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Buxtehude

TFehlende Kita-Plätze: Wo sollen die vielen neuen Kinder hin?

Im Neubaugebiet Giselbertstraße wird mit hohem Tempo gebaut. Die ersten Bewohner sollen im März 2022 einziehen. Foto: Wisser

Im Neubaugebiet Giselbertstraße wird mit hohem Tempo gebaut. Die ersten Bewohner sollen im März 2022 einziehen. Foto: Wisser

In Buxtehude fehlen Betreuungsplätze für Kinder. Nach neuen Zahlen stehen auf den Wartelisten 200 Namen – und das Problem wird durch das Wachstum der Stadt immer größer. Jetzt gibt es eine neue Entwicklung: Im Marktkauf-Gebäude sollen 80 Plätze entstehen.

Von Karsten Wisser Donnerstag, 23.09.2021, 06:00 Uhr

Große Unbekannte in der Rechnung, wie viele Kita-Plätze tatsächlich in Zukunft fehlen, war bisher Marktkauf. Es gibt seit drei Jahren Gespräche zwischen dem Eigentümer und der Stadt, dort in der Bahnhofstraße im ersten Stock Platz für Kita-Gruppen herzurichten. „Das mag für Buxtehude ungewöhnlich klingen, aber in Hamburg und anderen Städten sind solche Lösungen alltäglich“, sagt Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichardt. Das Außengelände würde zum Beispiel auf dem Parkdeck des Einkaufszentrums entstehen. Die Jugendamtsleiterin geht davon aus, dass dort 50 Elementar- und 30 Krippenplätze entstehen und ab Anfang 2023 genutzt werden können. „Die Lage ist ideal“, sagt sie. Berufstätige könnten die Kinder zum Beispiel auf dem Weg zum Bahnhof dort abgeben.

Suche nach möglichen Standorten

Die aktuelle Diskussion in der Politik um fehlende Kita-Plätze wurde durch einen Vorschlag der Grünen ausgelöst. Grünen-Ratsherr Ulrich Felgentreu wollte prüfen lassen, ob der jetzige Wohnmobilstellplatz auf dem Schützenplatz am Genslerweg als Fläche für einen zusätzlichen Neubau einer Kindertagesstätte genutzt werden könnte. Den beliebten Stellplatz für Wohnmobilisten wollte Felgentreu auf den Parkplatz neben der Festhalle in Richtung Gildestraße verlegen. Für den Vorschlag gab es von der Stadtverwaltung und der Politik allerdings keine Unterstützung. Allein die Verlegung würde 50 000 bis 100 000 Euro kosten und der Schützenplatz ist zudem Überschwemmungsgebiet. Die SPD rettete den grünen Vorschlag mit einer Modifikation. Jetzt soll sich die Stadtverwaltung nach einem gemeinsamen Votum von SPD, Grünen und BBG/FWG im zuständigen Stadtentwicklungsausschuss im ganzen Stadtgebiet auf die Suche nach möglichen Standorten begeben. Der Schützenplatz dürfte dabei aber keine Rolle spielen.

Kita Giselbertstraße soll 2024 fertig sein

Hinter dem Suchauftrag steckt die Sorgen vieler in der Politik, dass die Infrastruktur bei den Kindertagesstätten und den Schulen mit der Zahl der Neubürger nicht schnell genug mitwächst. Dafür ist das Neubaugebiet Giselbertstraße ein gutes Beispiel. Hier macht Bauherr HBI auf seinen Grundstücken Tempo. Der Rohbau wächst in die Höhe, die Besichtigungen laufen an. Die ersten Mieter, die HBI im Auftrag der Investoren sucht, werden am 1. März einziehen können.

In dem Neubaugebiet der Stadt soll eine neue Kita gebaut werden. Diese ist aber noch in der Planungsphase. Erst Anfang 2024 werden dort tatsächlich Kinder betreut werden können.

200 Betreuungsplätze fehlen

Dann sind aber die meisten der über 600 Buxtehuder Neubürger in der Giselbertstraße schon da und mit dem Orchideen-Quartier im Westmoor ein weiteres Projekt in vergleichbarer Größe in Umsetzung. Geschossbau und die jeweils 30 Prozent an preisgedämpften Wohnungen in beiden Gebieten werden dafür sorgen, dass dort viele Familien mit Kindern einziehen. Das trifft auf eine Situation, in der trotz eines gesetzlichen Betreuungsanspruchs 150 Elementar- und 50 Krippenplätze fehlen. Bis vor wenigen Tagen standen sogar 250 Kinder auf der Liste. Das Jugendamt konnte freie Plätze in der Kita Hansestraße und im Awo-Kindergarten „Inne Beek“ bereitstellen. Außerdem sollen in Neuland in einem bestehenden Gebäude 50 neue Plätze und 20 weitere in Hedendorf entstehen. Dort sollen Container hinter den Holzhäusern auf dem Waldsportplatz aufgestellt werden. Die Holzhäuser werden als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Wenn die sechszügig geplante Kita Giselbertstraße mit 130 Plätzen fertig ist, bringt das massiv Entlastung. „Ich gehe davon aus, dass wir dann alle Ansprüche der Kita-Plätze im Buxtehuder Norden und für die Neubaugebiete erfüllen können“, sagt Jugendamtsleiterin Lange-Reichardt.

„Das würde die Situation deutlich entlasten“, sagt auch Nick Freudenthal, auf die Marktkauflösung angesprochen. Der Ratsherr leitet seit vielen Jahren den zuständigen Jugendhilfeausschuss. Er versteht die jetzt von der Politik in Auftrag gegebene Kita-Standortsuche als Suche nach weiteren provisorischen Zwischenlösungen, die schnell Entlastung bringen sollen. „Ein provisorischer Kita-Platz ist besser als kein Kita-Platz“, sagt er.

Neue Kita in Ottensen?

Für eine dauerhafte neue Kita in Buxtehude könnte sich Nick Freudenthal den Buxtehuder Süden vorstellen. Und das passt zu einer Idee von Arnhild Biesenbach. Die CDU-Fraktionsvorsitzende hält ebenfalls einen Standort im Süden für geeignet. Sie geht davon aus, dass in Ottensen in den kommenden Jahren ein weiteres Neubaugebiet für Einfamilien- und Doppelhäuser – Ottensen 3 – ausgewiesen wird. Dort wäre auch ein guter Standort für eine neue Kita, so Arnhild Biesenbach.

Das sieht man in der Buxtehuder Stadtverwaltung auch so. Im Kita-Bedarfsplan ist vorgesehen, dass bei einer Umsetzung von Ottensen 3 dort als Ersatz für den derzeit zweizügigen Kindergarten in Ottensen eine neue, dann dreizügige Kita entstehen soll.

 

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