Hafenschlick in die Nordsee
Hamburg darf künftig größere Mengen Hafenschlick an die Westküste Schleswig-Holsteins bringen. Foto Charisius/dpa
Der nördliche Nachbar hat am Dienstag zugesichert, der Hansestadt künftig größere Mengen Hafenschlick als bisher abzunehmen und eine Verklappung in der Nordsee zu gestatten.
Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) versprach nach einer gemeinsamen Sitzung der beiden Landeskabinette in Hamburg: „Ob das an der bisherigen Tonne (E3 bei Helgoland, die Red.) oder woanders geschieht, klären jetzt die Fachleute. Aber glauben sie mir: Es wird geklärt.“ Bürgermeister Olaf Scholz sprach von „guten Gesprächen“ beider Länder zu dem Thema – und erinnerte geflissentlich daran, dass der Hafen der Metropole auch größter Arbeitgeber für Schleswig-Holstein sei. Eine Botschaft, die Albig bereits verinnerlicht zu haben scheint: „Der Hamburger Hafen ist auch unser Hafen. Wir werden alles tun, was zum Erhalt der Arbeitsplätze notwendig ist.“ Allerdings blieb zunächst offen, wann es eine Einigung geben wird und wie diese aussieht. Klärungsbedarf gibt es dem Vernehmen nach vor allem wegen der Belastung der Hafensedimente mit Schadstoffen.
Dabei drängt die Zeit. Der Verschlickung der Hafenbecken hat in den vergangenen Monaten ein nie gekanntes Ausmaß angenommen und sorgt in der Hamburger Wirtschaft inzwischen für offene Empörung. Der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg (UVHH), Gunther Bonz, richtet schwere Vorwürfe an die Adresse der Zuständigen in der Stadt. Die Hafenbehörde HPA gewährleiste die vertraglich zugesicherten „Verkehrsverhältnisse“ nicht. Etliche Terminals seien wegen der Ablagerungen von Sedimenten für Schiffe zeitweise nicht erreichbar gewesen. Bonz: „Das ist sehr, sehr bedenklich und das hat es meines Wissens in diesem Ausmaß in der Nachkriegsgeschichte des Hafens noch nicht gegeben.“ Die Abweichungen zu den Soll-Tiefen betrage bis zu drei Meter. Den Unternehmen seien Millionenschäden entstanden.
Erste Betriebe haben die HPA verklagt, weil diese die Zufahrt zu den Terminals nicht mehr sicherstelle. Andere Firmen haben die Mieten für ihre Hafengrundstücke gemindert. Begründung: Weil manche Schiffe nur teilbeladen Hamburg erreichen könnten, fehlten Rohstoffe für die Produktion.
Die HPA freilich steckt in einer doppelten Klemme. Zum einen hat eine ungünstige Wetterlage im Sommer zu einem extrem niedrigen Sauerstoffgehalt der Elbe geführt. Aus Umweltgründen dürfe die Stadt dann gar nicht baggern, heißt es bei der Hafenbehörde. Wenn aber gebaggert werden darf, ist dies zum anderen oft nur kurz von Nutzen. Denn: Wegen fehlender Ablagerungsmöglichkeiten in der Nordsee, kippt Hamburg den Schlick meist auf dem eigenen Territorium vor Wedel in die Elbe. Das auflaufende Hochwasser braucht nur wenige Wochen, um diese Sedimente in den Hafen zurück zu spülen. Laut Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) sucht Hamburg deshalb mit Schleswig-Holstein eine langfristige Lösung. Heißt: Größere Mengen Schlick möglichst weit entfernt verklappen.