Geister-Containerdorf in Moisburg bleibt stehen
Die Containeranlage, die zur Unterbringung von 90 Flüchtlingen in Moisburg aufgebaut worden war, muss trotz Leerstands weiter stehen bleiben.
Die in Moisburg aufgestellten Container für 90 Flüchtlinge wurden nie bezogen. Was mit ihnen geschehen soll, weiß niemand. Der Landkreis Harburg steht vor einem Dilemma.
Im Februar hatten Landkreis-Mitarbeiter die Moisburger Bevölkerung darüber aufgeklärt, dass gegenüber der ehemaligen Diskothek MicMac ein Containerdorf für 90 Flüchtlinge aufgestellt werden soll. Die Container kamen. Mit viel Aufwand und reichlich Zeitverzögerung wurden sie auf dem zuvor planierten und mit Anschlüssen versehenen Grundstück aufgestellt. Doch schon im April war klar: In absehbarer Zeit werden in der Anlage keine Flüchtlinge wohnen.
Weil durch die Sperrung der Balkanroute nur noch wenige Asylsuchende im Landkreis Harburg zu erwarten waren, machte der Landkreis Harburg, der bis dahin für seine vorausschauenden Planungen bei der Unterbringung von Flüchtlingen als Vorbild galt, im April eine Rolle rückwärts und nahm keine neuen Unterkünfte mehr in Betrieb – eine Kurskorrektur, die dem Landkreis und damit dem Steuerzahler bis heute teuer zu stehen kommt.
In Moisburg, aber auch in anderen Gemeinden des Landkreises, ergab sich nun ein auf den ersten Blick kurioses Bild: Obwohl klar war, dass die Container nicht bezogen werden würden, musste die Anlage aufgrund bestehender Verträge bis ins Detail fertiggestellt werden. So wurde die Außenanlage hergerichtet und hohe Lichtmasten installiert. Seit Monaten steht das Geister-Containerdorf nun schon fix und fertig da, abends wird es flutlichtmäßig beleuchtet.
„Das müssen wir aus Sicherheitsgründen tun“, sagte Landkreis-Sprecher Johannes Freudewald dem TAGEBLATT. Der Landkreis steckt in einem Dilemma: Pro Jahr kosten ihn die leerstehenden Unterkünfte mehr als drei Millionen Euro. Welche Folgekosten speziell die nicht benötigte Moisburger Unterkunft nach sich zieht, kann Freudewald nicht sagen: „Es gibt keine Kostenaufschlüsselung nach Einzelstandorten.“
Weniger wird es jedenfalls nicht: Im Winter müssen die komplett ausgestatteten Container beheizt werden, damit keine Schäden entstehen. Zudem will der Landkreis nach Auskunft von Freudewald eine Firma engagieren, die die leerstehenden Anlagen im Auge behält. Im gesamten Landkreis sind derzeit zehn neu geschaffene Anlagen mit rund 800 Plätzen nicht belegt. Inklusive der Kosten für den Leerstand verzeichnet der Landkreis laut Freudewald in der Flüchtlingsbetreuung ein Defizit von rund 19 Millionen Euro.
„Für einige der nicht genutzten Unterkünfte suchen wir nach neuen Nutzungsmöglichkeiten“, so Freudewald. Für ein ehemaliges Gasthaus in Wohlesbostel, das der Landkreis zur Unterbringung von Flüchtlingen angemietet hat, werde gerade eine Umnutzung als Monteurswohnungen geprüft. Für Moisburg wäre das aber keine Option: „Die Anlage entstand im Außenbereich der Gemeinde und durfte nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung aufgebaut werden. „Bei solchen Anlagen ist eine Umnutzung nicht möglich“, bestätigt Freudewald. Zwar ist mit dem Eigentümer der Fläche noch kein Gespräch gesucht worden, aber die Pachtverträge für Containeranlagen wie in Moisburg sind langfristig über fünf bis zehn Jahre abgeschlossen worden und deshalb nicht so einfach aufzukündigen.
Aus diesem Grund steht auch ein Rückbau der mit Mietcontainern ausgestatteten Anlage nicht zur Debatte. Auch hier fällt dem Landkreis seine vorausschauende Planung auf die Füße: Die Container können nicht einfach zurückgegeben werden. „Wir haben der Stadt Hamburg angeboten, uns Container abzunehmen, aber dort gibt es derzeit auch kein Interesse“, so Freudewald. Während Anfang des Jahres noch wöchentlich 120 Flüchtlinge in den Landkreis Harburg kamen, sind es derzeit nur noch 16 bis 20.
Nur einen Monat nach dem Aufbau im März wurde bekannt, dass die Container in Moisburg nicht bezogen werden. Fotos Michaelis/Lepél