Ein Stück Geld- und Zeitgeschichte: Sparbuch mit drei Währungen entwertet
Wolfgang Schmiedeberg mit seiner Enkelin Lea Sophie, die jetzt selbst Besitzerin eines Sparbuches ist. Fotos: privat
Ein Sparbuch mit drei Währungen der Freiburger Kreissparkassenfiliale wurde kürzlich in Freiburg entwertet. Sparkontoinhaber Wolfgang Schmiedeberg aus Jesteburg war hierfür extra nach Nordkehdingen angereist.
Das nun durch Lochung entwertete Sparbuch der „Öffentlichen mündelsicheren Sparkasse“ dokumentiert ein kleines Stück Zeitgeschichte. Am 1. März 1948 wurde Wolfgang Schmiedeberg in Stade geboren. Es war das Geburtsjahr der Deutschen Mark, das Jahr nach der Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg. Die bis dahin geltende Reichsmark wurde entwertet und Banknoten vernichtet. Dafür gab es als Startkapital für jeden Bürger in der Bundesrepublik Deutschland 40 DM.
Die gab es auch für Schmiedebergs Großvater Richard Ebeling vom Hollerdeich bei Oederquart. „Wie wertvoll diese 40 DM waren, ist heute kaum vermittelbar. Es war das Gesamt-Bargeldvermögen eines Bürgers!“, erzählt Schmiedeberg. Und dann entschloss sich der Großvater voller Stolz, für sein erstes und einziges Enkelkind Wolfgang ein Sparbuch bei der Kreissparkasse Stade, Hauptzweigstelle Freiburg, anzulegen. Am 14. August zahlte er von diesen wertvollen 40 Mark 5 DM für seinen Enkel ein.
Vermutlich durch die große Papierknappheit und weil viele Druckereien zerbombt waren, wurde damals ein altes Reichsmark-Sparbuch verwendet. „Die eingedruckte Währungsbezeichnung ,RM’ wurde kurzerhand in der Kreissparkasse per Hand mit Tintenfass und Schreibfeder in ,DM’ geändert“, erzählt der 71-Jährige.
Nach dem Tod der Mutter 1985 fand er – der einzige Sohn – dieses Sparbuch im Nachlass; unangerührt, vergessen, aber noch gültig. Erst im August 1998 – also 50 Jahre nach der ersten und letzten Einzahlung von 5 D-Mark – hatte Wolfgang Schmiedeberg die Gelegenheit, das Sparbuch in Freiburg mit Wertermittlung und Zinsen per Hand aktualisieren zu lassen. Das Ergebnis waren 22,54 Mark.
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„Wer mehr erwartet hatte, wurde von Statistikern belehrt“,m erklärt Schmiedeberg, „die DM hatte in den 50 Jahren durch die Inflation fast 73 Prozent ihres Wertes verloren. Was damals 27 Pfennige gekostet hatte, war 1998 praktisch 1 DM teuer.“ Die Zinsen auf 5 D-Mark hätten also den Wertverlust des Geldes mehr als wettgemacht.
Das Sparbuch hatte für den Kontoinhaber fortan einen hohen, symbolischen Wert. Und er entschied: Es soll auch die damals bevorstehende dritte Währung Euro miterleben. Auch das wurde bei der Sparkasse in Freiburg – wieder per Hand, denn die technisch-automatischen Eintragungen waren auf diesem Reichsmark-Sparbuch nicht möglich. So wurde das Guthaben am 7. Januar 1999 mit 11,70 Euro beziffert.
Im Oktober 2018 wurde im 70. Lebensjahr des Sparbuchbesitzers dessen erstes Enkelkind Lea Sophie geboren. Dieses Ereignis nahm er zum Anlass, das vom Großvater eingerichtete Konto nun doch aufzulösen – wieder in Freiburg – und den aktuellen Eurobetrag auf das neu eingerichtete Sparkonto der Enkelin einzuzahlen. „Die 5 D-Mark von Lea Sophies Ur-Ur-Großvater wachsen so symbolisch weiter“, sagt der Großvater.
1948 wurde das RM einfach durchgestrichen und durch DM ersetzt.