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Gemeinde will „Nette Toilette“ für Bürger

Gemeinde will „Nette Toilette“ für Bürger

Das Problem ist nur allzu menschlich. Mitten im schönsten Einkaufsbummel durch den Ort lässt sich ein all zu dringendes Bedürfnis kaum noch aufhalten. Panik kommt auf, wenn die Augen im Schnell-Scan entdecken: Bis zum nächsten stillen Örtchen dauert es eine Weile.

Freitag, 14.06.2013, 15:00 Uhr

Vor allem den älteren und jüngsten Mitbürgern möchte die Gemeinde Neu Wulmstorf ein etwaiges Dilemma künftig ersparen. Einstimmig forderte der Rat die Verwaltung auf, gemeinsam mit dem Gewerbeverein Neu Wulmstorf an der Umsetzung des Konzepts „Nette Toilette“ zu arbeiten.

Das Prinzip, das deutschlandweit in mehr als 130 Kommunen bereits umgesetzt wird, ist denkbar einfach: Einzelhändler, Restaurants und andere Innenstadt-Geschäfte stellen ihre Sanitäranlagen kostenfrei der Öffentlichkeit zur Verfügung. Mit einem entsprechenden Aufkleber an der Ladentür wird gekennzeichnet, wo Erleichterung möglich ist. Dafür erhalten sie von der öffentlichen Hand eine Aufwandsentschädigung für die Reinigung und Pflege der Toiletten, der Betrag variiert von 40 Euro bis 100 Euro monatlich.

Im Landkreis Harburg gibt es die „Nette Toilette“ bisher nur in Tostedt. Initiatorin Gisela Hubert, damals stellvertretende Vorsitzende im Seniorenbeirat, erinnert sich noch gut an die Anfänge im August 2010: „Es war ein mühsamer Weg.“ Sie war von Geschäft zu Geschäft gegangen, um Gewerbliche zum Mitmachen zu überreden. „Ohne die persönliche Ansprache hätte es gar nicht geklappt.“ Jetzt sitzen immerhin 15 Läden und Restaurants in Tostedts Innenstadt im Boot: „Es läuft an sich ordentlich.“

Genau wie vorher in Tostedt hat Neu Wulmstorf entlang der Bahnhofstraße nur eine öffentliche Toilette aufzuweisen. Versteckt am Marktplatz gelegen, ist sie für 50 Cent pro Gang nutzbar. Die jährlichen Kosten für die Gemeinde: rund 8500 Euro für die Reinigung und Beseitigung von Vandalismusschäden. Die Einnahmen: etwa 800 Euro. Auch wenn das Konzept „Nette Toilette“ in vielen Kommunen vorsieht, genau solche Ausgaben durch Einbeziehung der Geschäftsleute einzusparen. „Wir wollen die öffentliche Toilette nicht schließen, sondern ein Zusatzangebot schaffen“, betont Gemeinde-Sprecher Michael Krüger.

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