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Eisbär Eis: Das Eis aus der Hightech-Maschine

Ein Klassiker: Spaghetti-Eis . Zwei Millionen Portionen Eis werden täglich auf dem Firmengelände von Eisbär Eis hergestellt. Fotos Eisbär Eis/Seidel

Ein Klassiker: Spaghetti-Eis . Zwei Millionen Portionen Eis werden täglich auf dem Firmengelände von Eisbär Eis hergestellt. Fotos Eisbär Eis/Seidel

Seit der Jugend kennt Robin Ahrendt die Firma Eisbär Eis in Apensen von den Fabrikverkäufen. Heute ist er dort angehender Süßwarentechnologe, weil die Faszination geblieben ist. Auftakt der neuen TAGEBLATT-Reihe über seltene Ausbildungsberufe.

Von Karsten von Borstel Dienstag, 21.02.2017, 16:55 Uhr

Das Vanille-Eis ist in Form gebracht. Millimetergenau platziert die Hightech-Maschine die Waffeln zu beiden Seiten. Die Spitze des Eises wird noch präzise in die kakaohaltige Fettglasur getunkt – und fertig ist das Domino-Eis. 260 000 Portionen des Sandwich-Klassikers schafft eine Anlage bei Eisbär Eis in einer Acht-Stunden-Schicht. Zwei Millionen Eis-Portionen entstehen auf dem gesamten Werksgelände in Apensen – tagtäglich wohlgemerkt.

Robin Ahrendt ist hier Auszubildender für Süßwarentechnologie und im zweiten Lehrjahr. Ein Beruf, den es erst seit wenigen Jahren gibt, der aber große Schnittmengen mit der Fachkraft für Lebensmitteltechnik hat. Süßwarentechnologen werden extra für die Herstellung von Süßwaren nach Rezepturvorgaben im industriellen Maßstab eingesetzt. Sie arbeiten überwiegend in Fabriken, die Schokolade, Gebäck und Bonbons herstellen – oder Eis.

Der Auszubildende Robin Ahrendt kontrolliert eine Produktionsanlage.

„Man ist hauptsächlich in der Produktion, aber das Spannende am Beruf ist die Vielseitigkeit“, sagt der 21-jährige Ahrendt, den seine Ausbildung auch in das Qualitätsmanagement, in Labor und Lager, die Verpackung und die Mix-Küche führt. Hier werden strikte Rezepturen zusammengemischt, und die Auszubildenden bekommen erste Einblicke in die Aromen-Lehre. Ahrendt fasziniert diese Welt, seitdem er in seiner Jugend bei den Fabrikverkäufen von Eisbär Eis war. In einem Schüler-Praktikum verfestigte sich sein Wunsch nach diesem relativ unbekannten Beruf, für den gute Noten in Physik, Biologie, Mathematik und Chemie die Voraussetzung sind.

Bei Eisbär Eis ist er für Realschüler zu haben, bei besonderem Einsatz ist eine Lehrstelle aber auch schon mal an Hauptschüler vergeben worden. Der Beruf ist so selten, dass es deutschlandweit bislang nur eine Berufsbildende Schule in Solingen gibt. „Die Jungs sind nach der Ausbildung gefragt, auch international“, sagt Ausbilder Christoph Krause.

In diesem Jahr werden in Apensen die ersten Lehrlinge aus dem Bereich fertig. In Süddeutschland ist der Job bekannter – wegen der Schokoladenfabriken. Es ist ein technischer, aber auch praktischer Beruf, auch wenn das Eis natürlich nicht mehr per Hand geformt wird. „Hier ist aber nichts hermetisch abgeriegelt, man bekommt das Produkt zu sehen“, so Krause.

Die angehenden Süßwarentechnologen gehen von Beginn an das Drei-Schicht-System, um bei der Belegschaft zu bleiben. Die Reinigung der riesigen Tanks steht beispielsweise vor allem in der Nachtschicht an. Alle zwei bis drei Wochen rotieren die Lehrlinge eine Produktionsanlage weiter. Die Maschinen unterscheiden sich vor allem beim Aufrüsten und Umbauen. „Der Notaus-Knopf ist allerdings bei allen gleich“, scherzt Ahrendt.

Wenn die Mitarbeiter wenig zu tun haben, ist das im Grunde ein gutes Zeichen. Denn das bedeutet, es gibt keine Störungen und die Produktion läuft. „Man kann sich immer etwas zu tun suchen und etwa die Maschinen kontrollieren“, sagt Ahrendt über den maschinenlastigen Job. Bevor er hier angefangen hat, habe er keine Vorstellung von der Größenordnung gehabt: 600 000 Domino-Waffeln entstehen auf dem Firmengelände. Tag für Tag.

Nach der Ausbildung stehen den Lehrlingen viele Türen offen. Mit zwei Jahren Berufserfahrung können sie einen Techniker machen, später auch den Meister. Ahrendt hat die Hälfte der Ausbildung hinter sich. Was ihn noch interessieren würde? Ahrendt: „Alles, was mit Pektin und Gelatine zu tun hat.“ Oder einfach: Gummibärchen und Co. „Aber ich bleibe beim Eis“, sagt er.

Seltene Berufe

Vom Süßwarentechnologen über den Brunnenbauer bis hin zum Klärwart: In der neuen TAGEBLATT-Reihe „Seltene Ausbildungsberufe“ porträtieren wir in lockerer Folge Auszubildende in ihrem Beruf, den es in Deutschland und der Region nur selten gibt.

Der Auszubildende Robin Ahrendt kontrolliert eine Produktionsanlage.

Der Auszubildende Robin Ahrendt kontrolliert eine Produktionsanlage.

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