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Heike Götz: Liebeserklärung an die Heimat

TV-Moderatorin Heike Götz war am Freitagabend auf Einladung des Apenser Landfrauen-Vereins Auf dem Delm in Ahlerstedt im Schützenhof zu Gast.

Von Daniel Beneke Sonntag, 29.10.2017, 17:50 Uhr

Wäre sie mit dem Fahrrad gefahren, wie es zum Markenzeichen ihrer NDR-Sendung „Landpartie“ geworden ist, hätte Moderatorin Heike Götz am Freitag nicht eineinhalb Stunden auf der Autobahn im Stau stehen müssen. Doch die Landfrauen vom Apenser Verein Auf dem Delm verziehen ihr die Verspätung. Im Schützenhof in Ahlerstedt lieferte die Journalistin einen Blick hinter die Kulissen der TV-Produktion.

„Im Norden zu Hause“ hat Heike Götz (53) ihren Vortrag überschrieben, den sie vor 120 Landfrauen hält. Die Moderatorin zeigt Fotos von ihren Reisen, plaudert über die Protagonisten der Reportagen und liest Passagen aus den Büchern vor, die sie über ihre Erlebnisse verfasst hat. Natürlich sei sie nicht ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs, gesteht sie gleich zu Beginn – „leider“, wie sie sagt. Doch dazu reiche die Zeit nicht. 16 Drehtage pro Ausgabe „Landpartie“ müssen reichen. So wird das Fahrrad zur Requisite und ist doch das Erkennungszeichen der Sendung.

„Wir möchten normale Menschen zeigen“, sagt Heike Götz. Die Zuschauer sollen spannende Persönlichkeiten und überraschende Ausflugstipps jenseits der Broschüren der Tourismusorganisationen kennenlernen. „Sie sind einfach mit ihrer Heimat, mit ihrer Scholle verwachsen“, beschreibt die Moderatorin ihre Interviewpartner. Der Begriff Heimat sei in der deutschen Geschichte häufig missbraucht worden. Sie versuche, ihn positiv zu besetzen und ein realistisches Bild vom modernen Landleben zu zeigen – mit vielen kreativen Akteuren, die Innovationen hervorbringen. „Wir alle haben eine Heimat. Statistisch gesehen bleiben die meisten Menschen dort, so wie aufgewachsen sind – einfach, weil sie sich geborgen und sicher fühlen“, begründet die Journalistin diesen Ansatz.

Gerade in einer immer schnelllebigeren, globalisierten Welt ist das Interesse der Menschen an regionalen Produkten groß, weiß Heike Götz. Nicht nur die Fülle von Neuerscheinungen auf dem Zeitschriftenmarkt zeugt davon. Da ist etwa die Haustierrasse „Buntes Bentheimer Schwein“, die vor ein paar Jahren noch kurz vor dem Aussterben stand. Köche und Landfrauen haben um Abnehmer für das Fleisch geworben und so die Art gerettet, berichtet die Moderatorin. Regionale Spezialitäten sind im Trend, auch in der Spitzengastronomie. „Die Leute möchten das essen, was es hier gibt“, sagt Heike Götz.

Passend zum Veranstaltungsort, dem mehrfach ausgezeichneten Hotelrestaurant Schützenhof in Ahlerstedt, stellt sie ein Buch mit klassisch norddeutschen Rezepten vor – „Rezepte, die Heimatgefühle wecken und an die Kindheit erinnern“, hat die Moderatorin es genannt. Ihre These: „Regionalität ist das neue Bio.“ Dorfgasthöfe und Hofcafés seien im Kommen. Da hilft sie mit ihrer Sendung gerne nach: Einen Schmalzhersteller aus Mecklenburg-Vorpommern, den sie zufällig als Caterer bei einem Fernsehdreh traf, stellte sie in einer nächsten Folge der „Landpartie“ vor. Inzwischen kann er sich vor Aufträgen kaum retten.

Anfangs waren es eher klassische Höfe, die Heike Götz mit ihrem achtköpfigen TV-Team besucht hat. Inzwischen sind es auch touristische Ziele, Heuhotels oder Hofcafés, die den Weg ins Fernsehen finden. „Wir haben kein Problem, Drehorte zu finden“, sagt die Moderatorin. Auch in den Kreis Stade werde sie bestimmt bald wieder kommen. Im Alten Land und in Buxtehude hat die „Landpartie“-Crew schon mehrfach gedreht.

„Mir macht es am meisten Spaß, die vielen Menschen zu treffen und kennen zu lernen“, antwortet Heike Götz auf die Frage einer Landfrau nach ihrer Motivation. „Ich habe mit meiner Sendung das große Los gezogen.“ Nach dem knapp zweistündigen Vortrag plaudert sie noch eine Weile mit den Gästen. Mit einer Signierstunde am Büchertisch klingt der Abend aus.

Zur Person

Moderatorin Heike Götz, geboren 1964, stammt aus Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern. Sie arbeitete nach dem Abitur zunächst als Lehrerin in Ost-Berlin. Nach dem Fall der Mauer wechselte sie in den Journalismus. Ihre erste Stelle trat sie 1989 als Nachrichtensprecherin beim DDR-Jugendradio DT64 an. Kurze Zeit später wechselte sie zum Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB), einem Vorgänger des Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB). Dort absolvierte sie ein Volontariat. Seit 1999 steht sie für den Norddeutschen Rundfunk vor der Kamera. Heike Götz moderiert seither die Sendung „Landpartie“. Sie ist verheiratet und lebt in den Vier- und Marschlanden am Stadtrand von Hamburg. Die Journalistin engagiert sich ehrenamtlich als Botschafterin für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

www.ndr.de/landpartie

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