HC Hagemann baut Hamburgs größtes Gästehaus
Arne Weber bei der Grundsteinlegung für seinen Hamburg Innovation Port (HIP) im Juni. Damals kündigte er den Hotelneubau bereits an. Foto Lepél
Das „HIP Hotel Hamburg“ soll eine neue Landmarke im Hamburger Süden und als Bestandteil des Hamburg Innovation Port zugleich ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Harburger Binnenhafens werden. Es ist Arne Webers neuester Coup.
Was Arne Weber, Inhaber der im Harburger Binnenhafen ansässigen HC Hagemann Group, bereits im vergangenen Juni im TAGEBLATT-Interview angekündigt hat, ist jetzt offiziell und bekommt Form: Das Bauunternehmen des Begründers der modernen Binnenhafen-Entwicklung baut im Harburger Binnenhafen ein Hotel mit 600 Zimmern. Mit dieser Zimmeranzahl dürfte es nach der Fertigstellung das größte Hotel in ganz Hamburg sein.
In seinem Büro an der Blohm-straße hat Arne Weber ein Modell des geplanten Hochhauses. Wenn er es anschaut, wirkt es so, als sehe der Binnenhafen-Visionär darin bereits den laufenden Hotelbetrieb. „Wir werden keinen Luxus anbieten, aber sehr gute Betten und Bäder“, sinniert er. Die Bauvoranfrage für das Vorhaben ganz in der Nähe des Kanalplatzes ist gestellt. Mit dem Bau soll es Ende nächsten Jahres losgehen.
Der Hotelneubau ist eine logische Folge der Pläne, die Weber derzeit an der Blohmstraße umsetzt. Wie mehrfach berichtet, entsteht dort gerade der Hamburg Innovation Port (HIP), mit dessen Realisierung rund 2500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. „In drei bis vier Jahren soll alles fertig sein“, sagt Arne Weber, Investor und Geschäftsführer der HC Hagemann GmbH & Co. KG. Der erste Bauabschnitt mit einer Bruttogeschossfläche von 6000 Quadratmetern werde aber bereits im Frühjahr 2019 bezugsfertig sein. Insgesamt entstehen auf dem 20 000 Quadratmeter großen Areal am Ziegelwiesenkanal in mehreren Bauabschnitten rund 60 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, in denen insbesondere die beschlossene Erweiterung der Technischen Universität Hamburg umgesetzt werden soll. Es werden rund 150 Millionen Euro investiert. Außer Forschungs- und Büroflächen sollen ein Kongresszentrum, Gastronomie und ein Schwimmbad im Ziegelwiesenkanal entstehen. „Wir wollen im HIP Kongresse und ein Veranstaltungsprogramm etablieren – und dafür benötigen wir Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe“, so Weber. Deshalb heißt sein neues Hotel auch „HIP Hotel Hamburg“. „Es soll zur ersten Adresse für Kongresse und Veranstaltungen des HIP sowie für Hamburg-Touristen aus dem In- und Ausland werden“, sagt Weber.
Ganz in der Nähe des von HC Hagemann vorgesehenen Areals ist am Veritaskai – dort, wo sich bis vor ein paar Jahren der Harburger Beachclub befand – seit vielen Jahren ebenfalls ein Hotel geplant: ein 65 Meter hoher Hotelturm in der Vier-Sterne-Kategorie. Weber sieht darin keine Konkurrenz: „Wir bedienen ein ganz anderes Preissegment.“ Ein Doppelzimmer in Webers Hotel soll etwa 70 Euro kosten. Zum Vergleich: Im Durchschnitt beträgt der Preis für ein Hotelzimmer deutschlandweit über 100 Euro. Im Vier-Sterne-Bereich wird leicht das Doppelte bezahlt.
Die visuelle Darstellung des 18-geschossigen Hochhauses (Grafik Hagemann/beyound) zeigt eine ungewöhnliche Industriefassade. Im 600 Zimmer großen „HIP Hotel Hamburg“ will Weber großzügige Zimmer von 20 Quadratmetern mit modernster Ausstattung in minimalistischem Industrie-Design kombinieren. Eine 1000 Quadratmeter große Funktionsfläche im Erdgeschoss dient als multifunktionaler Ort für Frühstück, Events und Gastronomie. Das Gebäude ist parallel zum Westlichen Bahnhofskanal ausgerichtet und reiht sich ein in das dem Wasser entlang gewachsene industrielle Erbe des Binnenhafens. Mit einem „Zick-Zack“- Grundriss wird aus allen Zimmern ein Hafenblick ermöglicht. „Die Sinusfassade stärkt die skulpturale Erscheinung des Gebäudes“, schwärmt Bauingenieur Weber. „Tagsüber erhellt die geschosshohe Verglasung im Sockelbereich den Innenraum mit gestreutem Licht, während in der Abenddämmerung die Fassade von innen heraus zu leuchten beginnt.“ Für „echte Hingucker“ sollen die bunten Graffitimuster sorgen, die sich auf die Fassade projizieren lassen. Der Bau des von Heiner Limbrock (Limbrock und Tubbesing Architekten und Stadtplaner) entwickelten Komplexes soll Ende 2019 beginnen und zum Jahreswechsel 2020/2021 fertiggestellt werden.
Ein Problem im ohnehin verkehrlich bereits stark belasteten Binnenhafen könnten die notwendigen Parkplätze für ein 600-Zimmer-Haus werden. „Wenn ich ein Hotel in dieser Größenordnung baue, frage ich mich natürlich, wie die Leute dort hin- beziehungsweise wieder wegkommen“, hatte Weber bereits im TAGEBLATT-Interview gesagt. „Die Probleme müssen gelöst werden, bevor man da so etwas installiert.“ Auch in dieser Hinsicht denkt der kreative Ingenieur und erfolgreiche Geschäftsmann groß: „Man könnte autonom fahrende Busse einsetzen, am HIP wollen wir möglichst einen Landeplatz für Hubschrauber und Lufttaxis realisieren, und die Verbindung nach Hamburg könnte mit einer Schnellfähre ab Dampfschifffahrtsweg verbessert werden.“
Weber hat eine Affinität zu Fähren: Als Halb-Helgoländer hat er den Helgoland-Katamaran mit aus der Taufe gehoben. Auf der Insel besitzt er übrigens schon ein Hotel: Das „atoll ocean resort“ wurde allerdings im Oktober 2012 für zehn Jahre komplett an einen Windparkbetreiber vermietet.