Zähl Pixel
EVB-Serie

Ein Besuch in der EVB-Werkstatt in Bremervörde

Das Herzstück der Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser: Blick in der Werkstatthalle auf dem Bremervörder Bahngelände. Fotos Allwörden

Das Herzstück der Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser: Blick in der Werkstatthalle auf dem Bremervörder Bahngelände. Fotos Allwörden

So wie alle Geschäftsbereiche der EVB gewachsen sind, so ist auch die firmeneigene Werkstatt immer größer geworden. Nicht nur eigene, sondern auch firmenfremde Schienenfahrzeuge werden in Bremervörde gewartet, repariert und gereinigt.

Von Peter von Allwörden Mittwoch, 17.01.2018, 11:30 Uhr

Tilmann Rös ist erst seit 2016 als einer der Werkstattleiter bei der EVB beschäftigt: „Fragen Sie mich nur nichts nach der Geschichte.“ Dafür ist aber die Zukunft das große Thema des Elektrotechnikers, der zuvor bei anderen Eisenbahnunternehmen und auch Herstellern gearbeitet hat. Und Zukunft heißt für den Mittvierziger neue Antriebstechnikern wie die Brennstoffzelle, die die Dieselloks schon bald ersetzen soll, und Elektrolok.

Zwar hat die EVB nur wenige Elektroloks im Bestand, weil sie diese nur auf den langen elektrifizierten Strecken quer durch die Republik einsetzen kann. Im Rangierverkehr in den Häfen Hamburg und Bremerhaven oder auf den EVB-eigenen Strecken fahren nur Dieselloks. Gleichwohl: In der Werkstatt steht eine der modernsten Loks, die mit einem großen Elektromotor betrieb wird, aber zusätzlich einen Dieselmotor an Bord hat, um im Rangierverkehr in den grundsätzlich nicht elektrifizierten Häfen einfach weiterfahren zu können. Solche Technik fasziniert Tilmann Rös.

Werkstattchef Tilmann Rös steht in der Bremervörder Halle vor einer EVB-Lok. Foto: Allwörden

Er ist einer von zwei Werkstattleitern, die ein Team von über 50 Mitarbeitern führen. Neben Bürokräften und Lageristen gehören 44 Monteure zum Team. Sie arbeiten in drei Schichten von Montag bis Freitag rund um die Uhr. Das erhöht die Effizienz der Werkstatthalle mit insgesamt vier Wartungsgleisen. Hier arbeiten mehrere Teams gleichzeitig. Bis zu sechs Loks können auf zwei Wartungsgleisen gewartet oder repariert werden. Ein weiteres längeres Gleis von rund 75 Metern ist für die Triebwagenzüge, die im Schienennahverkehr der EVB eingesetzt sind, reserviert und ein etwa 150 Meter langes Gleis ist ausschließlich dafür da, dass dort an Ganzzügen des Metronom gearbeitet wird.

Damals, 2007, als die Metronom-Züge auf der Strecke zwischen Hamburg und Cuxhaven eingesetzt wurden, hat die EVB-Werkstatt den Auftrag erhalten, alle Wartungs-, Reinigungs- und Reparaturarbeiten für Metronom zu erledigen. Auch wenn die Deutsche Bahn die Strecke ab Ende 2018 bedienen wird, ändert sich am Werkstattauftrag nichts, denn den bekommt die EVB von den Herstellern und Eignern der Züge – und das ist die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG). Die Züge bleiben auch die gleichen. Sie bekommen nur einen neuen Anstrich und neue Auskleber. 2007 also musste die Werkstatthalle deutlich erweitert werden – exakt um 80 Meter, damit ein ganzer Metronom hineinfahren kann.

Bereits 2003 hatte das Unternehmen eine neue große Werkstatthalle bebaut. Die ersten Werkstattgebäude der EVB entstanden schon 1909. Sie werden heute noch für die Reparatur und die Wartung von Waggons benutzt.

Die Werkstatt der EVB bedient etwa zu zwei Dritteln die eigenen Fahrzeuge und zu einem Drittel Fremdkunden. Dabei werden nicht nur Wartungen ausgeführt, sondern auch Instandsetzungen, Abnahmen, Sicherheitsprüfungen oder Reparaturen nach Unfällen. „Insgesamt ist der Standard bei den Sicherheitsprüfungen sehr hoch bei den Fahrzeugen“, weiß Werkstattleiter Rös. Dabei gehen die Betreiber bei den Loks von ganz anderen Lebenszyklen aus als etwa bei Autos oder Nutzfahrzeugen. Wenn letztere vielleicht eine Million Kilometer auf den Tacho bringen, dann hat das eine Lok schon nach fünf, sechs Jahren erreicht. Und die Lebensdauer einer Lok liegt bei 30 Jahren. Nicht nur, was Belastbarkeit und Alter angeht, haben die Schienenfahrzeuge ganz eigenen Dimensionen: So wiegt eine Lok zwischen 70 und 130 Tonnen. Die Maschinen haben 2000 PS und mehr. Entsprechend stark müssen die Hebeanlagen in der EVB-Werkstatt sein, wenn die Loks komplett gehoben werden, um etwa das Laufwerk oder die Bremsen zu warten.

Der Auszubildende Sven Detje bearbeitet ein Metallwerkstück. Foto: Allwörden

Es gibt ein grundlegendes Manko in der Schienenfahrzeugbranche: Einen eigenen Ausbildungsberuf wie Schienenfahrzeugmechatroniker gibt es nicht. „Leider fehlt uns dieses Berufsbild“, sagt Werkstattchef Rös. Gleichwohl bildet die EVB Nutzfahrzeugmechatroniker aus. Ansonsten kommen die Monteure in der Werkstatt aus artverwandten Berufen. Beliebt sind Automechaniker oder auch Landmaschinenschlosser.

Es gibt eine ganze Reihe kleinerer Werkstätten für Schienenfahrzeuge, aber eine solche Serviceeinrichtung, wie sie in Bremervörde auf dem EVB-Bahnhofsgelände steht, ist schon eher selten. Etwa 30 gibt es in dieser Größenordnung in Deutschland. Und es gibt natürlich noch größere, schon regelrechte Instandsetzungswerke.

Wenn in der Nacht die Metronom-Züge von Stade Richtung Bremervörde auf der ansonsten kaum genutzten Strecke fahren, dann liegt das keinesfalls daran, dass jede Nacht hier Wartungsarbeiten erledigt werden müssen. So häufig ist das nun auch nicht notwendig. Aber die Züge werden jede Nacht in Bremervörde gereinigt. Zur Werkstattanlage gehört sogar eine eigene Waschhalle für Züge. Binnen 40 Minuten wird dann etwa der rund 60 Meter lange EVB-Triebwagenzug gereinigt.

Wer hinter den Abteilungen der EVB steckt, welche Arbeiten die Menschen im Hintergrund verrichten müssen, damit der Schienenpersonennahverkehr reibungslos funktioniert, all diese Themen greift TAGEBLATT-Autor Peter von Allwörden in einer neuen Serie über die EVB auf. Vom Lokführer über den Fahrgastbetreuer bis zum Bauingenieur, der sich um das Schienennetz und die Gebäude kümmert, werden EVB-Mitarbeiter porträtiert und bei ihrer Arbeit begleitet.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.