Harsefeld rüstet sein Freibad auf
Der Sprungturm gehört seit 50 Jahren zum Ensemble des Harsefelder Freibades. Fotos: Beneke
Mit Luftballons und Sekt hieß das Team des Harsefelder Freibads die Gäste am Sonnabend willkommen. Der Grund: Die Einrichtung feierte ihren 50. Geburtstag.
Samtgemeindebürgermeister Rainer Schlichtmann und Betriebsleiter Michael Wege nutzten die Gelegenheit, um auf die vergangenen Jahrzehnte zurückzublicken – und die Türen zu den technischen Anlagen im Untergrund zu öffnen. Als das örtliche Unternehmen Blohm 1969 den Neubau des Freibades vollzog, war Gemeindedirektor Horst Küster im Amt. Er erinnert sich noch an die eher spartanisch ausgestattete Badeanstalt, die sich zuvor in der heutigen Steinfeldsiedlung befand.
Ein Betonbecken und eine kleine Umkleide – mehr bot die Einrichtung nicht. Das Wasser kam aus den Klosterteichen. Nebenan befand sich ein Campingplatz, der verlegt werden musste. „Das war damals ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor“, sagt Horst Küster, der nach der Gebietsreform 1972 der erste Samtgemeindedirektor der neuen Samtgemeinde Harsefeld war. Harsefeld zählte in den 1960er Jahren 4500 Einwohner.
Heute kommen „in guten Sommer 100.000 Besucher“ in das Harsefelder Freibad, weiß Verwaltungschef Rainer Schlichtmann zu berichten. „Das Freibad ist eine unser Vorzeigeeinrichtungen. Wir müssen die Vergleiche mit anderen Schwimmbädern im Landkreis nicht scheuen.“ In den vergangenen zehn Jahren hat die Kommune ihr Freibad Stück für Stück saniert: 2009 bis 2010 ging es mit den Arbeiten am Nichtschwimmerbecken los. 2011 bis 2012 folgte die Sanierung von Sportbecken und Sprungbecken. Das Schwimmbad gehöre zu Harsefeld. Da sei es wichtig, die Anlage in Schuss zu halten. Alle zehn Jahre müssten etwa die Filteranlagen ausgetauscht werden.
Stolz ist der Samtgemeindebürgermeister darauf, die 50-Meter-Bahn und damit ein Angebot für sportliche Schwimmer erhalten zu haben. Regelmäßig fänden hier Kreismeisterschaften im Schwimmen statt. Im Sportbecken stehen demnächst Fliesenarbeiten an. Rainer Schlichtmann rechnet mit Kosten in Höhe von 600.000 Euro. Nach derzeitiger Planung soll die Sanierung 2020 bis 2021 über die Bühne gehen. Es gelte, einen Investitionsstau zu vermeiden, unterstreicht der Verwaltungschef. Das chlorhaltige Wasser und die Reinigung habe dazu geführt, dass sich die Fliesenoberfläche aufgeraut hat, erklärt Michael Wege.
Dort könnten sich jetzt Algen absetzen. Sie zu beseitigen, erfordere einen höheren Einsatz von Chlor und Chemie. Hinzu kommt, dass sich auch der Estrich mit den Jahrzehnten auflöse. Fugen seien herausgebrochen, kleine Hohlräume entstanden. Ein Gutachten besagt, dass die Betonplatten noch intakt sind. Die Abdichtungen müssten jedoch erneuert werden – ebenso wie der Estrich, die Bodenfliesen und die Stehkanten. Der Sprungturm ist auch nach 50 Jahren im Originalzustand noch intakt. Lediglich oberflächliche Haarrisse hätten behandelt werden müssen, sagt Michael Wege.
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Die Whirlpool-Liegen, das getrennte Becken mit zwei Rutschen und die Liegewiese mit Spielplatz kommen bei den Gästen an. Gepflegte Außenanlagen und freundliche Mitarbeiter seien Teil des Erfolgskonzepts, sagt Rainer Schlichtmann. „Die erfreulichen Besucherzahlen sind Ihnen zu verdanken“, sagt er in Richtung von Betriebsleiter Michael Wege und seinem 14-köpfigen Team. Die Mitarbeiter der Freizeit- und Bäderanlagen der Samtgemeinde Harsefeld kümmern sich auch um die Schwimmhalle in Ahlerstedt und die Eissporthalle in Harsefeld. Drei Fachangestellte für Bäderbetriebe – einer besucht gerade die Meisterschule – werden von mehreren Rettungsschwimmern bei der Badeaufsicht unterstützt. Ein neuer Helfer ist nachts im Einsatz: ein Mähroboter, der sich in seiner ersten Saison bereits bewährt hat.
Michael Wege zeigt den Besuchern und Vertretern der Mitgliedsgemeinden und der Ratsfraktionen die Katakomben des Freibads. In Kellerräumen befinden sich die Pumpen und die Filteranlagen. „Die alte Badeanstalt wurde durch die Sonne erwärmt, das war’s“, erinnert sich der ehemalige Gemeindedirektor Horst Küster. So einfach ist das heute nicht mehr. Gleichwohl war Harsefeld bereits vor 50 Jahren Vorreiter. Als eines von damals drei Bädern ging hier eine Wärmepumpe in Betrieb. Vor 17 Jahren kam eine Solaranlage dazu. Der Gedanke, auch die entstehende Kälte sinnvoll zu nutzen, gab übrigens den Ausschlag dafür, den Bau einer Eissporthalle zu forcieren.
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Eine Woche dauert es, zum Saisonstart alle Becken mit aufbereitetem Brunnenwasser zu füllen. Das Gesundheitsamt des Landkreises als Aufsichtsbehörde nehme jeden Monat Wasserproben, um die Qualität zu überprüfen, sagt Michael Wege. Auch das Einleiten des gereinigten Schmutzwassers in die Aue werde engmaschig überwacht. Per Tankwagen werden pro Jahr drei Tonnen Ablagerungen, etwa durch Sonnencreme und Hautschuppen, abtransportiert.
Die Besucher mussten am Sonnabend keinen Eintritt zahlen. Außerdem hatten die Mitarbeiter besondere Attraktionen vorbereitet. Der TuS Harsefeld ehrte jeden Schwimmer, der 1050 Meter geschwommen ist, mit einer Urkunde. An Land lockte eine Hüpfburg zum Toben und im Wasser bot zur gleichen Zeit die H20 Fun Events Agentur Fun und Action mit lustigen Spielen, Animationen, Wettbewerben, Aquaduellen und einem Wibit-Wasserspielmodul. Die etwas Größeren waren am Abend beim Wettrutschen und Arschbomben-Contest herausgefordert. Wer darauf keine Lust hatte, konnte es sich mit einem frischen Cocktail an der Cocktailbar vom Vanero bequem machen und sich auf die Pool-Party mit DJ freuen.