Ein JFV für die Märchenstadt Buxtehude
Von links nach rechts: Bernd Hamann, Lutz Becker, Torsten Stöver, Robert Gundlack, Rainer Chamier und Michael Rump.
In wenigen Monaten haben Eintracht Immenbeck und die VSV Hedendorf/Neukloster den Jugendförderverein (JFV) Buxtehude auf den Weg gebracht und gegründet. Den Vorsitz übernahm der Immenbecker Fußball-Obmann Michael Rump, der damit 800 Jugendlichen vorsteht.
Doreen Dietz hatte einen Auftrag: Erstelle ein Logo für den JFV Buxtehude. Die Herausforderung: Die beiden Stammvereine sollten sich darin wiederfinden, der TSV Eintracht Immenbeck mit seinen Vereinsfarben Rot, Weiß, Blau und die VSV Hedendorf/Neukloster mit ihren Farben Schwarz und Weiß. Dietz, Architektur-Studentin der Hochschule 21 in Buxtehude, machte sich ans Werk und kreierte ein Logo, das den Verantwortlichen gefiel. Einzig die Immenbecker mussten einen kleinen Abstrich machen und sich von ihrem Blau trennen.
Michael Rump (44, siehe Foto) kann damit leben. Die Delegierten beider Stammvereine haben ihn, den Herren-Obmann des TSV Eintracht Immenbeck, vor gut einer Woche bei der Gründungsversammlung in Neukloster zum 1. Vorsitzenden gewählt. Rump hätte sich gefreut, wenn jemand anderes den Posten übernommen hätte. Die Stammvereine, sagt er, seien sich aber schon früh einig gewesen, „mich in eine leitende Funktion zu kriegen“. Gleichwohl freut er sich: „Ich war immerhin von Anfang an dabei und bin so etwas wie ein Taufpate.“ Und so wird sich Rump bald nicht mehr nur um seine sechs Herrenmannschaften in Immenbeck kümmern, sondern auch noch um geschätzt 800 Jugendliche des JFV Buxtehude.
VSV-Präsident Lutz Becker sprach bei der Versammlung in Neukloster vor Vertretern aus Lokalpolitik und aus der Kreis-Fußballszene von einem historischen Tag, an dem sich der Jugendfußball in Buxtehude verändern werde. Ab der kommenden Saison sollen Kinder und Jugendliche beim JFV alters- und leistungsgerecht gefördert werden. In der Satzung steht dazu, dass es zum einen „erfolgsorientierte Mannschaften“ geben werde, die sich langfristig im Bezirk etablieren sollten, zum anderen die „zweiten und unteren Mannschaften“ für die engagierten, aber weniger talentierten Spieler. Der JFV wird Rump zufolge mit rund 30 Mannschaften für Mädchen und Jungen an den Start gehen.
Nachdem es im Herbst vergangenen Jahres die ersten Gespräche gegeben hatte, haben die VSV und der TSV den JFV innerhalb weniger Monate auf den Weg gebracht. Und das ohne großen Druck, lässt sich behaupten. Die Mitgliederzahlen sind stabil, und beide Vereine mit ihren Sportanlagen samt Kunstrasenplätzen in Buxtehuder Randlage gut aufgestellt.
Das Problem aber ist, dass der TSV und die VSV nicht alle Altersklassen durchgängig mit Mannschaften besetzen können – und wenn doch, dann trainieren häufig talentierte und weniger talentierte Fußballer in einer Mannschaft. Rump spricht von heterogenen Gruppen, die sich nur schwer trainieren ließen. „So können wir nicht alle Spieler entsprechend ihrer Ambitionen und ihres Talents fördern“, sagt er.
Eine zentrale Rolle spielen die Trainer. Die Jugendtrainer beider Vereine haben sich bereits mehrfach getroffen, kennengelernt und dem Vorstand Vorschläge unterbreitet, wie sie die einzelnen Mannschaften zusammensetzen wollen. Die Trainer, sagt Rump, sollen den JFV mitgestalten können. Scouting sei nicht vorgesehen, und auch über sportliche Ziele habe sich der Vorstand noch keine Gedanken gemacht. Der erweiterte Vorstand, darunter der sportliche Leiter, Elternvertreter und Klassenkoordinatoren, muss noch gewählt werden.
Wichtiger ist jetzt: „Wir wollen erstmal Identifikation schaffen“, sagt Rump. Das Ziel sei es, alle Mannschaften zur neuen Saison mit einheitlichen Trikots auszustatten, auf denen das von Doreen Dietz kreierte Logo prangt. Für den Fall, dass der JFV Buxtehude in Zukunft einmal um weitere Buxtehuder Vereine erweitert werde, fielen die Namen der beiden Stammvereine aus dem Logo, erklärt Rump. „Wir halten allen Buxtehuder Vereinen die Tür offen.“ Noch aber ist das kein Thema. Der JFV Buxtehude steht zunächst einmal unter Beobachtung.
Neben Rump gehören zum JFV-Vorstand: Torsten Stöver (2. Vorsitzender), Robert Gundlack (Kassenwart) und Rainer Chamier (Schriftwart).
