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Fitness boomt in Stade und Buxtehude

Mehr als zehn Millionen Deutsche sind in Fitnessstudios angemeldet – das ist europäische Spitze. Da liegt der Landkreis im Trend: Stade und Buxtehude haben je drei große Kettenstudios, dazu viele kleinere Anbieter. Die Sportvereine sehen die Studios nicht als Konkurrenten.

Von Mario Battmer Sonntag, 17.02.2019, 13:30 Uhr

Mit gut einem Jahr Verzögerung eröffnete Ende vergangenen Jahres das Cleverfit in Buxtehude als eines von über 370 Studios in ganz Deutschland. Auch in Stade hat eine Cleverfit-Filiale neu eröffnet. Ein weiteres Studio gibt es in Neu Wulmstorf. Alle Drei laufen unter der Geschäftsführung von Matthias Mittelstädt, der weitere Studios als Franchiseunternehmer betreibt. „Gesundheit ist das höchste Gut“, sagt Mittelstädt. Der gesündere Lebenswandel in der Gesellschaft gehört neben der steigenden Qualität von Fitnessstudios zu den Hauptfaktoren des immer noch andauernden Booms.

Cleverfit ist nach McFit (weit mehr als eine Million Mitglieder) mit rund 580 000 Mitgliedern das zweitgrößte Fitnessunternehmen in Deutschland. Seit Jahren steigen die Mitgliederzahlen von Fitnessstudios. 2007 betätigten sich noch rund 5,5 Millionen Deutsche in den Fitnessstudios des Landes – 2017 waren es mit 10,6 Millionen fast doppelt so viele. Da kann nicht mal König Fußball mithalten: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der größte Sportverband der Welt, verbucht aktuell etwas mehr als sieben Millionen Mitglieder. Allerdings ist unklar, wie viele Menschen wirklich im Fitnessstudio aktiv sind. Experten schätzen, dass bis zu 50 Prozent der Mitglieder Karteileichen sind.

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Dennoch scheint angesichts solcher Zahlen die Fülle an Fitnessstudios im Landkreis Stade sinnvoll. Mit der Eröffnung des Cleverfit in Buxtehude gibt es dort nun drei große Kettenstudios. Neben dem Cleverfit-Franchise sind da das Joy Fitness (zehnmal in Norddeutschland) und das Fitnessloft (fast 30-mal in Deutschland), was im vergangenen Jahr das Fitsport übernommen hat. Dort finden derzeit Renovierungsarbeiten statt, die im März abgeschlossen sein werden. Auch in Stade gibt es drei Studioketten: Dort besteht das Fitsport weiterhin, zudem ebenfalls je ein Studio von Joy Fitness und Cleverfit. „Ich denke, der Markt gibt das her“, sagt Janko Spieck, Inhaber des Fitsports.

Sein Studio siedelt sich im Premiumpreissegment an. Eine Mitgliedschaft kostet 34 Euro und mehr. Sich in diesem Preissegment zu bewegen, sei Spieck wichtig. „Das hat sich seit 20 Jahren bewährt.“ Über den Preis werde schließlich auch ein gewisses Qualitätsversprechen kommuniziert. Das Fitsport könne vor allem durch seinen Wellnessbereich sowie die persönliche Betreuung punkten. Außerdem sei das Studio selten überfüllt. „Keiner muss auf die Geräte warten.“

5,2 Milliarden Euro Umsatz hat die Fitnessbranche 2017 gemacht, und das, obwohl sogenannte Discount-Fitnessstudios den Markt dominieren. Das Fitnessloft, Joy Fitness sowie Cleverfit sind Discounter. Das bedeutet Training für kleines Geld – im Cleverfit und Fitnessloft ab 19,99 Euro, im Joy sogar schon ab 14,99 Euro. Alle drei Studios bieten auch Premiummitgliedschaften zu höheren Preisen an, allerdings auch Rabatte. Die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio kostet in Deutschland durchschnittlich rund 44 Euro im Monat. „Ich denke, es kommt auf die Erwartungshaltung an“, sagt Stefan Körner, Expansionsmanager des Fitnesslofts in Buxtehude. „Wer 20 Euro bezahlt, erwartet dafür eine 20 Euro Betreuung“, ergänzt Körner. Diese Haltung fand in Gesprächen mit anderen Anbietern Zustimmung. Dabei betont er allerdings, dass die sinkenden Preise im Widerspruch zur steigenden Qualität stehen.

Neben den Studio-Ketten gibt es in Buxtehude, Stade und dem Umland eine Vielzahl kleinerer Anbieter, vorwiegend im Bereich Fitness, Yoga oder Kampfsport. Auch Physiotherapie-Praxen bieten oft ein Fitnessprogramm an. Eine besondere Rolle nehmen reine Frauen-Fitnessstudios ein. Das Franchisestudio Mrs. Sporty und Pep-Ladys gibt es in Buxtehude, in Stade das Lady Fitness Hermeling. „Wir positionieren uns am Markt natürlich damit, dass wir ein reines Damenstudio sind“, sagt Heike Hermeling, Inhaberin von Lady Fitness. Sie hat vor 32 Jahren eröffnet, gehört nach eigener Aussage zu einem der ersten reinen Damen-Studios in Deutschland. Im Laufe der Zeit habe sich die Ansicht von Fitnessstudios verändert. „Früher war es nur eine Muckibude, heute ist es eine Oase“, sagt sie. Darum setzte sie stark auf den Faktor Gesundheit. Sie selbst kommt aus dieser Branche.

