Eltern gegen Ganztagsbetrieb an der Grundschule in Hammah
Karin Reetz (hier ein Archivbild anlässlich einer Bereisung) geht in den Ruhestand. Auch sie glaubt, dass die Ganztagsschule kommt. „Aber das braucht Vorlauf.“ Foto Eidtmann
Der erste Anlauf in der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten zur Einrichtung eines Ganztagsangebotes an einer Grundschule lief ins Leere. Eine Befragung von Familien im Einzugsbereich der Grundschule Hammah mit Kindern ergab, dass sie mehrheitlich kein Interesse haben.
Der Schulausschuss der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten erteilte der Gemeinde Hammah deshalb einen Korb. Denn die hatte im Vorjahr einen Antrag auf Einführung einer teilgebundenen Ganztagsschule gestellt. Zu früh, zu unglücklich, aber nicht umsonst – das war Tenor in der Diskussion.
Viele im Ausschuss unter Vorsitz von Manuela Mahlke-Göhring (SPD) glauben, dass in Zukunft auch immer mehr Grundschulen in den Ganztagsbetrieb gehen. Die Erfahrung zeigt: zunächst eher mit offenem (freiwilligen) Angebot, später in der teilgebundenen Form mit verpflichtendem Unterricht an zwei langen Tagen. Weil Eltern die Erfahrung machen, dass die Kinder dort ganz gut versorgt sind. Oldendorfs Bürgermeister Johann Schlichtmann (FWG) sprach von einem guten Vorstoß aus Hammah: „Wir sind in der Samtgemeinde alle gefordert und müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen.“
Der Antrag der Gemeinde Hammah war ohne Rücksprache mit der Schule gestellt worden. Und die steckt gerade mitten im Umbruch, weil Rektorin Karin Reetz und ihre Vertreterin Ries zum Schuljahresende in den Ruhestand gehen. Kein günstiger Zeitpunkt, das musste auch Hammahs Bürgermeister Rainer Jürgens (CDU) kleinlaut zugeben. Das habe man nicht bedacht. Karin Reetz berichtete, dass das Kollegium einen Ganztagsbetrieb durchaus positiv sehe, aber dann brauche man viel Vorlauf für das Konzept, einen Konsens aller Beteiligten und die räumlichen Voraussetzungen. „Kinder müssen essen und sie müssen sich ausruhen.“
Genau darum sei es der Gemeinde Hammah gegangen, entgegnete Jürgens. Man brauche Konzepte und wolle nicht warten, bis man von der Entwicklung überrollt werde. „Das haben wir schon bei Krippen-, Kindergarten- und Hortplätzen erlebt.“ Jürgens zeigte sich enttäuscht, dass nur knapp 40 Prozent der befragten Eltern bei der anonymisierten Fragebogenaktion antworteten. „Das Desinteresse ist nicht nachzuvollziehen.“
Doch die Schulleiter im Ausschuss fanden es nachvollziehbar, dass für junge Eltern mit kleinen Kindern das Thema noch nicht wirklich zentral ist. Gefragt worden waren vier Jahrgänge. Die 40 Prozent der Befragten, die teilnahmen, sprachen sich deutlich gegen eine teilgebundene Ganztagsschule mit verpflichtenden Tagen aus. Allerdings gab es gerade für das Schuljahr 2017/18 ein deutliches Pro für eine offene Ganztagsschule.
Wie ein solcher Ganztagsbetrieb funktioniert, möchte sich der Schulausschuss der Samtgemeinde erzählen lassen. Auf Vorschlag von Martin Knoop wird die Verwaltung Vertreter solch einer Schule (wahrscheinlich aus Stade) einladen.