Der JFV Buxtehude hat Bedarf an Trainern und Co-Trainern. Interessenten können sich bei Michael Rump melden: fam4rump@t-online.de
Herr Schult, der JFV Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen ist 2010 an den Start gegangen und war einer der ersten Jugendfördervereine in Niedersachsen. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Wir hatten einen schwierigen Start und mussten in der Region um viel Akzeptanz werben. Nach kurzer Zeit konnten wir uns steigern und die Teams in allen Altersklassen kontinuierlich weiterentwickeln. Inzwischen sind alle Jahrgänge sportlich sehr gut aufgestellt. Die Teams sind mit mindestens ein bis zwei lizenzierten Trainern besetzt, die hervorragende Arbeit leisten. Wir sind in Spielklassen von der U 13-Kreisliga bis hin zur U 17-Regionalliga vertreten.
Worin liegen die Vorzüge des JFV?
Es geht darum, junge Talente aus der Region optimal zu fördern, ohne dass sie und ihre Eltern allzu weit fahren müssen. Bis zur Landesliga sind die Spieler kaum länger als eine halbe Stunde unterwegs. Bei den älteren Jahrgängen kann es schon in der Spitze eine Stunde sein. Wichtig ist auch unsere Kooperation mit dem Bundesligisten Werder Bremen, der uns bei der Trainerfortbildung und beim Scouting unterstützt. Werder kennt die Talente in der Region. Sollte es für einen Spieler in Bremen nicht reichen, bekommen wir eine Empfehlung. Viele Spieler melden sich bei uns und wir müssen die sportliche Entwicklung bewerten und abwägen. Dass wir erfolgreiche Arbeit leisten, hat sich offenbar herumgesprochen.
Welche Kritik gab es am JFV?
Wenn zwei Vereine wie A/O und damals der TuS Heeslingen zusammengehen, dann ist viel Angst und Neid da. Angst, weil Nachbarvereine Qualitätsverluste befürchten, indem sie ihre besten Spieler verlieren. Anfangs waren wir zu intransparent, was Spielertransfers anbelangt. Das war ein Fehler. Heute sind wir deutlich besser aufgestellt und informieren die Vereine. Das kostet uns aber auch reichlich interne Kapazität. Es ist aber richtig und wichtig für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. (tim)
LANDKREIS. Die Idee des Jugendfördervereins (JFV) ist nicht neu. Der Ursprung liegt in Bayern. Dort, schreibt der DFB vor knapp zehn Jahren, „schließen sich Jugendabteilungen einzelner Vereine zusammen und gründen einen gemeinsamen Klub für leistungsorientierte Nachwuchsarbeit“. Der Vorteil: Die Spieler bleiben weiterhin Mitglied ihres Stammvereins und behalten auch das dortige Spielrecht. Im Jahr 2009 gab es in Bayern knapp 300 Jugendfördervereine.
Nachdem der DFB die Möglichkeit, einen JFV zu gründen, in der Jugendordnung verankert hat, „ist die Mehrzahl der Landesverbände dem Beispiel Bayern gefolgt“. In der Region um Stade ging 2010 der JFV Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen an den Start. Es folgte der JFV Stade, der später im VfL Güldenstern Stade aufging, und nun der JFV Buxtehude. Insgesamt, sagt Marian Kobus, Referatsleiter Passwesen und Vereinsberatung beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV), gibt es rund 40 Jugendfördervereine in Niedersachsen. Jedes Jahr kämen drei bis vier hinzu. Eine verschwindend geringe Zahl angesichts der mehr als 2600 Vereine.
Das ist aus Sicht von Marian Kobus aber nicht entscheidend. Es gehe darum, durch die Kooperation der Vereine langfristig leistungsorientierten Jugendfußball anzubieten. Und das ist ein Punkt, in dem sich ein JFV von einer Jugendspielgemeinschaft (JSG) unterscheidet.
Bei einer JSG können die Partnervereine theoretisch Saison für Saison wechseln. Dieses Modell ist weniger auf Dauer ausgelegt. Ein JFV hingegen ist ein eigenständiger Verein mit eigenem Vorstand und eigenen Finanzen. Durch Verträge wird die Kooperation der Stammvereine zementiert. Und: Die JFV-Teams dürfen bis in die höchsten Spielklassen der jeweiligen Altersklasse durchstarten, bis auf DFB-Ebene.
NFV-Mann Kobus sagt aber auch, dass es bei einer JFV-Gründung nicht immer um Leistungsfußball gehe, heutzutage gehe es auch um „das Überleben des Fußballs“. Viele Vereine bekämen keine Jugendmannschaften mehr voll. Harald Lau, Vorsitzender des Jugendausschusses im NFV-Kreis Stade, hält eine JFV- oder JSG-Gründung in solch einem Fall für legitim, generell aber ist er kein Freund von Zusammenschlüssen. Lau sieht eine Gefahr darin, dass kleine Vereine dadurch stürben. „Das wäre ein Nachteil für alle Hobbyspieler, die einfach im Verein um die Ecke kicken wollen“, sagt Lau.
Allein die Zahlen hält er für alarmierend: Während es vor zehn Jahren noch 425 Jugendmannschaften im NFV-Kreis Stade gab, sind es aktuell nur 310. Das, so Lau, hänge auch mit der demografischen Entwicklung zusammen. „Fakt ist aber auch, dass durch den Zusammenschluss von Vereinen, die das Potenzial hätten, eigenständig arbeiten zu können, auf Dauer gesehen Mannschaften verloren gehen.“ (tim)