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Infoabend für Bürger

Forschungs-Windpark Krummendeich: Testanlagen geben viele Antworten

DLR-Windkraftforscher Dr. Jan Teßmer auf dem Krummendeicher Gelände, auf dem die Forschungsanlage errichtet wird.

DLR-Windkraftforscher Dr. Jan Teßmer auf dem Krummendeicher Gelände, auf dem die Forschungsanlage errichtet wird.

Einen Forschungs-Windpark plant das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Krummendeich. Demnächst geht es an die Umsetzung des Projektes. Deshalb lädt das DLR  alle Bürger zu einer Infoveranstaltung ins Gasthaus Zur Post nach Oederquart ein.

Donnerstag, 14.11.2019, 10:10 Uhr

Die Braunschweiger Forschungseinrichtung, die neben der Luft- und Raumfahrt auch eine eigene Sparte Energie betreibt, wird am Dienstag, 19. November, 17 Uhr, mehrere hochkarätige Wissenschaftler nach Nordkehdingen entsenden. Gleich zu Beginn wird der Programmdirektor Energie, Bernhard Milow, diesen speziellen Forschungsbereich vorstellen und auch Ausführungen zum Thema erneuerbare Energien machen.

Dabei sein werden auch Dr. Jan Teßmer, der beim DLR für die Koordination der Windenergieforschung verantwortlich ist, und Dr. Jakob Klassen, der für das Projekt der Krummendeicher Forschungsanlage verantwortlich zeichnet und sowohl beim Aufbau als auch beim späteren Betrieb immer wieder vor Ort sein wird.

Kurz die wesentlichen bisherigen Daten des Test-Windparks, der in dieser Form in Deutschland als nicht kommerzielle und unabhängige Forschungseinrichtung einmalig sein wird: Geplant sind zwei Anlagen in der Größenordnung von drei bis vier Megawatt (MW), die zwischen Oederquart und Krummendeich westlich von Freiburg stehen werden.

Hinzu kommt die gesamte Infrastruktur mit Wegen, Leitungen, Infrastruktur für den Datentransfer und einem Gebäude für Technik und Büros. Es sollen zwar Serienanlagen aufgestellt werden, die aber schon speziell für die Forschung konfiguriert und ausgestattet sind. Momentan laufen die europaweiten Ausschreibungen. Noch in diesem Winter sollen die Vorbereitungen für den Wegebau beginnen und – soweit notwendig – Bäume gerodet werden.

Im Sommer nächsten Jahres – so der Zeitplan des gesamtverantwortlichen Forschungskoordinators Teßmer – sollen dann vier Messstationen – das sind Masten mit einer Höhe von bis zu 150 Metern – aufgebaut werden. Sie sind wesentlicher Bestandteil der hochspezifizierten Forschungsinstrumentierungen und Messgeräte. Noch bevor die großen Windräder aufgestellt werden, soll das Windfeld genau erfasst und dokumentiert werden. Wenn die Anlagen stehen, werden diese Daten noch einmal erfasst und mit den Daten aus 2020 in Relation gesetzt.

Ziel der Forschungen sind unter anderem Antworten auf Fragen zur Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Windrädern. „Aber auch die Auswirkungen auf die Menschen wird bei unserer Forschungsarbeit betrachtet. So werden wir an der Lärm- und Schallreduktion der Anlagen arbeiten“, sagt Teßmer im TAGEBLATT-Gespräch. Wind, Wetter sogar Bodenbewuchs wird von der DLR-Experten ebenso betrachtet wie Belastungsdaten an den Bauteilen der Windräder.

Vor allem wollen die DLR-Wissenschaftler die erhobenen und permanent aktualisierten Daten für alle möglichen Fragestellungen in Relation setzen und miteinander abgleichen. „Synchronizität“ nennt das Windkraft-Forscher Teßmer. Im Blick der DLR-Forscher sind auch die Standsicherheit, die Standdauer und die Materialien der Windräder. Hier wird mit den DLR-Experten im CFK Forschungszentrum Nord in Stade-Ottenbeck zusammengearbeitet, die sogenannte Smart Blades oder intelligente Rotoren entwickeln und als Prototypen bauen. Auch diese sollen in Krummendeich getestet werden. Für solche und andere Tests wird in dem Forschungspark zusätzlich eine dritte Turbine mit 40 Metern Durchmesser in 50 Metern Höhe installiert.

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Die Gelder für die beiden ersten Anlagen nebst Infrastruktur kommen vom Land Niedersachsen. Das Equipment für die Forschungs- und Messeinrichtungen wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aus dem Energieförderprogramm finanziert. Genaue Summen stünden zwar noch nicht fest, sagt Teßmer. Die Ausschreibungen laufen noch. Hier gab es auch leichte Zeitverzögerungen. Trotzdem ist Teßmer optimistisch, dass die Windräder selbst noch 2021 in Betrieb genommen werden. Sie werden – wie kommerziell betriebene Anlagen auch – den erzeugten Strom ins Netz einspeisen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet bei der Windkraftforschung eng mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen zusammen. Diese Partner sind im Forschungsverbund Windenergie (FVWE) zusammengeschlossen. Kooperiert wird zudem mit dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES), das in Bremerhaven eine Testanlage mit acht Megawatt errichtet hat.

Während in Krummendeich an Landstandorten (onshore) im küstennahen Flachland geforscht wird, wird in Bremerhaven an Windrädern im Meer (offshore) gearbeitet. Geplant ist von einer anderen vom Land Baden-Württemberg geförderten Forschungseinrichtung noch eine weitere Testanlage in der schwäbischen Alp, die speziell die Bedingungen im gebirgigen Binnenland erforschen wird.

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