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Innere Verletzungen

TNach brutalem Raub: Der tragische Tod des Kellners Kosta Fasulas

Gutes Team, gute Freunde: Kim-Eileen Kristall hat dieses Bild mit ihrem Kollegen Kosta Fasulas im Restaurant Olympisches Feuer auf Facebook gepostet. Zum Gedenken. Hunderte erschütterte Kommentare zeigen, wie beliebt der Grieche war.

Gutes Team, gute Freunde: Kim-Eileen Kristall hat dieses Bild mit ihrem Kollegen Kosta Fasulas im Restaurant Olympisches Feuer auf Facebook gepostet. Zum Gedenken. Hunderte erschütterte Kommentare zeigen, wie beliebt der Grieche war. Foto: privat

Rosen. Kerze. Eine Madonnen-Ikone. Die Tür zum „Olympischen Feuer“ gleicht einem kleinen Altar. Das Restaurant hat zu. Aber die Gäste trauern um Kosta Fasulas. Ikone war der Kellner keine, aber stadtbekannt. Sein Kollege fand ihn am Karsamstag - tot.

Von Susanne Schwan Mittwoch, 03.04.2024, 08:03 Uhr

Bremerhaven. Weiß wie die Wand steht er an der fauchenden Espressomaschine, füllt Tassen. Die Arbeit hilft Tiba - der es beim Vornamen belassen möchte -, die Bilder in Kopf und Herz zu verarbeiten.

Bilder, die ihn seit Karsamstag verfolgen. Seit er gegen 14 Uhr wieder einmal die Wohnungstür seines Kollegen und Freundes Kosta aufschloss - und ihn in einer Blutlache im Bett fand. Leblos. „Ich habe sofort den Notruf alarmiert. Ich wollte Kosta etwas zu essen bringen, wie wir das die ganze Zeit gemacht haben, und ihm zureden, etwas zu sich zu nehmen, er wollte nichts“, erzählt der 44-Jährige am Dienstagmittag im Bremerhavener Bistro „Alexis“.

Hier und im Haupthaus, dem griechischen Restaurant gegenüber, arbeitet der Italiener seit sechs Jahren. Ist Teil der Alexis-Vaiou-Team-Familie - die zur Ersatz-Familie des Kollegen Kosta geworden ist.

Kosta Fasulas liebte alles, was mit Polizeiausstattung zu tun hat - er sammelte Mützen, Sterne, sogar Handschellen.

Kosta Fasulas liebte alles, was mit Polizeiausstattung zu tun hat - er sammelte Mützen, Sterne, sogar Handschellen. Foto: Privat

Denn Kosta Fasulas, so rundet sich das Bild des 60-Jährigen in Gesprächen mit den Freunden, war hinter der heiteren, gesprächigen Fassade gegenüber den Gästen ein zutiefst einsamer Mensch. „Ein lieber, freundlicher und auch komplizierter Mensch, etwas verrückt, und sehr starrköpfig“, betont sein langjähriger Chef Alexis Vaiou am Dienstag. Telefonisch, von Hamburg aus. Die Fassungslosigkeit schnürt dem Gastronomen immer wieder die Kehle zu - wie seinem Mitarbeiter Tiba im Bistro in Bremerhaven auch.

„Kosta ist bei dem Raubüberfall im Februar regelrecht gefoltert worden, das hat er uns erzählt, sodass seine inneren Verletzungen ihn jetzt wohl umgebracht haben“, so erklären sich Vaiou und sein Team den Tod des Kollegen am Osterwochenende, der jetzt in den sozialen Medien mit Hunderten entsetzter Posts und Beileidsbekundungen kommentiert wird.

Er war verrückt nach Polizei-Accessoires

Die große Betroffenheit und die Anteilnahme zeigen, wie bekannt und auch beliebt der gesellige, freundliche Kellner in ganz Bremerhaven war.

Stammgäste kennen ihn mit der Hemdtasche voller Kugelschreiber, einem schwarzen Zylinder voller Eis am Stiel herumreichend, die Hände voller Ouzo-Gläser, einem charmanten Zwinkern für die Damen und dem nie nachgebenden „Noch einen Ouzo?“.

Alexis Vaiou muss schmunzeln. „Er war übrigens verrückt nach Polizei-Zubehör, hat jeden Polizisten um etwas gebeten, er sammelte Polizeisterne, Mützen, Handschellen, Taschenlampen.“

Die Geselligkeit, erzählt der Gastronom, war Kosta Fasulas Leben in der Hafenstadt, in die es ihn vor rund 27 Jahren aus Stuttgart hochgespült hatte. Ein Leben, das von zu viel Alkoholkonsum immer wieder aus der Bahn geworfen worden war.

Gastronom Alexis Vaiou führt das „Olympisches Feuer“ in der Hafenstraße in Bremerhaven.

