Zähl Pixel
Archiv

Ein Wirtschaftskrimi in Beckdorf

Die erst 2012 errichtete Ausstellungshalle der jetzt insolventen Firma Ehrecke-Krüger Haustechnik im Beckdorfer Gewerbegebiet.                                                                             Fotos Beneke

Die erst 2012 errichtete Ausstellungshalle der jetzt insolventen Firma Ehrecke-Krüger Haustechnik im Beckdorfer Gewerbegebiet. Fotos Beneke

Mit etlichen Personen rückten die Ermittler der Finanzbehörden an. Sie durchsuchten mehrere Gebäude auf der Stader Geest. Mindestens ein Dutzend Beamte in Zivil waren im Einsatz. 

Von Daniel Beneke Dienstag, 03.11.2015, 20:07 Uhr

Hintergrund ist ein Verfahren wegen möglicher Steuerstraftaten im Vorfeld der Insolvenz der Ehrecke-Krüger Haustechnik GmbH mit ehemals 40 Mitarbeitern in Beckdorf. Der Vorwurf von Gesellschafter Michael Ehrecke: Sein Partner Andreas K. habe die Firma absichtlich in eine Notlage gebracht, um sie anschließend billig übernehmen zu können. Bei diesem Übernahmeversuch geholfen habe ihm K.s Steuerberater Kai Säland, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Hausbank des jetzt insolventen Unternehmens ist. K. bestreitet die Vorwürfe, Säland äußert sich nicht.

Um neun Uhr am vergangenen Donnerstag klingelten die Steuerfahnder – unter anderem an der Tür des Wohnhauses von Andreas K. und einem von ihm geführten Elektrobetrieb in Harsefeld. Das TAGEBLATT beobachtete die Szene. Interessant: Während die Durchsuchung der Geschäftsräume lief, schleppten junge Männer durch einen anderen Eingang Computer und Monitore heraus – offenbar unbemerkt von den Beamten.

Durchsucht wurden auch die Räume der insolventen Firma Ehrecke-Krüger in Beckdorf. Aus dem Gerichtsbeschluss, der dem TAGEBLATT vorliegt, geht hervor, dass gegen den 52-jährigen Andreas K. wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt wird. Die Stader Staatsanwaltschaft will sich derzeit dazu nicht äußern. Sprecher Kai Thomas Breas: „Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen können wir derzeit nichts sagen.“

Der Vorwurf von Michael Ehrecke: Mit einer weiteren Gesellschaft des Andreas K., der Plumber Handelsgesellschaft mbH, soll der Harsefelder die Ehrecke-Krüger GmbH, deren zweiter Geschäftsführer er von 2012 an war, mindestens drei Jahre lang „massiv geschädigt“ haben. Ehrecke hat nach eigenen Angaben seinen einstigen Partner deshalb wegen gewerbsmäßigen Betrugs angezeigt. Mit überhöhten Rechnungen – von Aufschlägen zwischen zehn und 17 Prozent ist die Rede – soll Andreas K. Waren an die Ehrecke-Krüger Haustechnik GmbH verkauft und sich bereichert haben. Der Entwurf eines Prüfungsberichts aus dem Stader Finanzamt, den das TAGEBLATT in Auszügen einsehen konnte, stützt diese Anschuldigungen.

Dabei sei, so Ehrecke, ursprünglich vereinbart worden, dass über die Plumber GmbH zu günstigen Konditionen eingekauft werden solle. Als Geschäftsführer der Ehrecke-Krüger Haustechnik GmbH hätte Andreas K. ihn darauf hinweisen müssen, dass diese Zusage nicht mehr eingehalten werde. Außerdem wirft Ehrecke K. vor, zusammen mit einem inzwischen ehemaligen Mitarbeiter des Unternehmens, „massiv schwarz abgerechnet“, also Bargeschäfte auf Baustellen ohne Wissen des Finanzamts abgewickelt zu haben. Ehrecke spricht von einem Schaden im sechsstelligen Bereich. Er ist sich sicher, dass Andreas K. mit seinen Geschäften eindeutige Ziele verfolgte: „Seit Anfang des Jahres stand der Plan, die Firma in die Insolvenz zu treiben. Vorher wollte er sie aussaugen.“ Laut Ehrecke soll es von K. nahestehenden ehemaligen Mitarbeitern der Ehrecke-Krüger GmbH sogar zu Diebstählen, tätlichen Übergriffen und einer Todesdrohung gegen ihn gekommen sein.

