Ein Mitarbeiter des Miniatur Wunderland positioniert einen mit Kameras ausgerüsteten Zug auf Modelleisenbahnschienen, mit dem Aufnahmen der Modellanlage gemacht wurden. Fotos Heimken/dpa
Die weltgrößte Modelleisenbahnanlage ist nun auch aus der Distanz zu erleben. Auf Google Street View sind ab sofort Fotos im Internet abrufbar. Wie bei Street View üblich, navigiert sich der Betrachter mit einem 360-Grad-Rundumblick durch die Standbilder.
Knapp 1,3 Millionen Besucher bewunderten im vergangenen Jahr die Zwergenwelt des Hamburger Miniatur Wunderlandes – Rekord. Die Zahl der Betrachter dürfte sich künftig noch beträchtlich erhöhen. Am heimischen Bildschirm geht es ganz ohne Gedrängel durch acht Abschnitte des Wunderlandes: vom Las-Vegas-Glamour, über Alpengipfel und mitteldeutsche Städtchen bis zum Airport Knuffingen und selbstredend auch in die Heimatstadt des Wunderlandes. Hamburg glänzt im Maßstab 1:87 nun auch digital mit den Bordsteinschwalben der Herbertstraße, dem maritimen Flair der Landungsbrücken – und mit einem seltenen Sieg des HSV im Volksparkstadion gegen den Lokalrivalen FC St. Pauli.
„Schön, dass sich das Miniatur Wunderland nun auch in Timbuktu oder sonst wo betreten lässt“, freute sich Frederik Braun, mit Zwillingsbruder Gerrit Gründer der größten Touristenattraktion der Stadt. Seit einem Jahr, verriet Frederik, habe Google in geheimer Mission auf den Speicherböden an dem Projekt gewerkelt. Anfängliche, zarte Berührungsängste mit den Vertretern des Suchmaschinen-Giganten seien schnell verflogen: „Wir haben gemerkt, das sind auch Menschen, die wollen spielen – so wie wir.“
Tüfteleien waren reichlich gefragt, um das Modell-Imperium wie gewünscht ins Bild zu setzen, berichtete Google-Street-View-Manager Sven Tresp. „Wir haben zum ersten Mal Kameras geschrumpft und die Aufnahmen mit Hilfe eines Modellzuges und eines Modellbusses gemacht.“ Dafür bastelten die Techniker handelsübliche Digitalkameras so zurecht, dass sie auch in die kleinsten Ecken der 1300 Quadratmeter großen Anlage gelenkt werden konnten. Die Ergebnisse verblüfften selbst die Gründervater. Frederik Braun: „Die Fotos zeigen Teile, die wir selbst einmal gebaut, aber seitdem nie wieder gesehen haben.“
So bietet der Online-Besuch auch für ganz eingefleischte Fans noch manch neuen Blickwinkel. Und: Viele Bilder lassen die Kleinstwelt erstaunlich realistisch wirken. Immer dann, wenn die Umgebung ausgeblendet ist und die Größenverhältnisse nicht erkennbar sind.
Nur: Kostet das kostenlose Digital-Angebot die Betreiber nicht Kunden? „Ich glaube, es wird das Gegenteil passieren“, verneint Frederik Braun. „Die Leute sehen am Monitor, was wir bieten und kommen gerade deshalb zu uns.“ Tatsächlich hat die Mini-Street-View Chancen, globalen Zuspruch zu finden. Im Internet ist die Hamburger Institution längst ein bunter Hund. Eines der von den Brauns verbreiteten Facebook-Videos hat bereits jeder 20. US-Amerikaner gesehen, eine Million Likes stehen zu Buche.
Von der Attraktivität der Modellanlage profitiert auch das Reiseziel Hamburg. Das Wunderland sorgt für etwa eine Viertelmillion Übernachtungen pro Jahr, fast jeder vierte Besucher kommt aus dem Ausland. Und ein bisschen Werbung in der großen weiten Welt könne die Hansestadt gerade jetzt gut gebrauchen, befand Frederik Braun. Er und sein Bruder gehörten als glühende Olympia-Fans zu den fleißigsten Unterstützern der letztlich gescheiterten Hamburger Bewerbung.
Die bekannten Autos von Google mit dem Scanner auf dem Dach dürfen natürlich im Miniatur Wunderland nicht fehlen.