Wichtig sei, dass sich Frauen in ihrem Studio wohlfühlen und „ohne Gaffen“ trainieren können. Preislich siedeln sich die Damenstudios im Premiumsegment an. „Hier trainiert die Frau, die es sich wert ist, etwas mehr zu bezahlen“, sagt Hermeling. Im Durchschnitt zahle bei Ladyfitness jede Kundin etwa 50 Euro. Auf die Wohlfühlatmosphäre setzt auch Agnes Kern mit dem Pepladys-Studio (ab 39,90 Euro), das sie vor fünf Jahren eröffnet hat. „Wir haben uns seitdem super entwickelt“, sagt Kern. Sie freut sich über die Mitbewerber. „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Das sehen nicht alle so. Andrea Tants, Inhaberin des Fit Fun Womens Clubs, wird ihr Studio zum 31. März schließen. Zu viele Kundinnen seien zum neuen Cleverfit in Stade gewechselt. „Ich habe sowieso nur ein kleines Studio, und jetzt gehen so viele“, klagt Tants, „es trifft dann immer die Kleinen.“ Ihre Geräte sowie ein Großteil der Trainer werden bei „Dein Fitnessprofi“ in Stade ein neues Zuhause finden. Tants wird dort ebenfalls weiterhin Rehakurse geben.

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Auch Sportvereine haben mit der Konkurrenz durch Fitnessstudios zu kämpfen. Im Vergleich zu den steigenden Mitgliederzahlen in Fitnessstudios vermelden Sportvereine seit Jahren schwindende Zahlen. Aktuell sind im Landkreis laut Kreissportbund Stade (KSB) 65 411 Menschen in Sportvereinen organisiert. Vor fünf Jahren waren es noch über 4000 mehr. Wobei dabei zwischen den Sportarten unterschieden werden muss. Turnen fand zum Beispiel in den vergangenen Jahren wieder vermehrten Zulauf.

Schwindende Vereinsmentalität und der Aufstieg der Fitnessstudios werden oft als Hauptgründe für den Mitgliederschwund angeführt. „Fitnessstudios bieten eine Flexibilität, die wir als Verein nicht anbieten können“, sagt Stefanie Teske, Geschäftsführerin des Buxtehuder SV. Sie sieht in Fitnessstudios aber weniger Konkurrenten, als ein ergänzendes Angebot. „Ein Fitnessstudio bietet Flexibilität, ein Verein Gemeinschaft“, sagt Teske. Es sei aber kein Entweder-Oder. Teske schätzt, dass etwa jedes sechste BSV-Mitglied auch im Fitnessstudio aktiv ist. Der BSV ist mit etwa 4200 Mitgliedern der größte Sportverein in Buxtehude. Dazu kommen bis zu 1800 Menschen, die das zeitlich flexiblere Kursangebot des BSV wahrnehmen. „Das zeigt doch, dass der Wunsch nach einem solchen Angebot vorhanden ist“, so Teske. Der BSV hat 2014 mit dem Citysport in der Poststraße einen multifunktionalen Kursraum eröffnet und plant seit Jahren ein Vereinssportzentrum. Das wird kommen, versichert Teske, sei aber abhängig von der Planung mehrerer Parteien, darunter des Schulzentrums Nord.

In Stade trotzt der größte Verein der Stadt dem Trend der sinkenden Mitgliederzahlen. Der VfL Stade verzeichnet nach eigener Aussage seit Jahren Wachstum, steht aktuell bei über 5200 Mitgliedern. Seit 2002 verfügt der VfL in Ottenbeck über eine eigene Vereinssportanlage, in der auch Fitnesskurse und Gerätetraining angeboten werden. Der Kraftraum des VfL ist zwar mit Fitnessgeräten ausgestattet, darf aber nur innerhalb der Kurse unter Anleitung der Trainer genutzt werden. Insgesamt bietet der VfL in Ottenbeck 24 Fitnesskurse, 20 Stunden Gerätetraining sowie mehrere Gesundheitssportkurse für seine Mitglieder an.

VfL-Geschäftsführer Wolfgang Rabe glaubt derweil nicht, dass Fitnessstudios seinem Verein Mitglieder klauen. Die schwindende Vereinsmentalität hingegen sei schon seit Jahren ein großes Problem. „Als Stadtverein sind wir inzwischen Sportdienstleister geworden“, sagt Rabe. Stefanie Teske schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Es werden Angebote verglichen, das Vereinsdenken spielt eine untergeordnete Rolle.“

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