Gastronom Alexis Vaiou führt das „Olympisches Feuer“ in der Hafenstraße in Bremerhaven. Foto: Hartmann

„Kosta stammte aus Stuttgart. Er arbeitete erst im ‚Delphi‘, bis mein Vater ihn vor 24 Jahren in unser Restaurant holte, unsere Familien stammen beide ursprünglich aus Naoussa.“ Immer wieder habe es aber Zoff, Ermahnungen wegen des Trinkens gegeben, „auch mit meiner Mutter. Die beiden waren manchmal wie Hund und Katze, aber er gehörte zu unserer Familie, meine Mutter ist erschüttert und tief traurig. Keiner versteht, warum Kosta so brutal überfallen worden ist“, sagt Vaiou.

Sicher sei Kosta Fasulas nach Feierabend im Restaurant am 18. Februar noch in seiner Stammkneipe „Schabernack“ gelandet, vermutet der Gastronom. Am frühen Morgen, auf dem Heimweg, ist der Kellner von einer Gruppe junger Männer überfallen, zusammengeschlagen, ausgeraubt worden.

Die Polizei hat inzwischen mehrere Tatverdächtige festgenommen und ermittelt die Umstände dieser Tat. Von der sich der 60-Jährige nicht wieder erholt hat.

Sein Verhältnis zur Familie ist zerrüttet

Nach der Entlassung aus dem Klinikum in Reinkenheide blieb er zu Hause, reihum kümmerten sich seine Kollegen um ihn. Der Kontakt zu seiner eigenen Familie in Stuttgart und dem Vater in Griechenland sei seit Jahren komplett abgebrochen - zerrüttet, so beschreibt es Alexis Vaiou.

Nach dem tragischen Tod des stadtbekannten Bremerhavener Kellners Kosta Fasulas geben Gäste Blumen, Kerzen, sogar eine Madonna und ein Glas Ouzo am „Olympischen Feuer“ an der Hafenstraße ab.

Nach dem tragischen Tod des stadtbekannten Bremerhavener Kellners Kosta Fasulas geben Gäste Blumen, Kerzen, sogar eine Madonna und ein Glas Ouzo am „Olympischen Feuer“ an der Hafenstraße ab. Foto: Schwan

„Ich habe ihm auch etwas vorbeigebracht, so ein hilfsbereiter, netter Kollege“, erzählt Christopher Wieringa. Paffend, sehr blass, steht der 29-Jährige nun im Restaurant-Eingang vor der Gedenk-Ecke, stellt die umgekippte Madonna wieder auf. „Wir haben vier Jahre gut zusammengearbeitet. Ich bin sprachlos.“

In den letzten Tagen habe Kosta nichts mehr zu sich nehmen wollen, „er hatte wohl große Schmerzen“, sagt sein Kollege Tiba im Bistro gegenüber. Daher hat er vor Ostern noch den Notarzt angerufen, „Kosta hat sich aber geweigert, ins Krankenhaus zu fahren.“

Karsamstagmittag hat er Kosta Fasulas tot in der Wohnung gefunden. Für den 44-Jährigen hatte dieses Osterfest nichts Helles, Hoffnungsvolles. Am Ostermontag erhielt er auch noch die Nachricht, dass sein Schwiegervater in Italien gestorben ist.

Die griechische Gastronomie-Szene in Bremerhaven halte nun fest zusammen, beschreibt Vaiou. „Alle rufen mich an, wir alle werfen zusammen, damit Kosta nicht anonym bestattet wird, sondern eine würdige christlich-orthodoxe, griechische Beerdigung bekommt.“

Nach dem tragischen Tod seines Kollegen Kosta am Karsamstag zieht es auch Christopher Wieringa am freien Tag zum „Olympischen Feuer" an der Bremerhavener Hafenstraße - berührt von den Andenken, die Gäste für den stadtbekannten Griechen dort ablegen.

Nach dem tragischen Tod seines Kollegen Kosta am Karsamstag zieht es auch Christopher Wieringa am freien Tag zum „Olympischen Feuer" an der Bremerhavener Hafenstraße - berührt von den Andenken, die Gäste für den stadtbekannten Griechen dort ablegen. Foto: Schwan

Gutes Team, gute Freunde: Kim-Eileen Kristall hat dieses Bild mit ihrem Kollegen Kosta Fasulas im Restaurant Olympisches Feuer auf Facebook gepostet. Zum Gedenken. Hunderte erschütterte Kommentare zeigen, wie beliebt der Grieche war.

Gutes Team, gute Freunde: Kim-Eileen Kristall hat dieses Bild mit ihrem Kollegen Kosta Fasulas im Restaurant Olympisches Feuer auf Facebook gepostet. Zum Gedenken. Hunderte erschütterte Kommentare zeigen, wie beliebt der Grieche war. Foto: privat

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