Eine Zahnschiene gegen Schlafapnoe
Kooperieren für mehr Lebensqualität : Schlaflaborleiter Dr. Carlos Monge-Casafranca, Leiter der HNO-Klinik Prof. Dr. Randolf Riemann sowie die Zahnärzte Dr. Arne Scholz und Oliver Hollmann. Fotos Albus
Bei einer Schlafapnoe setzt nachts der Atem aus, was ernsthafte Folgen haben kann. Doch Lösung ist in Sicht: Für eine Zahnschiene, die Abhilfe schaffen kann, arbeiten vier Stader Ärzte interdisziplinär auch mit dem Elbe Klinikum zusammen.
„Eines der Symptome, das auf eine Schlafapnoe hinweisen kann, ist das Schnarchen“, erklärt Prof. Dr. Randolf Riemann. Randolf Riemann ist Chefarzt der HNO-Abteilung am Stader Elbe Klinikum und arbeitet gemeinsam mit den Zahnärzten Dr. Arne Scholz und Oliver Hollmann sowie Dr. Carlos Monge-Casafranca vom Schlaflabor Stade an der Behandlung der Schlafapnoe mithilfe von Zahnschienen.
Bei einer Schlafapnoe stockt die Atmung während des Schlafs immer wieder für durchschnittlich 20 bis 30 Sekunden, sie könne aber auch minutenlang anhalten. Oft sei es der Partner, der die Atempausen bemerkt, weil plötzlich das Schnarchen ausbleibt, erklärt Riemann. Der Betroffene werde durch die Atemaussetzer wach, ohne es zu merken. Der unterbrochene Schlaf führt so unter anderem zu Müdigkeit am nächsten Tag. „Dabei ist der Schlaf sehr wichtig für die Erholung des Körpers“, führt Carlos Monge-Casafranca vom Schlaflabor im Elbe Klinikum aus. Langfristig könne eine unbehandelte Schlafapnoe zu Bluthochdruck führen, was wiederum den Weg für Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall ebnet.
Nicht jeder Schnarcher muss sich an das Ärzteteam wenden. Treten jedoch weitere Symptome wie Müdigkeit, generelle Schlappheit, Konzentrationsstörung oder Kopfschmerzen nach dem Aufwachen auf, sollte vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden. Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt. Bei einem entsprechenden Befund wird er den Patienten an einen Facharzt überweisen, in diesem Fall das interdisziplinäre Team aus HNO-Experten und Zahnärzten.
In der Hals-Nasen-Ohren-Praxis wird der Rachen gecheckt, während beim Zahnarzt ein Kieferabdruck genommen wird. „Nur so lässt sich die Stellung der Zähne genau beurteilen“, sagt Zahnarzt Arne Scholz. Hier kommt häufig eine Nacht im Schlaflabor infrage. Dann wird das Schlafverhalten des Patienten überwacht. Anhand der Werte von Gehirnströmen, Herzfrequenz, Augenbewegung, Muskelaktivität und Sauerstoffsättigung im Blut wird die Diagnose gestellt.
Wird eine Schlafapnoe festgestellt und liegt diese an einer Verengung im Rachen, kann die Zahnschiene Abhilfe verschaffen. Diese wird vom Zahnarzt angepasst und nachts zum Schlafen eingesetzt. „Durch die Schiene wird der Unterkiefer leicht nach vorne geschoben“, erklärt Zahnarzt Oliver Hollmann und verdeutlicht die Bewegung an einem Modell. Er erklärt: „Weil sich die Muskulatur im Schlaf entspannt, fällt der Unterkiefer mit der Zunge nach hinten und engt so den Atemweg ein.“ Mit dem vorgeschobenen Unterkiefer werde der Atemweg wieder vergrößert und die Atmung erleichtert.
„Wichtig ist, dass kein Patient auf die Idee kommt, nur weil er schnarcht, solch eine Schiene einzusetzen“, mahnt Randolf Riemann. Bisher gab es neben einer Operation nur die Möglichkeit, die Schlafapnoe mit einer sogenannten CPAP-Maske zu behandeln. Sie reguliert den Atem durch Überdruck und besteht aus der Maske selbst, einem dicken Schlauch sowie dem elektrischen Atmungstherapiegerät. „Diese Masken haben aber die Patienten aus verschiedenen Gründen nicht gerne benutzt, wie beispielsweise Druckstellen oder Umständlichkeit“, so HNO-Chefarzt Riemann. Mit der Zahnschiene habe der Betroffene die Möglichkeit, ohne Atemaussetzer zu schlafen.
Wird der medizinische Nutzen festgestellt, werden die Kosten der Zahnschiene in der Regel von den Krankenkassen übernommen, sagt Riemann. Allerdings müsse für eine Übernachtung im Schlaflabor derzeit mit einer Wartezeit von drei bis vier Monaten gerechnet werden, weil es nur zwei Plätze im Schlaflabor gibt.
Die Zahnschiene wird in einem speziellen Zahnlabor angefertigt.