Haspa denkt nicht an Rückzug aus der Schanze
Die Haspa hat im Schanzenviertel ihre provisorische Filiale in den ehemaligen Räumen der Deutschen Bank eingerichtet. Foto Rupprecht
In der G20-Chaosnacht vom 7. auf den 8. Juli tobte der Mob im Schanzenviertel, die Randalierer brandschatzten auch in der Haspa-Filiale am Schulterblatt und demolierten die gesamte Innenausstattung. Jetzt wurde ein Provisorium eröffnet.
Doch trotz des Totalschadens denkt Deutschlands größte Sparkasse nicht an Rückzug aus dem berüchtigten Szeneviertel – im Gegenteil. „Wir bleiben“, verkündete Haspa-Vorstandschef Harald Vogelsang gestern und eröffnete eine provisorische Niederlassung in derselben Straße, etwa 100 Meter vom Ort der Zerstörung entfernt. „Über Jahrzehnte sind wir mit der Schanze durch dick und dünn gegangen. Deshalb ist es für uns wichtig, hier in der Nachbarschaft auch weiterhin präsent zu sein.“
Die Haspa hat sich in den Räumen der ehemaligen Deutsche-Bank-Niederlassung am Schulterblatt 58 eingerichtet, wo den etwa 9000 Giro-Kunden das gewohnte Team von 13 Mitarbeitern zur Verfügung steht. Dazu gibt es vier Geldautomaten, womit die auch Bargeldversorgung im Viertel wiederhergestellt ist. Die Schließfächer haben am Ausweichstandort allerdings keinen Platz, sie wurden in eine Haspa-Filiale an der Reeperbahn ausgelagert.
Der Mietvertrag für die Übergangsfläche läuft bis Mai 2019, um Zeit für die weiteren Planungen zu gewinnen. Denn ob die zerstörte Filiale am Schulterblatt 65 wieder aufgebaut werden kann, ist bisher noch Gegenstand von Gutachten. Vogelsang versprach: „Wenn eine Sanierung sich wirtschaftlich nicht lohnt, werden wir an dem Standort neu bauen.“
Die Haspa ist die einzige verbliebene Bank im Schanzenviertel, die Konkurrenz hatte wegen der regelmäßigen Angriffe linksautonomer Straftäter in den vergangenen Jahren nach und nach das Feld geräumt. Sparkasse und Bewohner des Quartiers fühlten sich miteinander eng verbunden, wie Filialleiter Nico Heitmann berichtete. „Die häufigsten Frage unserer Nachbarn nach G20 war: Ihr bleibt doch, oder?“
Zu der in der Politik diskutierten Räumung des umstrittenen Autonomenzentrums „Rote Flora“ wollte sich der Sparkassen-Vorstandschef nicht äußern. Derzeit gebe es keinen Dialog mit den Verantwortlichen des linken Stadtteiltreffs – leider, wie Harald Vogelsang sagte. „Es wäre ein tolles Zeichen gewesen, wenn die Sprecher der ‚Roten Flora‘ zu uns gekommen wären und mal gesagt hätten: Tut uns leid.“
Den Schaden in der demolierten Niederlassung schätzt die Haspa auf mehr als eine Million Euro. Einen Teil des Schadens werde von den Versicherungen ersetzt, so Vogelsang. Sein Unternehmen werde aber auch Forderungen an den Entschädigungsfonds von Stadt und Bund richten. Insgesamt seien bei den G20-Ausschreitungen sechs Haspa-Filialen im Stadtgebiet schwer beschädigt worden.
Derweil sind die Spuren der Zerstörung in der Schanze auch mehr als sechs Wochen danach noch unübersehbar. Am Schulterblatt sind einige eingeschlagene Schaufenster weiterhin nur provisorisch geflickt. Der von Chaoten geplünderte Rewe-Supermarkt ist noch geschlossen, die ebenfalls schwer verwüstete Budni-Drogeriefiliale hat ihr Räume provisorisch hergerichtet.