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Hardy Krüger junior auf der Bühne als Tom Sawyer

Hardy Krüger jr.

Hardy Krüger jr.

Zwischen einer schiefen Holzhütte und kahlen Bäumen hat der ältere Mann, vermeintlich Mr. Finnegan, sich oberhalb des Mississippi häuslich eingerichtet. Er löst Kreuzworträtsel im Schaukelstuhl, trinkt Whiskey. Bedrohlich steht an der Wand ein Gewehr zur Abwehr von Fremden.

Montag, 08.05.2017, 18:59 Uhr

Und so einer kommt bald dahergetuckert: in einem 1920er-Jahre-Lastauto, das in der Ausstattung durch Birgit Voß zugleich als Wander-Varietébühne firmiert. Als Mr. Gray stellt sich der Tournee-Künstler dem grimmigen Einsiedler vor.

Beide geraten zügig in Streit, der ihre wahren Identitäten offen legt. Sie sind die Jugendfreunde Huck Finn (Stephan Benson) und Tom Sawyer (Hardy Krüger jr.) aus Mark Twains Lausbubenromanen. In „Die Jungs im Herbst“ lässt der amerikanische Dramatiker Bernard Sabath diese als reifere Männer wieder aufeinandertreffen.

Mit den Schauspielstars Krüger und Benson kam das selten gespielte Zwei-Personen-Werk am Sonntagabend in der Inszenierung von Christian Nickel in den Hamburger Kammerspielen zur Premiere. Musik von Abi Wallenstein sorgte dabei für eine stimmungsvolle Blues-Note.

Viel Beifall spendete das Publikum vor allem den Darstellern, die in dem als tragikomisch angelegten Stück ein sympathisches Gespann abgeben. Mit Schiebermütze mimt Krüger den Tom als ewigen Jungen, der in der Liebe nie Erfüllung und im Beruf nie echten Erfolg gefunden hat. Männlich-bärbeißiger verkörpert Benson seinen Outsider Huck, der Bildung und gesellschaftliche Anerkennung gesucht hat, doch mit einer persönlichen Schuld nicht fertig wird. So dreht sich die Geschichte mit einigem Humor um große Lebensfragen und plädiert am Ende dafür, das ureigene Ich und die Freundschaft nie zu vergessen. Und auch spät noch einen Neuanfang zu wagen.

Sabaths 1981 in San Francisco (Kalifornien) uraufgeführtes Schauspiel selbst überzeugt jedoch nicht auf ganzer Linie. Allzu oft wirken die Dialog-Erinnerungen seiner Anti-Helden und deren Sentenzen („Der einzige Ort, zu dem ich fahre, ist die Hölle“) mehr ausgedacht und behauptet als wahrhaftig und durchlebt. Dennoch haben Benson und Krüger in ihren Rollen berühmte Vorgänger: Bereits bei der Broadway-Voraufführung in San Francisco waren es die Hollywood-Stars Burt Lancaster und Kirk Douglas. Und Krügers Vater Hardy Krüger sen. (89, „Die Brücke von Arnheim“) stand Mitte der 1980er Jahre ebenfalls als gealterter Tom auf der Bühne des Ernst Deutsch Theaters in Hamburg.

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