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Erntezeit im „Kehdinger Appelhoff“

Die fleißigen Pflücker Willi Wist, Heike Pehlke, Gerhard Klefke, Uve Engelhardt, Dieter Meyer, Hans-Wilhelm Bösch, Helmut Licht und Ewald Meyer (von links) vom Verein „Kehdinger Appelhoff“. Fotos Umland

Die fleißigen Pflücker Willi Wist, Heike Pehlke, Gerhard Klefke, Uve Engelhardt, Dieter Meyer, Hans-Wilhelm Bösch, Helmut Licht und Ewald Meyer (von links) vom Verein „Kehdinger Appelhoff“. Fotos Umland

Vor fast 20 Jahren pflanzte Eckart Brand auf Krautsand mehr als 100 Hochstamm-Apfelbäume, alles alte Sorten. Heute kann der Drochterser Verein „Kehdinger Appelhoff“ eine satte Ernte einfahren.

Von Silke Umland Donnerstag, 04.10.2018, 11:01 Uhr

Hoch oben im Apfelbaum mit den rotleuchtenden „Juwelen aus Kirchweder“ steht Uve Engelhardt aus Drochtersen auf der Leiter und pflückt die leckeren Äpfel. Einige Bäume weiter sammeln Heike Pehlke und Helmut Licht den kleinen „Purpurroten Cousinot“, während Dieter Meyer die volle Pflückerschürze mit dem „Gelben Richard“ in eine Apfelkiste schüttet.

Mit Beginn der Erntezeit haben die Mitglieder des Vereins „Kehdinger Appelhoff“ die Möglichkeit, alte Apfelsorten für den eigenen Gebrauch zu pflücken. Und auch für den am Sonntag, 7. Oktober in Drochtersen stattfindenden Kehdinger Apfeltag wird derzeit fleißig gesammelt.

Der ehrenamtlich geführte Obsthof auf Krautsand entstand vor 18 Jahren, nachdem Obstbauer Eckart Brandt aus Großenwörden den vom TAGEBLATT und der Kreissparkasse Stade ausgeschriebenen Ideenwettbewerb „Bürger gestalten die Zukunft“ gewann. Sein „Boomgarden Projekt“ hat bis heute das Ziel, alte Obstsorten und die genetische Vielfalt zu erhalten. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern des 1999 gegründeten „Kehdinger Appelhoffs“ pflanzte Brandt damals auf der Halbinsel über 100 Hochstamm-Apfelbäume. Mehr als 70 alte Sorten mit Namen wie „Ruhm von Vierlanden“, „Moorroter“ oder „Schmalzprinz“ haben seitdem ein Zuhause auf Krautsand. „Der Erhalt der alten Apfelsorten, die es im Laden nicht mehr gibt, war für mich der Grund, dem Verein beizutreten“, erinnert sich Helmut Licht, der zu dem harten Kern des Vereins gehört, die seit vielen Jahren im „Appelhoff“ aktiv sind. Nachdem die jungen Apfelbäume einige Jahre zum „akklimatisieren“ brauchten, können seit etwa 14 Jahren knackige und gut aussehende Äpfel in den unterschiedlichsten Farben geerntet werden.

Heike Pehlke freut sich auf leckeren Apfelkuchen, den sie auch aus dem „Purpurroten Cousinot“ backt.

„Neben Äpfeln haben wir hier aber auch Birnen, Pflaumen, Zwetschgen und Kirschen“, erklärt Dieter Meyer. Der Vereinsmitbegründer und Kassenwart erzählt weiter: „Meine Frau macht aus den Äpfeln Saft, Pfannkuchen und Marmelade.“ Auch Heike Pehlke, die mit ihrem Eintritt vor einigen Wochen die „Frauenquote anhob“, wie Hans-Wilhelm Bösch mit einem Augenzwinkern berichtet, freut sich auf die Zubereitung leckerer Apfelspeisen. „Es ist doch gut, zu wissen, dass mein Enkel Äpfel zu essen bekommt, die nicht gespritzt werden“, erklärt die Drochterserin, die gerne einen Apfelkuchen backt oder Milchreis mit selbst gemachtem Apfelmus isst. „Für einen Jahresbeitrag von gerade einmal 25 Euro dürfen Mitglieder so viel Obst ernten, wie sie für den eigenen Verbrauch benötigen“, beschreibt Hans-Wilhelm Bösch das Prinzip des Vereins, der immer gerne neue Mitglieder aufnimmt.

Da oft nicht alle Äpfel von den Mitgliedern genutzt werden, spendet der Verein mit Beginn der Erntezeit jede Woche mehrere Kisten an die Tafel in Drochtersen oder gibt Fallobst an einen Mostbetrieb weiter. Der Verein kümmert sich auch um die Pflege des riesigen Hochstamm-Apfelhofes. Jedes Jahr sind Ausschneidearbeiten an den Bäumen erforderlich und das Gras muss mehrmals gemäht werden.

Langsam entwickelt sich der Hof auch zu einer Touristenattraktion. „Neulich haben wir gerade wieder eine Gruppe aus Hamburg durch den Hof geführt, die total begeistert von den alten Sorten waren“, erzählt der erste Vorsitzende. Um ihre Arbeit zu repräsentieren, sind die Mitglieder des „Kehdinger Appelhoffs“ jedes Jahr auf dem Kehdinger Apfeltag in Drochtersen zu finden, der am kommenden Wochenende wieder gefeiert wird (siehe Text unten). Dort stehen sie gerne Rede und Antwort und pressen vor den Augen der Besucher den Saft aus den Äpfeln, der natürlich auch probiert werden darf. „Frischeren Apfelsaft gibt es nicht“, erklärt der erste Vorsitzende Hans-Wilhelm Bösch.

Wer weitere Informationen zum „Kehdinger Appelhoff“ haben möchte, kann Kontakt zu Hans-Wilhelm Bösch, unter 0 41 48 / 15 84, Georg von Borstel, unter 0 41 43 / 61 10, oder Dieter Meyer, unter 0 41 43 / 74 00, aufnehmen.

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