Großes Glück auf dem kleinen Markt in Neu Wulmstorf
Klein, aber fein: Neu Wulmstorfs Wochenmarkt lockt mittwochs und freitags mit einem frischen Angebot an Lebensmitteln und Pflanzen. Fotos: Lepél
Die Konkurrenz der Supermärkte ist groß, und auf manchen Wochenmärkten der Region beklagen Marktbeschicker einen Rückgang des Zuspruchs, wie etwa in Harburg oder in Neugraben. In Neu Wulmstorf scheint das ganz anders zu sein.
In Neu Wulmstorf freuen sich die Anwohner offenbar noch sehr über ihren zweimal in der Woche stattfindenden Markt – und das, obwohl er mit Abstand der kleinste im Vergleich mit den „großen Brüdern“ in Neugraben und vor allem in Harburg ist. Doch das Angebot ist klein, aber fein und offenbar genau richtig für Neu Wulmstorfs Bevölkerung, wie ein Besuch auf dem Markt am Mittwochvormittag bestätigt.
„Ich gehe gern auf den Markt“, sagt etwa Waltraud Gebhardt stellvertretend für viele Besucher, die bei schönem Wetter entspannt zwischen den mit Gemüse, Blumen oder Leckereien beladenen Ständen schlendern. Waltraud Gebhardt wohnt erst seit kurzem im Süderelberaum. Sie ist von Balje wegen der besseren Infrastruktur in den Fischbeker Heidbrook umgezogen. „Und da habe ich erst einmal geschaut, wo ich hier mein Cuxland-Biofleisch bekomme“, sagt sie.
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Glücklicherweise ist der Bio-Schlachter aus Hemmoor mit einem Stand auf dem Neu Wulmstorfer Wochenmarkt vertreten – als letzte Bastion vor dem angrenzenden Hamburger Gebiet, wo das Familienunternehmen nicht mehr präsent ist. „Ich weiß, dass ich hier immer gute Produkte bekomme“, sagt die Neu-Fischbekerin. „Und einen Klönschnack noch dazu.“ Gerade habe sie sich mit Petra Schaffer, Verkäuferin beim Cuxland-Bioschlachter, über die Gartenpflege unterhalten. Petra Schaffer bestätigt den Eindruck, dass es auf dem Neu Wulmstorfer Wochenmarkt eher entspannt zugeht: „Wir nehmen uns Zeit für die Kunden“, sagt sie. Oft gebe es zum Produkt noch Tipps für die Zubereitung oder ein Rezept für Sauerfleisch oder Rinderleber dazu. „Es kommen auch immer mehr jüngere Leute“, sagt die freundliche Fachkraft. „Die möchten ihre Kinder gesund ernähren, achten deshalb sehr auf die Qualität des Fleisches. Sie essen nicht jeden Tag Fleisch, aber dafür muss es vernünftiges sein.“
Wer frischen oder geräucherten Fisch möchte, geht ein paar Meter weiter zu Fisch-Lanz. Hier werden nicht nur schwierigere Fälle wie frische Calamari vor den Augen der Kunden ausgenommen und geputzt – inklusive guter Ratschläge für die Weiterverarbeitung. Eine Institution in der Region ist auch Käse-Willi, der seit der Gründung des Marktes im Mai 2002 dabei ist.
Tobias Sandy gehört zur jungen Generation der Marktbeschicker in Neu Wulmstorf. Er hat das Geschäft mit den Blumen vor drei Jahren von seinem Vater Heinz übernommen. „Ich kenne das Leben auf dem Markt von Kindesbeinen an“, sagt der Selbsterzeuger aus Kirchwerder. „Hier in Neu Wulmstorf wird unser Angebot sehr wertgeschätzt und sehr gut angenommen. Es gibt viele Stammkunden, aber es kommen auch immer wieder neue Leute hinzu.“
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Zu den Dauerbesuchern des kleinen Marktes auf dem Marktplatz an der Bahnhofstraße gehört Gabi Ossadnik. Sie lebt seit 30 Jahren in Neu Wulmstorf und kennt die Menschen hinter den Verkaufsständen mit Namen. „Wie geht es denn Ihrem Mann?“, fragt sie Heike Freyer, die auf ihrem 21 Meter langen Stand knackfrisches Obst und Gemüse anbietet und heute traurige Nachrichten hat: „Meinem Mann geht es nicht so gut. Er ist von der Leiter gefallen. Aber es wird schon wieder.“ Gut, dass die Geschäftsfrau aus der Winsener Marsch noch auf die Unterstützung von Sohn und Enkel bauen kann. „Wir sind ein richtiges Familienunternehmen“, sagt Heike Freyer, die auch für Alleinstehende ein großes Herz hat. Denn bei ihr muss niemand die handelsüblichen großen Mengen kaufen, sondern es gibt auch einen halben Kohlkopf oder eine einzelne Birne – alles aus der Region und ohne Plastikverpackung.
Auch die Landschlachterei Maack aus Eversen ist seit dem Start des Neu Wulmstorfer Wochenmarkts dabei. „Seit Ewigkeiten“, wie Dennis Graap sagt. Er verkauft die Produkte der Landschlachterei auf den Märkten in Neugraben und in Neu Wulmstorf und ist zufrieden mit dem Zuspruch der Kunden. „Unsere hausgemachte Ware wird sehr geschätzt.“ Sehr beliebt seien auch die vielen Fertiggerichte, die alle auf alten Rezepten basierten: „Sie werden immer noch unter der Regie unserer 86-jährigen Seniorchefin hergestellt und schmecken einfach total lecker“, sagt er. „Das stimmt wirklich“, bestätigt eine Kundin diese Einschätzung. „Man schmeckt die Liebe bei der Herstellung förmlich heraus.“
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Gestartet ist der Neu Wulmstorfer Wochenmarkt mit zwölf Marktbeschickern, von denen auch heute noch fünf auf dem Wochenmarkt vertreten sind. Es ist ein „grüner“ Wochenmarkt – es gibt also ausschließlich Lebensmittel und Pflanzen. Dieses Angebot ist mit wechselnden Marktstandsbetreibern über die Jahre immer gleich geblieben. Derzeit bieten mittwochs neun und freitags elf Marktbeschicker ihre Waren an. Das ist im Vergleich mit dem Markt in Neugraben ein eher geringer Rückgang, denn dort ist von einst 60 Ständen nur noch etwa die Hälfte übrig. Auch auf Hamburgs ältestem Wochenmarkt in Harburg klagen Marktbeschicker über einen Rückgang des Kundenzuspruchs.
Neben der starken Konkurrenz vonseiten der Supermärkte hat dies offenbar weitere Gründe: In vielen Familien wird höchstens noch am Wochenende gekocht, weil die Eltern bei der Arbeit essen und die Kinder in Kita oder Schule versorgt werden. Zudem gibt es immer häufiger keine Nachfolger für Marktbeschicker, die altersbedingt aufhören. Auf Hamburger Stadtgebiet mussten schon einige Märkte schließen. In Neu Wulmstorf aber läuft’s.