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Famila in Neu Wulmstorf: Jetzt wird es ernst

Famila – hier der neue Markt vor den Toren der Stadt Buchholz – bleibt in Neu Wulmstorf umstritten. Foto Michaelis

Famila – hier der neue Markt vor den Toren der Stadt Buchholz – bleibt in Neu Wulmstorf umstritten. Foto Michaelis

Der Gemeinderat hat die Pläne für das SB-Warenhaus auf dem Ex-Meyn-Gelände an der B 73 jetzt abgesegnet. Nun will die Politik abwarten, was die Öffentlichkeit und die Nachbarn Buxtehude und Hamburg zu dem großflächigen Einzelhandelsvorhaben sagen.

Von Claudia Michaelis Freitag, 29.04.2016, 13:40 Uhr

Auch die CDU, die das Vorhaben inhaltlich ablehnt, weil sie die Ansiedlung des Marktes auf dem Meyn-Gelände außerhalb des unmittelbaren Ortskerns für schädlich für die Geschäfte in der Bahnhofstraße hält, trägt das Planverfahren inzwischen geschlossen mit. Nur zwei Grüne und der Linke Wolfgang Klein stimmten am Donnerstagabend konsequent gegen die Weiterführung des Verfahrens. Grünen-Fraktionschef Joachim Franke hält die ganze Planung für falsch, Klein ist sicher, dass Famila die Geschäftsstruktur in der Bahnhofstraße zerstören wird und Neu Wulmstorf den Markt nicht braucht: „Famila bietet nichts, was wir nicht schon haben.“

Warum die CDU die weitere Planung nun doch mitträgt, obwohl sie inhaltlich dagegen ist und das Vorhaben sowieso rechtlich für nicht durchsetzbar hält, erklärt CDU-Fraktionschef Malte Kanebley so: Die Informationen, die im Laufe des Verfahrens eingeholt würden, wolle auch die CDU haben, um sich am Ende eine fundierte Meinung für den endgültigen Beschluss bilden zu können. Im nächsten Verfahrensschritt wird Neu Wulmstorf nun genau erfahren, was die Behörden, die Träger öffentlicher Belange und die Nachbarn Buxtehude und Hamburg bei der nun anstehenden frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit zu der großflächigen Einzelhandelsansiedlung im Grundzentrum Neu Wulmstorf zu sagen haben.

Pikant am Rande: Offenkundig um das Projekt genehmigungsfähiger zu machen, betreibt die Gemeinde auf Anraten des Landkreises gleich noch ein wenig sprachliche Kosmetik: Das Vorhaben wird in den offiziellen Planpapieren jetzt von „Einkaufszentrum“ in „großflächiger Einzelhandel“ umgetauft, und aus dem bisherigen „Verbrauchermarkt“ wird ein „Lebensmittelverbrauchermarkt mit arrondierenden Nebenbetrieben.“

Der „großflächige Einzelhandel“ auf der 1,8 Hektar großen Meyn-Fläche soll nun insgesamt 3200 Quadratmeter groß werden, davon darf der „Hauptbetrieb“, also Famila, 2800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, ein Getränkemarkt 330 Quadratmeter, ein Blumenladen und ein Bäcker je 35 Quadratmeter sowie Gastronomie oder Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe insgesamt bis zu 250 Quadratmeter.

Für SPD-Chef Thomas Grambow stellt sich das Vorhaben, das SPD, FDP und UWG befürworten, mit Blick auf die Entwicklung Neu Wulmstorfs und das Näherrücken des großen Nachbarn Hamburg und dessen Pläne mit der Röttiger-Kaserne und dem direkt an Neu Wulmstorf angrenzenden geplanten Neubaugebiet Sandbek-West in einem viel weiteren Kontext dar. In ein paar Jahren werde Neu Wulmstorf eine Hauptstraße haben, in der niemand mehr merke, ob er schon in Neu Wulmstorf oder noch in Hamburg sei, prognostiziert Grambow: „Uns ist ziemlich egal, was Buxtehude darüber denkt. Wir müssen uns auseinandersetzen mit dem, was aus Richtung Hamburg auf uns zukommt.“

Lärm in Elstorf: Die Verwaltung wird sich zum Schutz der Anwohner bei den zuständigen Behörden dafür einsetzen, dass die Geschwindigkeit vor den Ortseingängen auf der Bundesstraße 3 auf Tempo 70, innerhalb Elstorfs auf Tempo 40 reduziert wird.

Baugebiet Mienenbüttel: Der Bebauungsplan für das neue kleine Misch- und Wohngebiet hinter dem Betrieb MMD Forst- und Gartentechnik an der B 3 in Mienenbüttel ist verabschiedet und rechtskräftig. In dem knapp einen Hektar großen Mischgebiet kann MMD-Chef Martin Meier-Dittrich seinen Betrieb erweitern, auf dem angrenzenden alten Hofgelände können in einem Wohngebiet (0,64 Hektar) Einzel- und Doppelhäuser auf 750 Quadratmeter großen Grundstücken entstehen.

Breitbandausbau: Die Gemeinde betreibt in Kooperation mit dem Kreis Harburg den weiteren Ausbau des schnellen Internets. Auch in Neu Wulmstorf gibt es noch immer weiße Flecken in der Versorgung (weniger als 30 Mbit/s), nicht nur in Rübke und Splittersiedlungen wie dem Tempelberg. Diese sollen schnellstmöglich beseitigt werden unter Nutzung der Mittel, die Bund und Land bis 2018 für den Breitbandausbau zur Verfügung stellen.

Vize-Ortsbrandmeister: Jan-Peter Prien ist zum stellvertretenden Ortsbrandmeister der Wehr Elstorf ernannt worden.

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