Gänsehaut-Konzert der Kellys
„Angelo Kelly & Family“ waren mit dem Programm „Irish Summer“ im Stadeum. Kira, Joseph (7), William (3), Emma (12), Helen (15), Gabriel (17) und Angelo machen gemeinsam irische Musik. Sie spielten zwei Stunden ohne Pause. Foto Lankuttis
Der Jüngste tritt noch mit Schnuller auf, doch alle anderen beweisen: Musik steckt den Kellys im Blut. „Angelo Kelly & Family“ gaben am Donnerstag im Stadeum ein bejubeltes Konzert. Angelo, Kira und ihre fünf Kinder präsentierten abwechslungsreiche irische Folkmusik.
Mit „Irish Heart“, dem Titelstück des neuen Albums, macht die Gruppe sofort Stimmung. Angelo spielt Gitarre und singt mit kräftiger Stimme. Ehefrau Kira, Emma (12), Helen (15) und Gabriel (17) unterstützen den Lead-Sänger. Die Mädchen tanzen zwischendurch. Joseph (7) trommelt, neben ihm sitzt der erst dreijährige William mit Schnuller und Kopfhörern auf einem Podest. Sechs Musiker sorgen für den typisch irischen Sound.
Das Publikum jubelt von Beginn an bei jeder Geste von Angelo, klatscht und wippt im Rhythmus mit. 1500 Gäste, schätzt Stadeum-Mitarbeiterin Svenja Segelken, füllen den Saal ohne Stühle. Alle stehen. In einer abgeteilten Ecke tanzen und toben Kinder. Allerdings lauschen sie andächtig, wenn die Kelly-Kinder Solo-Auftritte haben.
Jeder ist mal dran. Der kleine Joseph stimmt an der Hand seiner Mutter „Danny Boy“ an. Im locker-flockigen Duett von Emma und ihrem Vater geht es um die Probleme der Pubertät. „Ich hab das schon zwei Mal überlebt“, scherzt Angelo. Selbst geschriebene Stücke mit beeindruckenden Stimmen präsentieren auch Helen (Fly Away) und Kira. Rührend, wie Mutter und Sohn Gabriel über das Erwachsenwerden und den Abschied aus dem Elternhaus singen. „Let go“ heißt das Lied, in dem der Sohn sicher zu seiner geliebten Mutter zurückkehren wird. Da bekommen alle Eltern eine Gänsehaut.
Die Kellys wirken ungezwungen, harmonisch und professionell. Sogar William, der nur am Anfang dabei ist, spielt schon mal mit dem Mikrofon. Angelo Kelly war selbst ein Teenie-Star. Der Jüngste von zwölf Geschwistern machte ab Mitte der 90er Jahre mit der Kelly Family Karriere.
Jetzt ist er neben dem Comeback mit der Kelly Family seit einigen Jahren auch mit dem eigenen Nachwuchs auf Tour. Sein Herz schlägt für Irland, wohin die Familie ausgewandert ist.
Sie seien auch mal drei Jahre lang durch die Welt gereist, und er habe als Straßenmusiker gearbeitet, erzählt der 36-Jährige. Er kommt auch nur mit seiner Gitarre und seiner vollen Stimme aus, wie bei dem irischen Freiheitslied „Fields of Athenry“. Ein melancholischer Gesang, bei dem es ruhig wird.
Oft aber bebt der Saal im lautstarken irischen Sound. Die Musiker spielen außer Schlagzeug und Bass typisch irische Instrumente: Geige, eine Art Dudelsack, eine Rahmentrommel und eine Bouzouki, ähnlich der Mandoline. Bei der Zugabe „Paddy on the railway“ geht es richtig ab. Angelo löst seinen Zopf, schüttelt die Mähne und rockt los. Zum Schluss wird es nochmal ruhig und romantisch mit „We shall overcome“.
Viele Kelly-Fans aller Altersgruppen sind im Publikum. „War richtig gut“, freut sich Rike von Borstel. Die 35-Jährige war schon als Kind Fan von Angelo, als sie bei den Großeltern Musik der Kelly Family hörte. Wie früher bei den Konzerten hat sie ihre Eltern dabei. Nur schade, sagt die Fredenbeckerin, dass er nicht „An Angel“ gesungen hat. Darauf haben viele vergeblich gewartet.