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Buxtehude

TEndgültiges Aus für Immenbecks Golfclub – Was jetzt mit dem Gelände geschieht

Schluss nach 40 Jahren: 330 Golfer werden in Immenbeck Ende nächsten Jahres ihre sportliche Heimat verlieren. Foto: dpa

Schluss nach 40 Jahren: 330 Golfer werden in Immenbeck Ende nächsten Jahres ihre sportliche Heimat verlieren. Foto: dpa

Es gibt kein Zurück mehr: Der Golfclub Immenbeck ist am 1. Januar 2025 Geschichte. Grundeigentümer Moritz Bartmer hat vor den Mitgliedern noch einmal klar gemacht, dass es für Golf auf dem Gutsgelände keine Zukunft gibt. Das sind die Gründe.

Von Karsten Wisser Freitag, 18.08.2023, 06:00 Uhr

In Zukunft soll ein Teil der 35 Hektar Golfplätze-Fläche ökologische Ausgleichsfläche für den Neubau der Bundesstraße 3 neu als Ortsumgehung Ovelgönne / Ketzendorf und Elstorf / Schwiederstorf werden. Der Bund hat Flächen bei Moritz Bartmer nachgefragt. Die Straße wird aktuell geplant und soll 2028 fertig sein. „Es geht dabei um rund ein Drittel der Golfplatz-Fläche“, sagt Bartmer gegenüber dem TAGEBLATT.

Natur holt sich den Golfplatz zurück

Ein weiterer Teil des Geländes sei früher Teil des Gutsparks gewesen und solle wieder aufgeforstet werden, so Moritz Bartmer. Für ein Reststück des Platzes gibt es noch keine abschließenden Pläne. Moritz Bartmer hat sich in den vergangenen Jahren auf den Anbau von Braugerste und Mälzvorgang bis hin zum Bier im Glas spezialisiert. Auf dem Gutshof in Immenbeck gibt es die Landbrauerei Hacker, die mit der zur Malze verarbeiten Gerste aus Immenbeck Bier braut.

Ein Bebauungsplan von 1983 regelt die Nutzungsmöglichkeiten. Die Fläche ist als private Grünfläche für eine Golfplatzanlage ausgewiesen. Jede andere Art von Nutzung jenseits von Land- und Forstwirtschaft würde ein längeres Verfahren nach sich ziehen. Noch nicht abschließend entschieden ist, was mit dem Gutshaus passieren soll. Es ist denkmalgeschützt. Möglich sind laut Moritz Bartmer Wohnungen oder eine gastronomische Nutzung.

Zweifel an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit

Wie berichtet wurde der Vertrag zwischen Gutsverwaltung Immenbeck GmbH und dem Golfclub am 17. Juli 2023 fristgerecht gekündigt. Der Vorstand des Vereins war kurz vorher mündlich über die anstehende Kündigung informiert worden. Damit endet das Pachtverhältnis zum 31. Dezember 2024. Die Golfspieler reagierten auf diese harte Entscheidung geschockt und überrascht. Moritz Bartmer beendet das Golfspiel auf dem Gut Immenbeck, weil er Zweifel an der langfristigen wirtschaftlichen Stabilität des Golfclubs hat.

Das denkmalgeschützte Gutshaus in Immenbeck soll saniert werden. Foto: Jan Iso Jürgens

Das denkmalgeschützte Gutshaus in Immenbeck soll saniert werden. Foto: Jan Iso Jürgens

Die Probleme hatten sich schon abgezeichnet. Der Golfclub nutzt das Immenbecker Gutshaus als Vereinshaus. Dieses und die gesamte Infrastruktur ist laut Verein „stark sanierungsbedürftig“. Der Verein hätte deshalb ein eigenes Vereinshaus bauen müssen. Die Finanzierung eines solchen Projekts wäre nur mit einem langfristigen Pachtvertrag möglich gewesen. „Außerdem bauen wir auch kein neues Clubhaus für nur fünf Jahre“, sagt Kai Simon, Vorsitzender des Immenbecker Golfclubs. Zuletzt ist der Pachtvertrag 2019 um fünf Jahre verlängert worden.

Moritz Bartmer hat aufgrund der im Vergleich zu anderen Vereinen geringen Mitgliederzahl Bedenken, dass der Club die Doppelbelastung Pacht und Clubhaus-Finanzierung tragen könne. Hinzu komme das demografische Problem: Aus Bartmers Sicht ist der Verein überaltert. Immenbeck ist im Hamburger Golfverband mit rund 330 Mitgliedern der kleinste Verein. Aber: Der Mitgliederstand ist für Immenbeck ein Rekord und laut Vorstand gebe es auch keine finanziellen Probleme. „Wir haben in den letzten 15 Jahren die Pacht immer pünktlich bezahlt“, sagt Simon als Vorsitzender des Golfclubs.

Golfer wollen 2024 noch voll nutzen

„Unser gemeinsames Ziel ist es, noch eine abschließende Saison 2024 im Jahr unseres 40-jährigen Jubiläums zu spielen. Wir hoffen, dass möglichst viele Mitglieder diesen Weg mit uns gehen werden“, so Kai Simon. Ein vorzeitiges Ende sei im Moment nicht geplant und auch nicht vorstellbar.

Was bedeutet das nun für die Mitglieder des Golfclubs Gut Immenbeck? Dem Golfclub fehlen ab 2025 der Golfplatz und das Clubhaus. Der Spielbetrieb muss eingestellt werden. Der Golfclub kann deshalb ab 2025 kein Mitglied im Deutschen Golf Verband (DVG) mehr sein. Immenbecker Mitglieder, die weiterspielen wollen und dafür einen DVG-Ausweis benötigen, müssen in einen anderen Verein eintreten.

Nach dem Aus von Immenbeck gibt es im Landkreis Stade nur noch zwei Golfplätze. Das sind der benachbarte Golfclub Buxtehude in Daensen und der Golfclub Deinster Geest in Deinste. Beide Clubs haben 18-Löcher-Anlagen und sind damit größer als Immenbeck mit seiner 9-Löcher-Anlage. In Deinste spielen 630 Menschen Golf, in Buxtehude sind es über 700. „Wir haben Aufnahmekapazitäten“, sagt Björn Muschinsky, Geschäftsführer in Daensen. Obergrenzen zu nennen, sei aber schwierig, weil die Golfspielenden sehr unterschiedlich oft auf der Anlage unterwegs seien. Von mehreren Runden im Jahr bis zu fast täglichem Spielen sei alles möglich. Aus Deinste gibt es die gleichen Signale. „Wir können heute Mitglieder aufnehmen“, sagt Präsident Reiner Beckmann.

Deinste wirbt um neue Mitglieder

Passend dazu gibt es in Deinste am Sonnabend, 26. August, einen gemeinsamen Tag der offenen Tür. Golf Club, Restaurant Eysten, Golfschule und Hotel hatten dies aber schon lange vor dem Bekanntwerden der schlechten Nachrichten für die Immenbecker Golfer geplant.

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