Gegenüber dem TAGEBLATT bestreitet Andreas K. die Anschuldigungen: „Das stimmt nicht. Die Steuerprüfung war drei Mal da und hat nichts gefunden. Der Einzige, der etwas findet, ist Herr Ehrecke. Bis jetzt hat sich noch nie etwas von ihm bestätigt.“ Jeder Kaufmann könne bei diesen Vorwürfen nur mit dem Kopf schütteln. Er wolle bei der Aufarbeitung der Vergangenheit mithelfen und hoffe, dass der insolvente Betrieb, der ihm zu 40 Prozent gehöre, möglichst bald wieder auf die Beine kommt: „Für mich geht der Blick immer nur nach vorne.“

Neben der Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Partner erregt Ehrecke besonders die Rolle des Steuerberaters von K., der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Geest ist, die die Hausbank der Ehrecke Krüger GmbH ist. Außerdem sitze der Steuerberater praktischerweise dort im Kreditausschuss. Bereits im Sommer, also Monate vor der Insolvenz, habe Andreas K. mithilfe von Kai Säland als Steuerberater ein Übernahmeangebot für die gemeinsame Firma gemacht. „Das war ein Witz“, schimpft Michael Ehrecke. „Wir waren sprachlos, als wir das gelesen haben.“ Für eine lächerlich geringe Summe sollte er aus dem Unternehmen gedrängt werden. Bei „fehlgeschlagener Geschäftsanteilsübernahme“, so kündigte Andreas K. im Angebot an, werde er den Kreditrahmen bei der Hausbank des Betriebes, der Volksbank Geest, kündigen. Dies war ihm als alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer möglich. Die Bank selbst ist hieran nicht beteiligt gewesen.

„Dieses Übernahmeangebot grenzt an Erpressung. Das ist eine Katastrophe“, urteilt Rechtsanwalt Ingo Ebling. K. habe seine Drohung wahr gemacht, berichtet der Buxtehuder Jurist. Er kritisiert massiv die Doppelrolle von Säland, einerseits als Berater von Andreas K. und andererseits als Aufsichtsratsvorsitzender der Hausbank der Ehrecke-Krüger GmbH. Diese „Mehrfachfunktion“ sei juristisch heikel, so Anwalt Ingo Ebling. „Das ist sehr bedenklich. Wenn jemand auf der einen Seite in der Bank sitzt, von der eine Firma abhängig ist, auf der anderen Seite als Steuerberater diese Firma bedroht, dann bringt er sowohl die Firma als auch die Bank in die Bredouille.“

Auf TAGEBLATT-Nachfrage äußerte sich Kai Säland nicht zu den Vorwürfen. Ein zugesagtes Gespräch ließ er platzen, schriftliche Fragen blieben unbeantwortet. Er beruft sich dabei auf seine „berufliche Schweigepflicht“.

Der Insolvenzverwalter, Friedrich von Kaltenborn-Stachau, mag zu den Betrugsvorwürfen keine Stellungnahme abgeben, die Prüfung erfolge erst im Laufe des Verfahrens. Dies werde unabhängig von den Auseinandersetzungen fortgesetzt. Ein Bieterverfahren sei eingeleitet, er sei aktiv auf Investorensuche und halte das „Unternehmen als solches für gesund“. Auch Andreas K. könne Angebote abgeben. Nicht einmal ein rechtskräftiges Urteil gegen ihn würde ihn von vornherein hiervon ausschließen.

Michael Ehrecke seinerseits hofft auf einen neuen Investor. Er würde seinen Betrieb gern am etablierten Standort weiterführen, die Auftragslage sei gut. Gerne möchte er auch bei der Volksbank Geest bleiben.

Erhebt Vorwürfe: Michael Ehrecke .

Erhebt Vorwürfe: Michael Ehrecke .

"Dieses Übernahmeangebot grenzt an Erpressung." Ingo Ebling, Rechtsanwalt aus Buxtehude

"Dieses Übernahmeangebot grenzt an Erpressung." Ingo Ebling, Rechtsanwalt aus Buxtehude

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.