Eine Kneipe wie in der guten alten Zeit
Eine zufällig zusammengefundene Runde mit Schlachter Johannes Müller (Zweiter von links). Hinter dem Tresen steht Marion Müller.
Der Raum in der Gastwirtschaft „Zum Moorkrug“ in Frankenmoor ist kleiner als viele moderne Wohnzimmer und bietet Platz für vier Tische. Tresen und Schrank stehen dort seit 1957. Wer bei Marion und Johannes Müller vorbeischaut, begibt sich auf eine kleine Zeitreise.
Frankenmoor gehört seit 1929 zu Bargstedt. Wie der Name vermuten lässt, liegt der Ort im Moor. Mit dem Auto von Wedel nach Bargstedt fordern den Fahrer spektakuläre Kurven zwischen Wiesen und Äckern heraus. Dann taucht plötzlich die kleine Siedlung auf. Ein Schild weist zum Moorkrug mit Hofschlachterei. Immer wieder biegt ein Fahrzeug auf den Hof. Abends und am Wochenende kommen sie zum Stammtisch, tagsüber zum Grillfleisch- oder Wurstabholen. Am Tresen wird gezahlt, das Fleisch gibt es hinten in der Schlachterei. Johannes Müller, von allen „Hannes“ genannt, bietet etwas an, das es nur noch selten gibt: Der 63-Jährige verkauft Fleisch von selbst geschlachteten Schweinen aus eigener Zucht.
Catharina Müller zapft mit 87 Jahren noch ein perfektes Bier mit Blume. Fotos Fehlbus
Marion Müller steht in der Gastwirtschaft. Sie hat den Betrieb von ihrer Mutter Catharina Müller übernommen. Die 87-Jährige ist bis heute auch am Zapfhahn zu finden. Ihr Mann starb vor 35 Jahren. „Da stand es kurz auf der Kippe, ob es weitergeht“, erinnert sich Marion Müller. Die heute 58-Jährige entschied sich für den Hof, ihr „Hannes“ damals mit dem Eheversprechen quasi gleich mit. Nicht nur in der Familie Müller ist die Gaststube Frauensache. „Das lief immer neben der Landwirtschaft, tagsüber haben sich hauptsächlich die Frauen um die Klein-Gastwirtschaft gekümmert“, erzählt die Mutter von fünf erwachsenen Söhnen.
Am Tisch mit Bank sitzen Peter, Franz, Gerhard, Stefan und Karl Heinz. Es ist eine bunt zusammengewürfelte Runde. Manche von ihnen treffen sich regelmäßig zum Stammtisch in Frankenmoor. Zwei der Männer haben gerade ein Rind zum Schlachten gebracht. Hannes Müller ist seit 1971 Schlachter, „gelernter Vollschlachter“ wie er betont. Schlachtung, Zerlegen, Weiterverarbeitung des Fleisches – alles gehört dazu. Er weiß, dass sein bei vielen beliebtes Angebotspaket ein Auslaufmodell ist, weil der Job sprichwörtlich auf die Knochen geht. „Bis 2000 bin ich über die Höfe gefahren und habe dort Hausschlachtungen gemacht“, sagt Johannes Müller. Dann richtete er die Schlachterei in Frankenmoor ein. Seit 2010 trägt der Betrieb ein wichtiges und für diese Größenordnung höchst seltenes Zertifikat. Müller hat alle Vorgaben zur EU-Zulassung erfüllt. Aber in drei oder vier Jahren soll Schluss sein. Von den Söhnen wird keiner die Kombination Landwirtschaft und Hofschlachterei übernehmen. Was dann mit der Gastwirtschaft passiert, steht noch nicht fest.
Die Männer am Stammtisch erzählen von den kleinen und großen Dingen des Lebens. Vom Job in Hamburg, von der Landwirtschaft wie sie damals war: hart für Mensch und Tier, auf kleinen oft kargen Höfen.
Aus dem Familienalbum: In der Mitte steht Marion Müller, heutige Inhaberin des Moorkrugs, zwischen ihrer Mutter Catharina Müller und ihrem 1982 gestorbenen Vater Klaus Müller sowie den zwei Schwestern.
Im „Familienalbum“ hat Bargstedts Dorfchroniker Martin Höft einst die Geschichte Frankenmoors abgebildet. 1815 begannen demnach 20 Siedler, das Gelände in Moor und Wildnis urbar zu machen. „In schwerer, entbehrungsreicher Arbeit entstanden nach und nach schöne Bauernhöfe“, heißt es im Buch. Da die Bauern aus Ohrensen, Bargstedt, Wedel und Aspe Anspruch auf das Gebiet als Torfreserve erhoben hätten, habe auf einer „obrigkeitsseitig geleiteten Moorkonferenz“ geklärt werden müssen, wo die neuen Grenzen der Siedlung verlaufen. Es gelang an einem Tag, aber in schwierigen Verhandlungen.
Der Moorkrug im Jahr 1940. Auf der rechten Seite führte eine Tür durch die Waschküche weiter in die Gaststube. Das Gebäude steht nicht mehr. Den Moorkrug in seiner heutigen Form gibt es seit 1957 in Frankenmoor.
Von der Gaststätte in Frankenmoor gibt es ein altes Bild von 1940. „An der Seite ging es in die Gaststube“, erinnert sich Catharina Müller. Das Gebäude, in dem der Moorkrug heute ist und wo manch durstige Fahrradgruppe im Sommer gerne Station macht, wurde 1957 gebaut. Es gibt viele, die hoffen, dass sie noch lange auf eine Tasse Kaffee, ein Bier und einen Klönschnack in den Moorkrug können.
Der heutige Moorkrug steht seit 1957.