Hamburg macht NS-Gedenkstättenbesuch für Schüler zur Pflicht
Blick auf die Nikolaikirche und das Mahnmal St. Nikolai. (Archivbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
„Die Erinnerung am Küchentisch gibt es nicht mehr“, sagt Bildungssenatorin Bekeris. Kultursenator Brosda weist mit aktuellen Parallelen auf die „Wichtigkeit historischer Bildung“ hin.
Hamburg. Der Besuch einer Gedenkstätte, die an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert, wird für Hamburgs Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse verpflichtend. Das entsprechende Konzept zur Verankerung in den Lehrplänen stellten Bildungssenatorin Ksenija Bekeris und Kultursenator Carsten Brosda (beide SPD) in der Landespressekonferenz vor. Ziel sei es, das Wissen über die Geschichte der Orte und die nationalsozialistische Verfolgungs- und Vernichtungspolitik zu vertiefen.
Bekeris erinnerte an ein Zitat des Publizisten Michel Friedmann, dass es „die Erinnerung am Küchentisch nicht mehr gibt“. Die fehlende Möglichkeit, über Verwandte oder Bekannte an Informationen über diese Zeit zu kommen, soll durch die Besuche aufgefangen werden.
Die Schul- und die Kulturbehörde empfehlen acht Gedenkstätten und Lernorte in der Hansestadt für die Besuche. Dazu gehören die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der Geschichtsort Stadthaus, das Denkmal Hannoverscher Bahnhof, die Gedenkstätten Bullenhuser Damm, Fuhlsbüttel, Poppenbüttel und Israelitische Töchterschule sowie das Mahnmal St. Nikolai.
Die für die Schülerinnen und Schüler kostenfreien Besuche sollen im Unterricht vor- und nachbereitet werden. Auch die Lehrkräfte sollen geschult werden. „Gedenkstätten sind keine negativen Orte. Sie sind Zeugen dieser Zeit“, sagte Oliver von Wrochem, Vorstand der Stiftung Hamburger Gedenkstätten.
Brosda bezog sich in seinem Statement auch auf die Aktualität. Die jüngsten Wahlerfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Beschluss der sächsischen Stadt Heidenau, künftig keine neuen Stolpersteine mehr im öffentlichen Raum zu verlegen, zeige, „wie wichtig historische Bildung ist“.
Der Besuch von NS-Gedenkstätten steht nach Aussage von Bildungssenatorin Bekeris schon jetzt bei etwa 80 Prozent der Hamburger Schulen im Lehrplan. Die Hansestadt ist nach Bayern und dem Saarland das dritte Bundesland, das diese nun verpflichtend macht.
(Archivbild) Foto: Gregor Fischer/dpa
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