Ein „Seehund“ für die Oste
Das neue Unterhaltungsschiff MS „Seehund“ kommt auf und an der gesamten, fast 70 Kilometer langen unteren Oste zum Einsatz. Foto: Hartwig Meyer/NLWKN
Neues Schiff - bekannter Name: Das vorherige Schubboot von 1976 hat ausgedient. Was die MS „Seehund“ entlang der Oste leistet.
Stade/Basbeck. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat am Mittwoch sein neues Unterhaltungsschiff MS „Seehund“ getauft und damit feierlich in den Dienst gestellt. Die neue „Seehund“ ersetzt das über 50 Jahre alte Schubboot, das denselben Namen trug.
Es verfügt über modernstes Equipment für die Unterhaltungsarbeiten auf und an der gesamten, fast 70 Kilometer langen unteren Oste zwischen der Mündung und Bremervörde – von der Gehölzpflege über die Deichfußsicherungen bis zur Herstellung von Buhnen. Bei einem Festakt im Hafen des NLWKN-Betriebshofs Basbeck in Hemmoor, dem künftigen Heimathafen der mehr als 17 Meter langen und nicht ganz fünf Meter breiten „Seehund“ betonte Taufpatin Sabrina Lorenz: „Die Oste ist das größte landeseigene, tidebeeinflusste Gewässer in Niedersachsen und prägende Lebensader der Region. Hier ist die Deichfußsicherung von besonderer Bedeutung – vor allem für die Sturmflutsicherheit.“
Auch bei starker Strömung auf Kurs
Die NLWKN-Verwaltungschefin verwies in ihrer Rede auf die außergewöhnliche Vielfältigkeit eines der längsten Nebenflüsse der Elbe: „Der Unterlauf der Oste ist nahe der Mündung in die Elbe breit, mit großem Tidehub und starker Strömung, relativ schmal, flach und mit geringem Tidehub vor Bremervörde, teilweise eingedeicht, teilweise breite Vorländer, mit naturschutzfachlich sehr wertvollen Bereichen und zahlreichen Mäandern – dazu benötigen wir als NLWKN ein modernes Schiff mit den neuesten technischen Optionen.“
„Diesen Herausforderungen ist die neue „Seehund“ mehr als gewachsen“, freut sich Anka Dobslaw, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. „Niedersachsen hat die Oste 2010 von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes übernommen und den NLWKN mit der Unterhaltung betraut. Für die Oste-Anlieger haben natürlich der Küstenschutz und die Deichsicherheit eine ganz besonders hohe Bedeutung. Daher hat Niedersachsen über 1,7 Millionen Euro aus Corona-Sondermitteln in diesen Schiffsneubau investiert.“
„Die neue Seehund ist stark genug, um den Schubverband auch bei starker Strömung sicher auf Kurs zu halten, aber auch flexibel und wendig, um in schmaleren Bereichen manövrieren zu können“, erklärt Jörn Drosten, Leiter des Geschäftsbereichs Betrieb und Unterhaltung in der Direktion des NLWKN. „Damit bringt sie Kollegen, Baumaterial und Spezialgerät zuverlässig an die Flussabschnitte, wo sie gebraucht werden.“
Robbe an der Oste in Bremervörde gesichtet
Neues Schiff für unverzichtbare Aufgaben
Der in der Schiffswerft Hermann Barthel in Derben in Sachsen-Anhalt nach den Vorgaben des NLWKN gefertigte Neubau ersetzt die 1976 erbaute und inzwischen außer Dienst gestellte alte „Seehund“. Diese wurde 1976 in der Lübbe Voß-Werft in Aurich am Ems-Jade-Kanal gebaut und war zuvor im Bereich der NLWKN-Betriebsstelle Norden-Norderney als Schlepper im Einsatz. Mit der Übernahme der Oste durch das Land beziehungsweise durch den NLWKN wurde die MS „Seehund“ 2011 zum NLWKN-Betriebshof Basbeck an der Oste verlegt. „Da diese inzwischen deutlich in die Jahre gekommen war und Ersatzteile nicht mehr verfügbar waren, haben wir den Neubau in Auftrag gegeben“, erläutert Drosten. Neben der Errichtung von Deichfußsicherungen zählen der Bau von Buhnen, die ebenfalls der Deichfußsicherung dienen, die Unterhaltung von Schifffahrtszeichen sowie die Gehölzpflege zu den wichtigen Aufgaben des Betriebshofes, die vom Wasser aus erledigt werden.
Das neue Schiff in Zahlen
Die „Seehund“ hat einen Tiefgang von 1,1 Metern und erreicht mit dem für die Unterhaltungsarbeiten notwendigen seitlich geführten Ponton eine Länge von rund 24 und eine Breite von etwa elf Metern. Ihre maximale Geschwindigkeit beträgt 8,6 Knoten, das entspricht 16 Kilometer/Stunde. Zur besseren Manövrierbarkeit wurde sie mit einem Bugstrahlruder ausgestattet. Für eine optimale Übersicht kann das Steuerhaus mit einer Steuerhaushubvorrichtung um rund 1,3 Meter angehoben werden. Am Heck befindet sich ein Ladekran mit einer Auslage von maximal 9,2 Metern, unter anderem zur Bergung von Treibgut. Die Masten sind hydraulisch absenkbar, um auch bei höheren Wasserständen unter Brücken hindurchfahren zu können. An Bord befindet sich auch ein Umkleideraum mit Raumluftwäschetrockner, damit unter anderem die Sägeschutzkleidung der NWLKN-Mitarbeiter schnellstmöglich getrocknet werden kann. (pm)
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