungsleistung der Insekten ab. Brandt fordert eine Agrarwende mit kleineren Feldschlägen und mehr Öko-Landbau und eine Abkehr von ausgeräumten Landschaften, um mit naturnahen Biotop-Inseln und -Verbünden die Insekten, wie etwa Wildbienen, zu fördern. Der profitgierigen Agrar- und Chemieindustrie müsse Einhalt geboten werden, so Brandt. Billig-Blühstreifen seien in der „Agrarsteppe“ wenig hilfreich, zumal Wildbienen in der Regel nur bis zu 300 Meter weit fliegen. Letztlich müssten alle ihren Beitrag leisten, auch die Gartenbesitzer. Brandt: „Es ist fünf vor zwölf.“

„Das Bienenbuch vom Apfelmann.

Geschichte & Mythos – Tradition & aktuelle Trends – Haltung & Tipps“ von Eckart Brandt ist im kjm-Buchverlag erschienen und kostet 16 Euro.

128 Seiten; Hardcover mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-96194-047-9. Das Buch ist bebildert mit Fotos des Naturliebhabers und Fotografen Hermann Tödter (Zeven) und des Fotografen Dennis Williamson (Buxtehude), der Eckart Brandt begleitete.

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