Fraktion Pro Bürger hat Ärzte und Läden im Fokus
Fraktionsvize Thomas Gloth.
Die Fraktion Pro Bürger im Rat der Samtgemeinde Fredenbeck rückt die medizinische Versorgung im ländlichen Raum ins Zentrum ihres politischen Wirkens.
Der stellvertretende Vorsitzende Thomas Gloth fordert in einem Antrag, dass ein einheitliches Konzept für diesen Bereich erstellt und als Modellprojekt umgesetzt wird. Konkret regt er die Eröffnung eines Dienstleistungszentrums an, in dem nicht nur Räume für Ärzte vorgehalten werden sollen.
In der Gemeinde Kutenholz wird die Situation bereits im Sommer akut, wenn der bisherige Hausarzt Dr. Peter Bockmühl seine Praxis aufgibt. Findet sich kein Nachfolger, droht auch der Apotheke in der Nachbarschaft das Aus. Die Suche läuft, doch bisher ist keine Lösung in Sicht.
Thomas Gloth hat seinem Antrag eine ausführliche Analyse der gegenwärtigen Situation beigefügt: Bundesweit ist die Zahl der Praxen demnach in den vergangenen zehn Jahren um 5,6 Prozent von 108 500 auf 102 500 gesunken. Bei der Anzahl der hausärztlichen Praxen ist der Rückgang um 17,9 Prozent von rund 37 000 auf knapp 31 000 noch dramatischer. Im selben Zeitraum ist das Durchschnittsalter der Hausärzte auf 55 Jahre angestiegen. 70 Prozent der Hausärzte im Kreis Stade sind älter als 50 Jahre. Viele Mediziner werden in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten.
In einem Dienstleistungszentrum könnten zum Beispiel Mediziner aus den verschiedenen Fachrichtungen, Apotheker und Physiotherapeuten am selben Standort arbeiten und von einer gemeinsamen In-frastruktur profitieren – etwa im technischen Bereich. Das zunehmende Gesundheitsbewusstsein in der älter werdenden Bevölkerung sowie die steigende Nachfrage nach Versorgungsleistungen und präventiven Angeboten sprechen nach Ansicht von Thomas Gloth dafür, dass das Vorhaben wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Auch „Kooperationsmöglichkeiten von Cardio-Sport bis hin zu Gesundheitscoaching mit telemedizinischer Unterstützung sollen eine Marktlücke schließen und den behandelnden Ärzten neue Verdienstmöglichkeiten erschließen“, schreibt er in dem Antrag.
Ein weiterer Vorschlag aus seiner Feder ist der Bau eines modernen Seniorenzentrums im Stil eines Wohnparks. „Diese Alleinstellungsmerkmale in der ambulanten medizinischen Versorgung tragen zu einem nachhaltigen Markenaufbau und Image der Samtgemeinde bei“, ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende überzeugt. Zur Einordnung: Die Zahl der medizinischen Versorgungszentren ist in den vergangenen zehn Jahren von 700 auf knapp 2200 angestiegen.
Außerdem drängt die Vereinigung Pro Bürger darauf, ein Einzelhandelskonzept für die Samtgemeinde Fredenbeck erstellen zu lassen, das sich an den Vorgaben des neuen Flächennutzungsplans orientiert. Dafür sollen, auch mit Hilfe einer Kundenbefragung, der Ist-Zustand und die Entwicklungsmöglichkeiten analysiert werden. Hierzu hat Thomas Gloth ebenfalls einen Antrag formuliert. Er nimmt darin Bezug auf Unterlagen der Industrie- und Handelskammer, die zeigen, dass diverse Kommunen im Umland bereits entsprechende Konzepte entwickelt haben. Lediglich die Samtgemeinden Fredenbeck, Horneburg und Lühe fehlten. Das Konzept auf Landkreisebene sei bereits zehn Jahre und und müsse überarbeitet werden.
„Kommunen können mit einem Konzept den Wandel im Handel aktiv begleiten und Einkaufslagen strategisch entwickeln“, schreibt Thomas Gloth. Er möchte, dass Fredenbeck eine Vorreiterrolle einnimmt, um attraktiv für Unternehmensansiedlungen aus dem Hamburger Raum zu werden. Das Ziel müsse sein, die historisch gewachsenen Ortskerne vital zu halten und zukunftssicher aufzustellen. Der stationäre Handel solle im Internetzeitalter gestärkt werden.