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Abwasserzweckverband schlägt Alarm

Feuchttücher verstopfen die Pumpen

Gernot Witte leidet unter dem Fluch der Feuchttücher. Er ist Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Altes Land und Geestrand. Und der hat ein Problem: Immer häufiger verstopfen schwere Feuchttücher-Zöpfe die Pumpen.

Von Björn Vasel Dienstag, 06.11.2018, 09:00 Uhr

Er warnt: Das gefährdet nicht nur die Entsorgungssicherheit, sondern könnte auch zu einer Erhöhung der Abwassergebühr führen.

Das Problem: Feuchttücher lösen sich in der 210 Kilometer langen Kanalisation nicht wie Toilettenpapier auf. Denn diese bestehen nicht aus Zellulose, sondern aus „einem reißfesten Vlies“, sagt der Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Altes Land und Geestrand (AZV), Gernot Witte. Die Feuchttücherfasern bestehen aus einem Polyester-ViskoseGemisch, damit sie nicht reißen, wenn beispielsweise der Babypo gesäubert wird. Hinzu kommt der hohe Feuchtigkeitsgehalt. In den Rohren der Schiet-Kanalisation verweben sich die Fasern durch die Verwirbelung zu schweren, langen, festen und stinkenden Zöpfen. „Diese verstopfen die Pumpen“, sagt Witte.

{picture1s} Das könne zum Rückstau führen. Beispiel: Allein von Moorende bis zum Klärwerk Wetterndorf muss der Schiet 13 Mal gepumpt werden; der Einbau von Pumpen mit Schneidwerken wäre teuer, sie seien noch nicht ausgereift. Das Problem würden sie nicht lösen. Die Fasern seien zäh. Die Anzahl der Störungen sei im letzten Jahr um zehn Prozent gestiegen. 125 Mal musste das Störungsteam tagsüber und nachts ausrücken und die Pumpen reinigen oder austauschen. 78 große Pumpwerke betreibt der AZV, hinzu kommen 950 Kleinpumpwerke. Mit dem Kran müssen die ‚verzopften‘ Pumpen aus den etwa zwei bis fünf Meter tiefen Schächten gezogen, repariert und gereinigt werden. Das koste Zeit und Geld. Geld der Gebührenzahler. Witte spricht von einigen 10 000 Euro im Jahr. Denn die Pumpen werden aufgrund der Feuchttücher-Schwemme bereits sechs Mal im Jahr gewartet, früher reichte ein Wartungstermin aus. Auch die Stadtentwässerung Buxtehude und die Abwasser-Entsorgung Stade leiden unter dem Fluch der Feuchttücher.

Dabei könnte alles so einfach sein, mahnt der Geschäftsführer, der die reibungslose Abwasserentsorgung von 33 514 Bürgern und der Betriebe in den Samtgemeinden Horneburg und Lühe sowie in der Einheitsgemeinde Jork mit Hamburg Wasser als Kooperationspartner sicherstellen muss. „Kosmetiktücher, Babyfeuchttücher, Reinigungs- und Wischtücher, feuchtes Toilettenpapier gehören einfach in den Hausmüll“, sagt Witte. Anderslautende Hinweise auf vielen Verpackungen seien falsch.

Und laut Satzung könnte das Hinunterspülen der Feuchttücher sogar eine Ordnungswidrigkeit darstellen – falls der Verursacher ausfindig gemacht wird. Letztlich sollten alle das Interesse haben, dass die Gebühren nicht steigen.

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