Zähl Pixel
Archiv

Genuss in Christians Esszimmer

Alles ohne Fertigprodukte: Christian Sick serviert einen Garnelenspieß auf Mango-Chili-Chutney. Fotos Nowottny (3)/Sick

Alles ohne Fertigprodukte: Christian Sick serviert einen Garnelenspieß auf Mango-Chili-Chutney. Fotos Nowottny (3)/Sick

Mitten im 5000-Einwohner-Ort Ahlerstedt hat sich Christian Sick mit seinem kleinen Restaurant niedergelassen und sich damit einen Traum erfüllt, von dem er nicht wusste, dass er ihn hat.

Von Annika Nowottny Sonntag, 23.09.2018, 14:00 Uhr

Der Koch verspricht frische und hochwertige Küche in gemütlicher Atmosphäre in „Christians Esszimmer“. So richtig wohl fühlt sich der 50-Jährige trotzdem nur in seiner Küche. Genuss steht bei Christian Sick im Mittelpunkt seiner Küche. Das Zitat „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen eine Kunst“ hat er sich zum Motto gemacht. Er kann nicht verstehen, wenn Gäste zu ihm kommen und nach einer Stunde schon fertig sind. In seinem kleinen Esszimmer soll das Essen etwas Besonderes für alle Sinne sein. 

Heute serviert er Garnelenspieß auf Mango-Chili-Chutney mit Basilikumpesto. „Alles selbst gemacht“, sagt er. Fertigprodukte sind in seiner Küche nicht zu finden. „Ich mache auch alle Dressings und Saucen selbst.“ Sein leuchtend gelbes Chutney hat eine angenehme Schärfe. Das Basilikumpesto harmoniert perfekt mit den Garnelen.

Im März hat der 50-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Die letzte Station meiner Reise“, sagt Christian Sick. „Ich habe mir einen Traum erfüllt, ohne bewusst diesen Traum gehabt zu haben“, sagt er.

Ein Kollege sei auf ihn zugekommen und habe gesagt: „Du brauchst einen eigenen Laden.“ Damals war er noch Küchenchef im Harsefelder „Villazzo“.  „Dann flutschte es einfach“, sagt Christian Sick. Das Restaurant, in dem vorher das S-Café zu finden war, wurde frei, und der 50-Jährige machte Nägel mit Köpfen.

Mit Hilfe von Familie und Freunden renovierte er den Laden und öffnete im März die Türen. „Ich habe dabei zehn Kilo gelassen.“ Viele Gäste zeigen sich zufrieden mit „Christians Esszimmer“. Bei Google hat er fast nur Fünf-Sterne-Bewertungen erhalten. Und auch die Mund-zu-Mund-Propaganda scheint zu funktionieren. Darauf setzt der Koch vor allem. In einem kleinen Ort sei das das A und O.

Auch der Service sei schon vielfach gelobt worden, obwohl nur ungelernte Kräfte Essen und die Getränke servieren. Gelerntes Personal ist in der Gastronomie immer schwieriger zu bekommen. „Die machen das aber richtig super“, lobt der Koch, der die Frauen angelernt hat. Er sei nicht wirklich streng als Chef, sagt er. „Aber ich mag es beispielsweise nicht, wenn eine Prosecco-Flasche mit lautem Knall geöffnet wird.“ Das störe die Gäste.

Christian Sick tritt eher bescheiden auf, hält sich im Hintergrund. „Ich bleibe in meiner Küche und lasse mich nicht vorne feiern“, sagt er. Dennoch huscht dem Koch ein Lächeln über das Gesicht, als es einmal einen spontanen Applaus für sein Essen gab.   Trotzdem fehle noch die Kontinuität in seinem kleinen Restaurant mit 25 Plätzen. „Der Sommer war hart“, sagt er. Es sei einfach zu heiß gewesen. „Die Leute sind zu Hause geblieben.“ Jetzt hofft der Koch wieder auf neue Gäste ab Herbst. Sein Wintermenü für Weihnachtsfeiern steht bereits.

Die Gäste können zwischen drei Wintermenüs von 28,50 Euro bis 38,50 Euro wählen. Kalbrückensteak auf Wasabi-Rahmsauce oder gegrilltes Hirschrückensteak auf Fliederbeer-Jus oder die gebratene Perlhuhnbrust auf Morchelsauce sind auf seiner Karte zu finden.  „Weihnachten selbst habe ich nur noch wenige Plätze frei“, sagt der Koch.

Wegen seiner frisch zubereiteten Küche kann Christian Sick flexibel auf Vegetarier, Veganer und Allergiker reagieren. Fleischlose Gerichte stehen zudem ständig auf der Karte. Zu finden sind dort außerdem Gerichte von karamellisiertem Ziegenkäse mit Feigen-Chutney über Ricotta-Spinat-Ravioli mit Rindfleischstreifen und Maishähnchenbrust im Speckmantel bis zum gegrillten Rumpsteak auf grüner Pfeffersauce und Geschmortem vom Rind in Thymianjus.  Sein Fleisch bezieht er vom örtlichen Fleischer, sein Brot vom Holzofenbäcker in Sauensiek. Die Karte wechselt je nach saisonalem Angebot. Außerdem reagiert er auf Extrawünsche. Kürzlich habe er ein asiatisches Menü für ein Paar zum Hochzeitstag zusammengestellt.

Es ist viel Arbeit, aber ich bin nie mit Bauchschmerzen hingefahren“, sagt er über seine neu erworbene Selbstständigkeit. Die Buchhaltung und den Einkauf für eine eher kleine Küche musste der 50-Jährige erst lernen. „Ich habe anfangs viel zu große Mengen gekauft“, sagt er. Doch inzwischen habe er den Dreh raus. „Zwei Monate hat es gedauert, bis ich realisiert habe, dass es mein Laden ist“, sagt er schmunzelnd und auch ein wenig stolz. „Man wächst mit seinen Aufgaben.“

Zutaten:

1 l Hühnerbrühe

250 ml Sahne

200 ml Weißwein, trocken

3 mittelgroße Zwiebeln

1 EL Butter

200 g geriebener Parmesan

1 Messerspitze Safran

Salz, Pfeffer, Zucker

Schuss Grappa für den Pfiff

Zubereitung:

Gepellte Zwiebeln in Streifen schnei-den und mit etwas Zucker in der

Butter anschwitzen. Mit Weißwein ablöschen, Brühe und Sahne hinzufügen und etwa 30 Minuten köcheln lassen. Dann passieren, abbinden (mit Mehlbutter, Roux oder Mondamin) und Safran hinzugeben. In die heiße Grundsuppe den Parmesan mit einem Zauberstab pürieren.

Diese Parmesancremesuppe steht auch auf der Karte:

www.restaurant-ahlerstedt.de

Vanilleeis auf frischem Nektarinen-Beerensalat.

Vanilleeis auf frischem Nektarinen-Beerensalat.

Genuss in Christians Esszimmer

Das Esszimmer.

Das Esszimmer.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.