Endgültiger Abschied vom „7. Stock“
Links: Er gibt seit acht Jahren in der Psychiatrie den Ton an: Professor Martin Huber, ein Regensburger, der über das Uni-Klinikum Marburg nach Stade kam und in Marburg noch einen Lehrauftrag hat. Rechts: Die neue Psychiatrie am Elbe Klinikum Stade – ein elf Millionen teurer Neubau mit vier Geschossen. Fotos Stephan
Potenzielle Patienten der Psychiatrie können sich freuen: Ab Dienstag werden sie im Elbe Klinikum in einer völlig neuen Klinik behandelt. Elf Millionen Euro hat das neue Gebäude gekostet, in dem mehr Komfort und Therapie möglich ist.
Bisher war die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Elbe Klinikum Stade auf zwei Standorte verteilt, im Volksmund war der „7. Stock“ das geflügelte Wort für Psycho-Patienten in der Region. Auch das ist jetzt Geschichte, denn die geschlossene Abteilung liegt im Neubau im Erdgeschoss. Darüber befinden sich drei weitere Geschosse, in denen jeweils 22 Betten vorhanden sind, in Zimmern unterschiedlicher Größe. „In der Regel mit ein, zwei und drei Betten“, sagt Professor Martin Huber, der die Klinik seit acht Jahren führt. Bisher waren die Zimmer auf den Stationen der Psychiatrie zum größten Teil Vier-Bett-Zimmer, die meisten ohne eigene Toiletten- und Waschräume.
Die Belegung mit drei Patienten sei künftig eher die Ausnahme, im Einzelfall aber therapeutisch notwendig, sagt der Mediziner, dessen Patienten eine hohe Verweildauer in der Klinik haben – im Durchschnitt 24 Tage.
Die Hauptkrankheiten in der stationären Abteilung und der angeschlossenen Tagesklinik mit 23 Betten sind Depressionen in allen Varianten, Angsterkrankungen, Schizophrenie und Alkoholsucht. Unter den 1200 stationären Patienten im Jahr 2015 waren 330 Alkoholabhängige, die so therapiert werden, dass sie nach durchschnittlich 21 Tagen weitgehend clean die Klinik verlassen können. Auch ein wichtiger Wert: Ein bis zwei Patienten kommen wöchentlich mit Suizidgefahr in die Klinik – oder eben nach einem Suizidversuch.
Mehr Betten, bessere Therapiemöglichkeiten und mehr Komfort – das sind für Klinikchef Siegfried Ristau die wesentlichen Neuerungen. Durch die Gewinnung von weiteren Bettenkapazitäten bestehen für die medizinische Versorgung mehr Differenzierungsmöglichkeiten und eine bessere Akut- und Notfallversorgung, sagt Professor Huber, der ein Team von rund 80 Beschäftigten leitet, darunter sind mehr als ein Drittel Ärzte und Psychologen.
Zusätzlich würden durch die neuen Räume die Therapieangebote im Bereich der Ergotherapie, Psychotherapie, Musiktherapie und Physiotherapie weiter verbessert. Unter anderem gibt es eine Kreativwerkstatt, eine Therapieküche und eine eigene Holzwerkstatt. Im Sommer wird dann an dem Gebäude noch ein geschützter Patientengarten angelegt. Die nach dem Auszug freien Räumlichkeiten im 7. Stock werden von der Unfallchirurgie und der Urologie übernommen.
Die neuen Räumlichkeiten der Psychiatrie werden am Dienstag erstmals voll genutzt, die derzeit über 70 stationären Patienten werden dann umziehen. Derzeit ist die Abteilung zu 100 Prozent ausgelastet, im vergangenen Jahr waren es sogar 106 Prozent, was für Siegfried Ristau der Beleg für die exzellente Qualität der Klinik ist. Trotz der hohen Auslastung könne das Krankenhaus den gesetzlich geforderten „Pflichtversorgungsauftrag“ erfüllen. Das heißt: Wer aus dem Landkreis Stade eingewiesen wird, bekommt garantiert ein Bett.
Das wird unter anderem behandelt:
Reaktionen auf akute Belastungen und Anpassungsstörungen
Stimmungserkrankungen wie Depressionen und bipolare Störungen
Psychotische Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Gedächtnisstörungen und alle Formen der Demenzen
Abhängigkeitserkrankungen, insbesondere Alkoholabhängigkeiten
Angst- und Zwangserkrankungen
Psychische Beschwerden bei körperlichen Erkrankungen
Chronische Schmerzen mit psychischer Beteiligung
Letzte Vorbereitungen in einem Patientenzimmer : Martin Huber, Siegfried Ristau, Bauprojektleiter Weber und Mitarbeiter Udo Ohm.
Sieht nicht nach Klinik aus: einer der Aufenthaltsräume .
Das gibt es nur in der Psychiatrie: ein Raucherraum .