TElbfähre in Wischafen hat zu wenig Wasser unterm Kiel
Von vergangenem Sonnabend bis Dienstagmittag hatten die Elbfähren ihren Verkehr eingestellt. Grund: Niedrigwasser . Foto: von Allwörden
Viele Autofahrer klagen über lange Fahrt- und Wartezeiten an der Elbfähre. Grund ist die zunehmende Verschlickung der Süderelbe und der Sandbank, die für die Fähren durchstochen wurde. Der BUND hatte eine Verlegung der Fährzufahrt in Wischhafen gefordert.
Am vergangenen Wochenende war es wieder mal soweit: Die Elbfähre hatte ihren Betrieb wegen Niedrigwassers eingestellt. Erst am Dienstagmittag wurden die Fahrten wieder aufgenommen. Grund dafür ist die zunehmende Sedimentablagerung in der Süderelbe, die von den Fähren bis zum Wischhafener Anleger auf einer Länge von etwa 700 Metern befahren werden muss. Auch der Durchstich durch die Brammer Bank muss regelmäßig geräumt und gebaggert werden.
Solche Situationen sind für den BUND beste Argumentationshilfe, um eine Verlegung des Fähranlegers in Richtung Elbfahrrinne zu fordern. Ausdrücklich schrieb der stellvertretende Cuxhavener BUND-Kreisvorsitzende Norbert Welker in seinem Brief an Verkehrsminister Andreas Scheuer vom Dezember 2019 denn auch, dass der BUND sich einer „Verlegung des Wischhafener Fähranlegers in Richtung Elbfahrwasser nicht verweigern würde“.
Einsatz der Naturschützer lässt viele aufhorchen
Wenn Naturschützer Unterstützung für Straßeninfrastruktur, die zudem noch erheblich in den Naturhaushalt des Elbwatts eingreifen würde, anbieten oder sogar fordern, wird manch einer stutzig. Dazu gehört etwa der Nordkehdinger Samtgemeindebürgermeister Edgar Goedecke, der vermutet, dass der BUND das als Argument gegen den geplanten Elbtunnel zwischen Drochtersen und Glückstadt ausnutzen wolle.
Dieser Einschätzung könne er durchaus folgen, sagt denn auch der Cuxhavener CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann. Aber der Politiker sieht auch die dringende Notwendigkeit, hier etwas zu tun: „Wir müssen da noch mehr baggern, denn die Warte- und Fahrzeiten werden immer länger.“ Aber eine Verlegung des Anlegers ist aus seiner Sicht wirtschaftlich nicht vertretbar angesichts der geplanten und absehbaren Elbquerung. Selbst wenn es noch nach der Inbetriebnahme des Tunnels eine deutlich reduzierte Fährverbindung gäbe, lohne sich dieser Schritt nicht unbedingt und sei zurzeit nicht durchsetzbar.
Mit einer intensivierten Ausbaggerung der Süderelbe könne die Situation entschärft werden, sagt der Staatssekretär. Dass der für Wasserstraßen und Schifffahrt im Ministerium zuständige Abteilungsleiter, Dr. Norbert Salomon, die Fähranleger-Verlegung in dem Antwortschreiben an den BUND positiv bewertet, sei kein Widerspruch zu seiner Aussage, erklärt Ferlemann. Aus rein fachlicher Sicht sei es richtig, einer Verlegung des Anlegers zuzustimmen, nur eben wirtschaftlich nicht vertretbar.
Betreiberin der Elbfähre glaubt nicht recht an Verlegung
Die Betreiberin der Elbfähre, Hildegard Both-Walberg, würde eine Verlegung des Anlegers sehr begrüßen, glaubt aber so recht auch nicht an die Realisierungschancen. In den 1980er Jahren ist der Fähranleger auf Glückstädter Seite verlegt worden, um die Verbindung schneller zu machen. Aber heute sei die Situation anders, wenngleich sie nicht daran glaube, dass der Tunnel so schnell umgesetzt werde, wie die Politiker immer behaupteten.
Dass die Fähre aktuell für ein paar Tage den Verkehr eingestellt hatte, sei eine besondere Vorsichtsmaßnahme gewesen, um den Fährbetrieb nicht nachhaltig zu gefährden. Wenn nämlich bei Niedrigwasser die Schiffsschrauben auf Grund kommen und beschädigt würden, denn befürchtete die Fährchefin, im Fall einer Schraubenreparatur durch die Corona-Krise nicht so schnell bedient zu werden, so dass eine Reparatur möglicherweise länger auf sich warten ließe. Momentan seien die Fahrgastzahlen durch Corona ohnehin eher gering. Both-Walberg: „Uns fehlen vor allem die Personenwagen.“