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Frühere „Tatort“-Darstellerin Eva Mattes besucht Stade

Die Ex-“Tatort“-Ermittlerin Eva Mattes hat vor ihrer Lesung noch Stade erkundet – der Ausblick aus dem Café im Goebenhaus begeisterte die Schauspielerin, die sich im Gespräch offen, aber zurückhaltend zeigte. Foto Husung

Die Ex-“Tatort“-Ermittlerin Eva Mattes hat vor ihrer Lesung noch Stade erkundet – der Ausblick aus dem Café im Goebenhaus begeisterte die Schauspielerin, die sich im Gespräch offen, aber zurückhaltend zeigte. Foto Husung

Auf dem Weg zum Ausgang kann die Frau nicht mehr an sich halten: „Ich liebe Tatort, ich liebe Sie“, platzt es aus der blonden Frau mittleren Alters beim Vorbeigehen heraus. Dass sie das Interview unterbricht, nimmt sie in Kauf. Eva Mattes reagiert gelassen auf die Situation.

Von Sven Husung Mittwoch, 10.01.2018, 09:00 Uhr

Auch für unerwartete Gesprächspartner lässt sie sich Zeit und spricht mit der Fremden über den „Tatort“ aus Ludwigshafen am vergangenen Sonntag. Dass dies der letzte Fall von Hauptkommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) sein würde, wusste sie schon lange.

Ihr eigener Ausstieg aus der „Tatort“-Familie ist jetzt etwa ein Jahr her. Viele Jahre hat sie mit großer Freude die Figur Klara Blum gespielt, vermisst die Rolle aber nicht. „14 Jahre sind genug. Ich genieße es, wieder ungebundener zu sein“, sagt die 63-Jährige. Seit sie nicht mehr selbst dreht, schaut sie den „Tatort“ nur noch unregelmäßig, einen klaren Favoriten unter den Ermittlerteams hat sie nicht. „Ich mag die Folgen aus Kiel, Dortmund und München.“ Auch die schrillen Fälle aus Weimar mit Christian Ulmen und Nora Tschirner gefallen ihr nach anfänglicher Skepsis gut. „Ich mag den intelligenten Humor“, sagt sie.

Die Schauspielerin, die auf eine lange und vielseitige Karriere zurückblicken kann (siehe „Zur Person“), nutzt ihre Freiheit, um wieder Theater zu spielen, mit Liederabenden aufzutreten und Lesungen abzuhalten. Nach Stade ist sie gekommen, um am Abend einen Querschnitt aus den international gefeierten Romanen von Elena Ferrante in der Seminarturnhalle vorzulesen. „Neapolitanische Saga“ wird die Reihe um eine komplizierte Freundschaft zweier Frauen genannt, die die italienische Autorin mit dem Werk „Meine geniale Freundin“ (2013) startete. Schon die entsprechenden Hörbücher hat Eva Mattes eingesprochen, mit dem Live-Programm tritt sie in Städten wie Berlin und Leipzig auf.

Ihr Zwischenstopp in Stade geht auf Eva Mattes’ persönlichen Kontakt zu Peter Kühn, Regisseur und Leiter der Seminarturnhalle, zurück. „Wir haben uns am Theater kennengelernt, als er Regieassistent bei Peter Zadek war“, erläutert sie. Das erste Mal ist sie vor einigen Jahren in der Seminarturnhalle aufgetreten, diesmal konnte Eva Mattes sogar einen Tag früher anreisen, um sich die Stadt anzuschauen. „Die Szenerie ist toll. Die perfekte Kulisse für einen historischen Film“, sagt sie, während sie aus dem Café auf den Fischmarkt blickt. „Ich werde nach dem Gespräch noch einen Stade-Bummel machen.“

Auf der großen Leinwand war Eva Mattes – die in den 70er Jahren mit bedeutenden Filmregisseuren wie Rainer Werner Fassbinder und Werner Herzog zusammengearbeitet hat – übrigens lange nicht zu sehen. Sie würde gerne wieder fürs Kino drehen. Aber: „Für Frauen in meinem Alter gibt es einfach keine Rollenangebote.“ Die Hoffnung auf ein Kino-Comeback hat sie aber noch nicht aufgegeben.

Langweilig wird der Schauspielerin bis dahin vermutlich nicht werden. Neben der Lesetour spielt sie aktuell im Hamburger St. Pauli Theater in der Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ und engagiert sich mit viel Herzblut für das Inklusionstheater RambaZamba in Berlin. „Bei der Zusammenarbeit mit den Darstellern mit Behinderung fällt alles von mir ab“, sagt sie.

Für alle, die Eva Mattes’ Lesung am Dienstagabend verpasst haben oder keine Karten mehr ergattern konnten, gibt es eine gute Nachricht: Sie kehrt schon im Herbst zurück nach Stade, um aus den Kriegstagebüchern von Astrid Lindgren vorzulesen. Der Termin wird noch bekanntgegeben. Begleitet wird die Lesung von ihrer langjährigen Begleiterin Irmgard Schleier am Klavier.

Eva Mattes, geboren 1954 in Tegernsee, gilt als eine der wichtigsten Darstellerinnen des neuen deutschen Films. Ihre Karriere startete sie bereits mit zwölf Jahren – unter anderem sprach sie Pippi Langstrumpf in der TV-Serie. Mit 17 kam sie nach Hamburg, feierte große Erfolge unter der Regie von Peter Zadek und folgte diesem nach Berlin. Die noch immer in Berlin lebende Schauspielerin hat etwa 100 Hörbücher eingesprochen. Im März wird sie mit dem Sonderpreis des Vereins Deutscher Hörbuchpreis ausgezeichnet.

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