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Weltklimagipfel

THarsefelder Häuser der Zukunft: So lief die Viebrock-Präsentation in Glasgow

So soll die Smart City in Harsefeld in zwei Jahren aussehen: 19 Häuser mit begrünten Dächern, die von oben bis unten mit umweltschonenden Baustoffen realisiert und energieeffizient betrieben werden. Alle Häuser sind bereits verkauft. Visual

So soll die Smart City in Harsefeld in zwei Jahren aussehen: 19 Häuser mit begrünten Dächern, die von oben bis unten mit umweltschonenden Baustoffen realisiert und energieeffizient betrieben werden. Alle Häuser sind bereits verkauft. Visual

„Es war einfach großartig“, sagt Dr. Elana Paul, die Innovations-Managerin der Viebrockhaus AG, die bei der Weltklimakonferenz in Glasgow das Projekt Smart City vorgestellt hat: 19 Einfamilienhäuser in Harsefeld, CO2-neutral gebaut – eine Revolution auf dem Bausektor.

Von Wolfgang Stephan Donnerstag, 04.11.2021, 19:38 Uhr

Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaneutralität, das sind die Begriffe, die in Glasgow derzeit viel zu hören sind. „Wenn es uns gelingt, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren, können wir die Erderwärmung aufhalten“, so das Credo der bei der Viebrockhaus AG angestellten Wissenschaftlerin Elana Paul, die gemeinsam mit dem Senior-Chef Andreas Viebrock das Vorzeige-Projekt in Harsefeld entwickelt hat.

Für Andreas Viebrock kommt der Auftritt in Glasgow nahe an die Krönung seines Schaffens. „Es ist schon eine Bestätigung für die Innovation, die bei uns schon jahrelang gepflegt wird.“ Die Kernbotschaft von Viebrock beim Weltklimagipfel: „Unser Projekt Smart City in Harsefeld soll als Maßstab gelten für die Erschließungen von Neubaugebieten und für die städtische Nachverdichtung.“

Zusammenarbeit mit Greenpeace

Das Projekt, das offiziell im Januar nächsten Jahres gestartet wird und im Mai 2023 in Harsefeld fertig sein soll, wurde gemeinsam mit „Green Planet Energy" und der Gesellschaft für innovatives Bauen geplant. Zwei Komponenten stehen dabei im Vordergrund: Einerseits die energetische Betrachtung – die in dem Pilotprojekt gebauten Häuser gelten als besonders energiesparende KfW-Effizienzhäuser, sollen intelligent miteinander vernetzt sein, werden mit Wärmepumpensystemen beheizt sowie mit vor Ort produzierter Sonnenenergie versorgt.

„Das ist allerdings schon weit verbreitet und wird schon bald Standard bei Neubauten sein“, schätzt Andreas Viebrock. Viel wichtiger in dem Projekt Smart City sei das ökologische Bauen: Von recycelten Baustoffen bis hin zu begrünten Schrägdächern sei alles berücksichtigt, was nachhaltiges und klimaneutrales Bauen heute leisten kann, so Andreas Viebrock, der aus dem operativen Geschäft in dem Unternehmen ausgeschieden ist, gleichzeitig aber das macht, was ihn schon lange angetrieben hat: Innovative Strategien entwickeln, um schon beim Bau der Häuser die Umweltschäden in Grenzen zu halten.

Das betreffe Haus, Grundstück und Erschließung gleichermaßen. Bislang liege der durchschnittliche Anteil der versiegelten Flächen bei 50 Prozent der Grundstücksfläche, in der Smart City in Harsefeld werde der versiegelte Flächenanteil auf elf Prozent gesenkt.

Innovations-Managerin Dr. Elana Paul und Senior-Chef Andreas Viebrock in Glasgow. Foto: Viebrock

Innovations-Managerin Dr. Elana Paul und Senior-Chef Andreas Viebrock in Glasgow. Foto: Viebrock

Klimarettung an der Basis

Viebrock: „Durch die Kombination verschiedener Maßnahmen können wir die CO2-Emission unseres Betons um die Hälfte verringern, wobei wir sicher sind, dass wir diesen Wert noch weiter senken können.“ Als ein weiteres Beispiel nennt er die Kunststofffenster, die zu 100 Prozent aus recyceltem Material bestehen und bis zu acht Mal wiederverwertet werden könnten.

Nach drei Tagen Glasgow sei er in seiner Beurteilung bestätigt worden: Das Klima werde nicht von der Politik gerettet, sondern ganz unten an der Basis, von den Menschen, die die Notwendigkeit des Handels erkannt hätten und es umsetzen. Den Kommunen falle dabei eine zentrale Rolle zu, denn die müssten in ihrer Bauleitplanung die Klimaneutralität festschreiben. Seine Befürchtung: „Ich habe durchaus Angst, dass die Behörden das verhindern.“

Smart-City-Häuser bereits verkauft

Glasgow, da ist sich Viebrock sicher, werde zu einem Umdenken führen. Alleine, dass sein Unternehmen dieses Projekt auf einer Weltbühne vorstellen durfte, sei schon ein guter Anfang gewesen. Andreas Viebrock wurde von der UN eingeladen, nachdem er beim „Senat der Wirtschaft“, einer Stiftung für gemeinwohlorientierte Politik, der er angehört, sein Projekt vorgestellt hatte.

Übrigens: Alle 19 Häuser der Smart City in Harsefeld sind verkauft. Rund zehn Prozent teurer als Häuser im üblichen Standard. Bei der Anschaffung, nicht bei der Kalkulation über 50 Jahre.

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