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Erstarrungswärme sichert Ernte

Die Altländer Obstbauern setzen auf das Wärme-durch-Kälte-Prinzip. Die Erstarrungswärme und nicht der Eispanzer schützen die Blüte . Foto Vasel

Die Altländer Obstbauern setzen auf das Wärme-durch-Kälte-Prinzip. Die Erstarrungswärme und nicht der Eispanzer schützen die Blüte . Foto Vasel

Die Obstbauern an der Niederelbe haben in der Nacht zu Montag das erste Mal in diesem Jahr großflächig insbesondere in der Nähe der Autobahn 26 (Stichwort Kälteseen) in ihren Obstplantagen die Frostschutzberegnungsanlagen laufen lassen.

Von Björn Vasel Montag, 01.04.2019, 19:07 Uhr

Die Obstbauern an der Niederelbe haben in der Nacht zu Montag das erste Mal in diesem Mehr als 80 Prozent der Apfelplantagen verfügen über diesen Schutz – ein großer Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen deutschen und europäischen Anbaugebieten.

Das Obstbauzentrum Esteburg in Jork-Moorende rechnet mit dem Aufblühen der Kirsche „um den 15. April“, beim Apfel könnte es (abhängig von der weiteren Witterung) „um den 20. April“ soweit sein. Gegenwärtig blühen die ersten Aprikosenblüten, beim Apfel befindet sich die Blüte beispielsweise beim Boskoop im Stadium „Grüne Knospe“. Das sei ähnlich wie bei der Süßkirsche Regina „drei Tage früher als im jährlichen Durchschnitt“, sagt der stellvertretende Leiter des Obstbauzentrums Esteburg, Dr. Matthias Görgens.

Die Empfindlichkeitsschwelle liegt in diesem Stadium bei etwa minus vier Grad Celsius, in Richtung Vollblüte sinkt dieser Wert. Abhängig von Stadium und Temperatur starten die Pumpen. 35 Kubikmeter Wasser pro Hektar und Stunde werden im Frühjahr im Schnitt in einer Frostnacht zur Sicherung der Apfelernte an der Niederelbe benötigt. Warum: Die Blüte muss vor Frostschäden geschützt werden, aus dieser entwickelt sich nach der Befruchtung und nach dem Abfallen der Blütenblätter der Apfel. Das Fruchtfleisch ist der verdickte Blütenboden der Ursprungsblüte.

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Das Prinzip kurz erklärt: Durch das ununterbrochene Besprühen mit sauberem, salz- und eisenarmem Wasser wächst in den Nächten mit polarer Kaltluft oder Strahlungsfrösten ein Eispanzer um die Knospen und die Blüten. Dadurch entsteht die schützende Erstarrungswärme. Das entspricht einem Verbrauch von rund drei Millionen Kubikmeter Wasser im gesamten Gebiet. Deshalb sind die mehr als 650 Beregnungsteiche und die Gräben und Wettern jetzt gut mit Wasser gefüllt, um den Frostschutz über mehrere Nächte gewährleisten zu können.

Übrigens: Im Jahr 2014 mussten die Frostschutzberegnungsanlagen bereits Mitte März in Gang gesetzt werden, bislang der früheste Zeitpunkt, so Görgens. Klimawandelbedingt blüht das Obst immer früher, die Spätfrostgefahr steigt. Im Vergleich zu 1976 blüht der Apfel im Schnitt bis zu drei Wochen früher.

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