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Förster kämpfen mit Hightech gegen den Holzklau

Bernd Westphalen , Leiter der Revierförsterei Rosengarten, könnte den kleinen Peilsender so in die frisch geschlagenen Eichen einbauen, dass er nicht zu finden ist. Die Förster setzen die GPS-Tracker für teures Wertholz, aber auch für Brenn

Bernd Westphalen , Leiter der Revierförsterei Rosengarten, könnte den kleinen Peilsender so in die frisch geschlagenen Eichen einbauen, dass er nicht zu finden ist. Die Förster setzen die GPS-Tracker für teures Wertholz, aber auch für Brenn

Gegen den Holzdiebstahl in den Wäldern setzen die Förster in den Kreisen Harburg und Stade Satellitentechnik ein: Sogenannte GPS-Tracker werden im geschlagenen Holz versteckt. Wird das Holz gestohlen, verfolgen die Peilsender in Echtzeit den Weg der Diebe.

Von Claudia Michaelis Montag, 13.03.2017, 19:06 Uhr

Der jüngste Fall von dreistem Holzklau im Rosengarten ist gerade erst drei Wochen her. Zwei Holzdiebe hatten sich im Kleckerwald am helllichten Freitag eine Ladung gefällter Stämme handlich zurechtgesägt und einen ganzen Anhänger mit Diebesgut vollgepackt. In diesem Fall ertappte Revierförster Burchard Scholz die beiden Holzdiebe höchstpersönlich auf frischer Tat und rief die Polizei, die den Anhänger an Ort und Stelle wieder abladen ließ und den Dieben eine Strafanzeige verpasste.

Die steigenden Energiepreise und die wachsende Verbreitung preiswerter Kaminöfen aus dem Baumarkt nebenan haben dazu geführt, dass das Brennholz in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden ist. Und mit den Holzpreisen haben sich auch in den niedersächsischen Landesforsten die Holzdiebstähle spürbar erhöht, weiß Reiner Baumgart, Pressesprecher der Landesforsten Nord-Ost-Niedersachsen.

Förster Reiner Baumgart ist froh über die GPS-Box. Sie führt in Echtzeit auf die Spur der Holzdiebe.

Vor vier Jahren, als die Diebstähle auf einem Höhepunkt waren, lagen die Schäden durch den Holzklau in den niedersächsischen Forsten im hohen fünfstelligen Bereich, berichtet Baumgart. Geschädigt werden dabei nicht nur die Forsten, sondern auch die Kunden, die das Holz bereits gekauft, aber noch nicht abtransportiert haben.

In der Regel ist der Förster in den weiten Waldgebieten nicht gerade zur Stelle, wenn sich Holzdiebe am frisch geschlagenen Holz bedienen. Deshalb greifen die Förster in den Landesforsten jetzt zu einem technischen Hilfsmittel: Sogenannte Forst- oder GPS-Tracker sind inzwischen in allen Forstämtern der Landesforsten, so auch in den Forstämtern Sellhorn und Harsefeld, für die Waldgebiete in den Kreisen Harburg und Stade im Einsatz und übernehmen die Jagd nach den Holzdieben. Die Forst-Tracker sind kleine, unscheinbare Kästchen, in denen ein GPS-Sender steckt. Den Tracker versteckt der Förster unauffällig in einem am Waldweg lagernden Baumstamm oder Brennholzstapel, erklärt Bernd Westphalen, Leiter der Revierförsterei Rosengarten, der das Gerät auch im Rosengarten-Forst einsetzt. Eingebettet ins Holz, geht der Tracker in einen Ruhemodus, in dem er bis zu ein Jahr schlummern kann und funktionsfähig bleibt. Nur ab und an sendet er ein Signal über seine aktuelle Position.

In der kleinen Box stecken ein Bewegungssensor, ein Funk- und ein GPS-Modul. Wird das Holz bewegt, sendet der Tracker sofort eine E-Mail oder eine SMS an den zuständigen Revierförster. Über eine spezielle App kann der Förster dann auf der Karte in seinem Handy die Fahrtroute der Diebe anhand des GPS-Signals in Echtzeit exakt verfolgen. War das Holz noch unverkauft, oder es erreicht nicht den Bestimmungsort des Kunden, wird die Polizei gerufen und zielgenau zum Diebesgut geführt. „Das Schöne dabei ist, es ist absolut beweissicher“, sagt Westphalen.

Die Anregung für das satellitengestützte Holzortungssystem haben sich die Niedersachsen aus Hessen geholt, wo der Holzklau wie in vielen südlichen Bundesländern mit ihren ausgedehnten Wäldern oft im großen Stil professionell stattfindet. Vor drei Jahren haben die Niedersachsen das System eingeführt, seither können es alle Forstämter in Nord-Ost-Niedersachsen nutzen. Die Diebstähle seien seit der Einführung der Tracker erheblich zurückgegangen, sagt Baumgart.

Wie, wo und wann die Förster die Tracker in ihr Holz im Rosengartenforst, im Neukloster Forst oder im Rüstjer Forst einsetzen, verraten sie nicht. „Wir können die Tracker so einbauen, dass sie nicht zu sehen sind. Jeder, der Holz klaut, muss damit rechnen, erwischt zu werden“, warnt Westphalen. Eingesetzt werden sie für alle Holzarten, für wertvolle Eichenholzstämme, die Bauholz werden, ebenso wie in Brennholzstapeln. Rund 300 Euro kostet so ein GPS-Tracker inklusive Software, auch Privatkunden nutzen die Technik inzwischen, um ihr Holz zu schützen, weiß Baumgart. Das im Wald gelagerte Brennholz in handlichen Längen ist besonders gefährdet, weiß Baumgart. Die Förstereien sägen die Stämme für die Holzkäufer deshalb nicht mehr, wie früher, auf einen Meter Länge zu, sondern nur noch auf drei Meter. Als weitere Vorsichtsmaßnahme rät Baumgart den Kunden, ihr Brennholz erst direkt vor dem Abtransport aus dem Wald auf Scheitlängen zu sägen.

Förster Reiner Baumgart ist froh über die GPS-Box. Sie führt in Echtzeit auf die Spur der Holzdiebe.

Förster Reiner Baumgart ist froh über die GPS-Box. Sie führt in Echtzeit auf die Spur der Holzdiebe.

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