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Gefängnis: Video-Dolmetscher helfen bei Gesprächen

Kundenbetreuerin Jasimin Dincer spricht in der JVA Billwerder mit den Anwesenden und ist dabei auf einem Bildschirm zu sehen. Foto Perrey/dpa

Kundenbetreuerin Jasimin Dincer spricht in der JVA Billwerder mit den Anwesenden und ist dabei auf einem Bildschirm zu sehen. Foto Perrey/dpa

Zur besseren Verständigung mit ausländischen Gefangenen nutzt die Hamburger Justizvollzugsanstalt Billwerder seit Anfang Juni einen Video-Dolmetscherdienst. Im Gefängnis wurden dafür 13 Computerarbeitsplätze mit Kamera und Mikrofon ausgerüstet.

Montag, 26.06.2017, 18:11 Uhr

Die österreichische Firma SAVD stellt 750 Dolmetscher zur Verfügung, die innerhalb weniger Minuten zu einem Gespräch dazugeschaltet werden können.

„Das ist ein ganz wichtiger Schritt“, sagte Justizsenator Till Steffen (Grüne) bei der Vorstellung des Projekts in der JVA Billwerder. Gerade bei der Klärung von medizinischen Fragen, bei möglicher Suizidgefahr oder wenn ein Gefangener etwas Sicherheitsrelevantes melden wolle, müssten die Bediensteten zügig an diese Informationen kommen.

Der Anteil der Ausländer unter den Gefangenen steigt seit Jahren. Seit Ende 2015 liegt er in Hamburg insgesamt über 50 Prozent, in Billwerder sind derzeit sogar 64 Prozent der knapp 700 Gefangenen Nicht-Deutsche. Verständigungsprobleme gebe es vor allem mit Untersuchungsgefangenen, sagte Anstaltsleiter Ullrich Quietzsch. Darum wurde in der Untersuchungshaftanstalt am Hostenglacis neben dem Strafjustizgebäude ein weiterer Arbeitsplatz eingerichtet, an dem Gespräche mit Hilfe von Video-Dolmetschern geführt werden können. Etwa 50 Prozent der Gefangenen seien das erste Mal in Haft. Wenn sie kein Deutsch verstünden, sei es sehr nützlich, ihnen die Regeln in ihrer Sprache erklären zu können. Das helfe, schwierige Situationen zu vermeiden. „Video-Dolmetschen ist eine Möglichkeit, die Arbeitssicherheit für unsere Kollegen deutlich zu verbessern“, sagte Quietzsch.

In den ersten Wochen waren vor allem Übersetzer für osteuropäische Sprachen gefragt. Die ersten Erfahrungen mit dem Übersetzerprojekt seien ausgesprochen gut.

Das Unternehmen SAVD bietet nach Angaben seines Gründers Peter Merschitz Dienste in 75 Sprachen an. Dolmetscher für die 20 gebräuchlichsten Sprachen könnten werktags innerhalb von zwei Minuten hinzugeschaltet werden. Übersetzer für weniger verbreitete Sprachen wie etwa das westafrikanische Fula stünden nach Voranmeldung bereit.

Bei einer Demonstration übernahm der Ausländerberater der JVA, Mali Seidi, die Rolle des Gefangenen. Vollzugsabteilungsleiter Michael Franck schaltete eine Russisch-Dolmetscherin hinzu. Ivana Pavlovic übersetzte Fragen und Antworten jeweils im Anschluss. Eine Simultan-Übersetzung würde die Gesprächsteilnehmer überfordern, sagte Merschitz. Für den Dolmetscherdienst verlangt SAVD eine Grundgebühr von 1500 Euro pro Jahr. Der Preis für die erste Viertelstunde Dolmetschen beträgt knapp 36 Euro, jede weitere Minute 1,19 Euro.

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