Fred Lang mit seinen gesammelten Werken und Anthologien. Das Schreiben war damals für ihn ein Ventil, heute ist ein Hobby. Aktuell schreibt er an einem Krimi. Foto: Battmer
Autor, Blogger, Museumsaufsicht – das sind nur drei Dinge, wegen denen Fred Lang im Alten Land Kultstatus hat. Er ist umtriebig, probiert sich gerne aus und hat kein Problem damit, auch mal zu provozieren. Mit 81 Jahren genießt er aber inzwischen seinen Ruhestand.
13 Jahre lang arbeitete Fred Lang als Aufseher im Museum Altes Land in Jork. Mit 60 Jahren hat er 1998 angefangen, hatte ein wachsames Auge und stand den Besuchern bei Fragen Rede und Antwort. Dabei entstanden für den Autoren viele Geschichten. „Ich fühlte mich angesprochen von den Exponaten“, sagt Fred Lang, „und da nicht ständig Besucher da waren, konnte ich schreiben. Auge in Auge mit den Exponaten.“ So entstand „Der Patentmaulkorb. Geschichten aus dem Alten Land an der Elbe und dem Museum in Jork“. Ein 35-seitiges Heft voller interessanter und humoriger Erzählungen, das es auch im Museum zu kaufen gibt.
Fred Lang liebt Spaß und der Stolz über seine Werke ist ihm anzuspüren, wenn er von seinen Texten spricht. Die Bandbreite reicht dabei von skurril über verblüffend bis nachdenklich. Meist versehen mit feinem Witz.
Fred Lang, mit vollem Namen Alfred Hermann Lang, wurde 1938 in Meudt (Rheinland-Pfalz) geboren. Nach dem Abitur besuchte er in Hamburg eine Fotografieschule. Die Arbeit seines Vaters, ein Landarzt, wollte er nicht fortführen. So arbeitete er bei einem Hamburger Fotografen im Außendienst. 1968 machte er sich als Industrie und Architekturfotograf selbstständig. „Von Berufswegen habe ich eher nüchterne Motive fotografiert. Privat standen dann eher Menschen und mehr im Fokus“, sagt Fred Lang.
1979 zog er aus Hamburg raus ins Alte Land. Mit dem alten Haus in Estebrügge erfüllte sich Fred Lang einen Lebenstraum. „Ich wollte schon immer an einem Fluss wohnen“, sagt der 81-Jährige. Das Haus, in dem früher eine Bäckerei entdeckte er in einer Zeitungsanzeige. Über das alte Bürgerhaus schrieb er einen Beitrag zur Ortsgeschichte im Jahrbuch des Altländer Archivs. Die ehemalige Trotz des schlechten Zustands und der Renovierungsnotwendigkeit kaufte er das Haus, mit seiner zweiten Frau Gina (69), die er 1975 in Hamburg kennenlernte. Sie haben zwei Kinder, ein weiteres Kind hat Fred Lang noch aus erster Ehe.
Gina Lang war lange Zeit Sekretärin des Bürgermeisters in Estebrügge. Daher übernahm Fred Lang 1981 als Selbstständiger die Erziehung der Zwillinge Lena und Hans als Hausmann. Als Ventil dazu begann er zu schreiben. „Ich hatte das Gefühl, irgendwas rauslassen zu müssen“, sagt Fred Lang. Und tat das in Form von Gedichten und Kurzgeschichten. Sein Erstlingswerk „Von Mäusen, Menschen und anderem Getier“ enthielt vor allem lustige Geschichten. Inzwischen hat er zwei weitere Bücher veröffentlicht. Mit dem Projekt „Bücher auf Reisen“, im Prinzip eine weltweite Bücherei von Privatpersonen, machten sich seine Werke auf den Weg bis nach Kanada.
Fred Lang probiert sich gerne aus. Schon Mitte der 90er Jahre erstellte er eine Website und schrieb Blogs. Auf „Freds schräge Seiten“ schrieb er Humorvolles, aber auch nachdenkliches. Der Blog „Praxis Dr. Schräg“ bot Lebenshilfe zum schmunzeln in Form von Telefongesprächen, nach Beispiel des Satirikers Heino Jäger aus Hamburg.
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Dass er sich nicht scheut, mit Texten und Co zu provozieren, zeigt Fred Lang unter anderem mit seinem Buch „Viva la Vulva“, in dem Blütenkunstwerke dem weiblichen Geschlechtsteil zum verwechseln ähnlich sehen. Eine Hommage an die Weiblichkeit nennt er es. Oder mit der Anthologie Erotika, in der er erotische Texte von sich und anderen Autoren veröffentlichte. „Ein spezielles Thema, das mir am Herzen lag“, sagt er, „aber halt nicht pornografisch, sondern indirekt, aber deutlich.“ Dass er es dabei nicht immer ganz ernst meint, zeigt ein Blick auf seinen Youtube-Kanal. Dort thematisiert er unter anderem das Liebesleben von Tomaten.
Mit 81-Jahren ist Fred Lang technisch fit, seiner Ausbildung als Fotograf und Jahre des Bloggens sei dank. „Es macht Spaß, sich in Dinge reinzufuchsen. Ganz besonders, wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt“, sagt Fred Lang. In seinem Garten, direkt an der Este, hängt eine kleine Webcam, mit der er seit 2006 Bilder der Este und der Estebrücke ins Internet stellt. „Es ist faszinierend, wie der kleine Fluss sein Gesicht verändert.“ Dazu hat er viele Informationen und Geschichten über die Este und das Alte Land. Kürzlich hat er im Museum Altes Land QR-Codes angebracht. So können Besucher mit dem Smartphone Auskünfte über die Exponate aus seinem „Patentmaulkorb“ abrufen. Die Überlegung dafür gibt es im Museum schon länger, der 81-Jährige hat den Startschuss gegeben.
Seit einiger Zeit schreibt Fred Lang an einem Krimi, der – wie sollte es anders sein – im Museum Altes Land spielt. Es geht um die Mönöloke, eine Puppe die sowohl Glück aber Unheil bringen kann. Außerdem aktualisiert er seine Website wieder, nachdem er sie eigentlich bereits in den Ruhestand geschickt hatte. Er selbst genießt eben jenen inzwischen an jedem Tag. „Ich schätze die einfachen Dinge mehr als früher“, sagt Fred Lang, der Schelm aus Estebrügge.
Alle Bücher von Fred Lang gibt es auch als E-Book. Die Bücher sowie vieles weitere von und über den 81-Jährigen gibt es unter
{picture1s}Das ist original Altes Land: Mit diesem Stempel versieht das TAGEBLATT Porträts von Menschen, die typisch für ihren Ort und ihre Region sind, Typen, die nicht alltäglich sind – eine Serie nicht nur für die Altländer.