Gefängnisinsel Hahnöfersand vor dem Aus
Blick auf die Gefängnisinsel Hahnöfersand an der Elbe in der Gemeinde Jork: Hamburg betreibt die Anstalt seit 1913. Foto Elsen
Seit rund 100 Jahren ist Hahnöfersand eine Gefängnisinsel. Jetzt steht die Justizvollzugsanstalt vor der Schließung.
Seit rund 100 Jahren ist Hahnöfersand eine Gefängnisinsel. Seit dem Jahr 1902 gehört die eingedeichte Insel in der Gemeinde Jork der Freien und Hansestadt Hamburg. Wie berichtet, will der Hamburger Senat die Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand aufgeben. Das Frauengefängnis ist bereits im Frühjahr aufgelöst worden, 60 Frauen waren im März in die JVA Billwerder verlegt worden. Justizsenator Till Steffen (Grüne) will in Zukunft beim Strafvollzug eng mit dem Nachbarland Schleswig-Holstein kooperieren.
Bereits am 6. September werden sich die Kabinette der beiden Bundesländer an einen Tisch setzen – und letztlich über die Zukunft von Hahnöfersand entscheiden. Zum Hintergrund: Weil unter anderem Personal im Strafvollzug fehlt und Geld gespart werden soll, will Steffen künftig Häftlinge gemeinsam mit dem Nachbarland unterbringen. Hinzu kommt, dass die maroden Gebäude auf Hahnöfersand für rund 16,5 Millionen Euro saniert werden müssten. Der Senat hatte deshalb im Dezember 2015 die Justizbehörde beauftragt, eine „Strukturverdichtung“ durch die Schließung der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand und den Ausbau der Vollzugskooperation mit dem Land Schleswig-Holstein im Bereich des Frauen- und des Jugendvollzugs zu einem länderübergreifenden „Verbundsystem“ zu prüfen.
Noch sind auf der Elbinsel der Jugendvollzug für junge Untersuchungsgefangene und für Jugendstrafgefangene (176 Plätze) und eine Teilanstalt für Jugendarrest mit 14 Plätzen für männliche und sechs Plätzen für weibliche Arrestanten untergebracht; knapp 150 Beschäftigte arbeiten in der Justizvollzugsanstalt (JVA). Im Gespräch ist, die Gefangenen in Zukunft in Neumünster, Schleswig, Fuhlsbüttel oder Billwerder unterzubringen.
Vor diesem Hintergrund haben sich der Ortsverbandssprecher der Grünen und Ratsherr aus Buxtehude, Thomas Schäfer, und der Fraktionsvorsitzende Michael Lemke mit dem Hamburger Justizsenator Dr. Till Steffen getroffen. Die Politiker appellierten an Steffen, nach einem Beschluss nicht nur umgehend alle JVAMitarbeiter, sondern auch die Gemeinde Jork und den Landkreis Stade einzubinden. Ziel müsse eine „sozialverträgliche“ Lösung – gemeinsam mit den Beschäftigten – sein; nicht wenige wohnen in Niedersachsen. Auch bei den Gesprächen mit Jork sei ein partnerschaftlicher Umgang gefragt. Der Senator habe zugesagt, auch die Kommune zu informieren; bislang hat es keine Gespräche mit Bürgermeister Gerd Hubert (Jork) gegeben. Nach einer Schließung der JVA würde der Hamburger Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen die Vermarktung übernehmen. Ohne die Gemeinde Jork läuft bei einer Nachnutzung nichts, sie hat die Planungshoheit. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als Sondergebiet ausgewiesen, hinzukommen Flächen für Landwirtschaft und Naturschutz.
Zur Vorgeschichte: Anfangs diente die Insel als Lagerstätte für den aus dem Hamburger Hafen gebaggerten Sand. Deshalb ist noch heute die Insel acht Meter höher als das Niveau des Alten Landes. 1913 kamen die ersten jugendlichen Arrestanten. Im Sommer 1920 richtete die Freie und Hansestadt Hamburg ein Jugendgefängnis auf der Insel ein.