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HVV feiert 50. Geburtstag – „Damals war es revolutionär“

HVV feiert 50. Geburtstag – „Damals war es revolutionär“

Vor einem halben Jahrhundert hatte die Kleinstaaterei im Hamburger Nahverkehr ein Ende. Die Betreiber von Bahnen, Bussen und Fähren einigten sich auf die Gründung eines Verbunds, der den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen sollte - auch wegen der zunehmenden Konkurrenz des Autos während des Wirtschaftsbooms.

Sonntag, 29.11.2015, 18:20 Uhr

Vor einem halben Jahrhundert hatte die Kleinstaaterei im Hamburger Nahverkehr ein Ende. Die Betreiber von Bahnen, Bussen und Fähren einigten sich auf die Gründung eines Verbunds, der den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen sollte - auch wegen der zunehmenden Konkurrenz des Autos während des Wirtschaftsbooms.

Am 29. November 1965, nach fünf Jahren zäher Verhandlungen, war es soweit: Hamburgs Bürgermeister Herbert Weichmann (SPD) und Verkehrssenator Edgar Engelhard (FDP) besiegelten zusammen mit den Vorständen der Verkehrsbetriebe und der Deutschen Bahn die Gründung des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV). Ein Datum, an das heute bei einem Senatsempfang mit 450 Gästen im Rathaus gedacht werden soll.

Zwanzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs überwog das öffentliche Interesse an einheitlichen Tarifen und Fahrplänen. Bis dahin standen die verschiedenen Verkehrsbetriebe in Konkurrenz zueinander. Dies führte dazu, dass, wer in Hamburg unterwegs war, verschiedene Tickets brauchte, um durch die Stadt zu kommen.

„Umsteigen, ohne einen neuen Fahrschein lösen zu müssen, ist heute selbstverständlich, damals war es revolutionär“, sagt HVV-Geschäftsführer Lutz Aigner rückblickend. Mit der Gründung des Verbunds seien die Voraussetzungen für einen integrierten Nahverkehr geschaffen worden. Hamburg sei damit Vorbild für die Entstehung von Verkehrsverbünden in aller Welt gewesen.

Heute deckt der HVV nach eigenen Angaben auf einer Streckenlänge von fast 15 000 Kilometern mit mehr als 10 000 Haltestellen ein Gebiet von 8 600 Quadratkilometern ab. Es arbeiten 30 Verkehrsbetriebe miteinander im Verbund, die im vergangenen Jahr laut HVV über 700 Millionen Fahrgäste transportierten.

Für HVV-Chef Aigner hat „der Ausbau des elektronischen Vertriebs“, also der Fahrkartenkauf über Smartphone, hohe Priorität. Auch eine bessere Fahrgastinformation mithilfe von Echtzeitdaten und Barrierefreiheit seien derzeit auf der Prioritätenliste.

Ein gängiger Kritikpunkt am HVV sind die jährlichen Preiserhöhungen. „Sicherlich werden Fahrpreiserhöhungen vom Fahrgast prinzipiell als negativ empfunden“, sagt Birger Wolter vom Fahrgastverband Pro Bahn. Allerdings könne die Entwicklung der Fahrpreise nicht losgelöst von der Entwicklung der Kosten betrachtet werden. Vor allem, wenn „in Zeiten begrenzter öffentlicher Haushaltsmittel der prozentuale Zuschussbedarf aus allgemeinen Steuereinnahmen nicht steigen soll“.

HVV-Chef Aigner sagt dazu: „Mehr Fahrgäste bedeuten einen Mehrbedarf bei Fahrzeugen und beim Personal, also überproportional steigende Kosten.“ Wobei die Betriebskosten nur zu etwa zwei Dritteln aus Fahrgeldeinnahmen gedeckt würden.

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