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Geschäft für Marine-Uniformen und Tropenkleidung

Tropen Brendler wurde bereits im Jahr 1879 gegründet. Foto Tripmaker

Tropen Brendler wurde bereits im Jahr 1879 gegründet. Foto Tripmaker

„Tropen Brendler“ gibt es bis heute – mittlerweile ist die fünfte Generation in den Familienbetrieb eingestiegen. Zu Besuch in einem Fachgeschäft, in dem die Dampfschiff-Zeiten wie in einer Kapsel eingefangen sind.

Montag, 29.05.2017, 18:21 Uhr

Ernst Brendler hatte einfach den richtigen Riecher: Die Handelsschifffahrt nahm Fahrt auf, Segel- und neuerdings auch Dampfschiffe kreuzten über die Weltmeere. Was sollte man da mit einer Uniformschneiderei in der Nähe der Hamburger Landungsbrücken schon groß falsch machen, dachte sich der Spross einer schlesischen Tuchweberfamilie und eröffnete 1879 sein kleines Geschäft.

„Richtige Tropenkleidung aus reiner Naturfaser garantiert Wohlbefinden auch an extrem heißen Tagen.“ So wird es Passanten im Schaufenster der Großen Johannisstraße, gleich neben dem Rathaus, versprochen. Rolf Osthues (63) bevorzugt heute Morgen die Karohose aus molligem Tartan, ein Stoff aus Schottland, seine Frau Ingrid (58) einen Wollrock und Stiefel. Erstens gehen draußen heftige Regengüsse herunter und zweitens gibt es später noch eine goldene Hochzeit zu feiern. Da sähen Tropenhelm und Safari-Jacke sicher komisch aus, selbst bei den Inhabern eines traditionsreichen Tropenausstatters wie Ernst Brendler.

Ingrid Osthues ist die Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers und heutige Inhaberin des Geschäftes. Gemeinsam mit Ehemann Rolf gehört sie wie die antiken Schränke längst zum Inventar. Mit ihrem 23-jährigen Sohn Kay – er kommt ganz leger in Chucks und Jeans daher – steigt nun die fünfte Generation in das Familienunternehmen ein, sein Bruder Sven kümmert sich im Hintergrund um IT-Fachfragen. „Für mich war immer klar, dass ich irgendwann das Geschäft übernehme. Mein Opa würde sich ja sonst auch im Grabe umdrehen“, sagt der Junior etwas verlegen. Künftig soll ein größerer Schwerpunkt auf das Internetgeschäft gelegt werden, um den dortigen Anbietern die Stirn zu bieten.

Ein älteres Ehepaar betritt den Laden. „Langjährige Stammkunden“, verrät Ingrid Osthues, geht auf die beiden zu und begrüßt mit einer Umarmung. Die Herrschaften wollen für ein paar Wochen nach Italien, und da weiß man schließlich nie, wie sehr die Sonne brennt. Also, noch schnell zu „Tropen Brendler“ und eine leichte Leinenhose und einen Panama-Hut eingepackt. „Original aus der Toquilla-Palme“, weiß die Verkäuferin. Synthetische Produkte kommen bei Ernst Brendler gar nicht erst ins Sortiment.

Doch es gibt auch durchaus jüngere Leute, die vor ihrer Weltreise bei „Tropen Brendler“ hineinschauen: Den Tropenhut mit Nackenschutz, ein Moskitonetz oder einen Leibwärmer samt Pullover aus Opossumfell muss man schließlich in Afrika oder der Antarktis erst einmal finden.

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